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17.07.2011

22:25 Uhr

Offshore-Anlagen

Energiebranche buhlt um Spezialschiffe

Bis 2030 sollen 4.500 Windparks auf hoher See entstehen. Doch das größte Problem für die ehrgeizigen Ziele sind die Schiffs- und Hafenkapazitäten. Wie die Energie- und Baukonzerne um Spezialschiffe und Logistik buhlen.

Windparks müssen sich 100 Kilometer vor der deutschen Küste befinden. Dies erfordert den Einsatz von seltenen und somit begehrten Spezialschiffen. Quelle: dpa

Windparks müssen sich 100 Kilometer vor der deutschen Küste befinden. Dies erfordert den Einsatz von seltenen und somit begehrten Spezialschiffen.

DüsseldorfEon-Manager Michael Lewis ist stolz und erleichtert. Der Energiekonzern habe sich „das derzeit beste Schiff auf dem Markt“ gesichert, sagt der Europa-Chef von Eons Tochter für erneuerbare Energien. Das Unternehmen hat für sechs Jahre die „MPI Discovery“ gechartert, um auf hoher See Fundamente und Windturbinen zu installieren. In diesen Tagen erst haben die Düsseldorfer den Vertrag mit der niederländischen Reederei MPI-Vroon unterzeichnet.

Eon braucht die „MPI Discovery“ dringend. Denn es gibt zu wenig Spezialschiffe für den Bau der Windparks in Nord- und Ostsee. Dort startet nach Angaben des Bundesamts für Schifffahrt und Hydrographie (BSH) in Hamburg in diesem und im kommenden Jahr der Bau von insgesamt neun großen Windparks. Alle brauchen Spezialschiffe für die Montage und für die spätere Wartung der Riesenwindräder.

„Die Schiffe sind momentan der Flaschenhals“, bestätigt eine RWE-Sprecherin. „Deshalb haben wir selber welche in Auftrag gegeben.“ So wird der Essener Energiekonzern zum ersten Mal in seiner Geschichte zum Schiffseigner. Jedes der beiden Spezialschiffe kostet rund 100 Millionen Euro.

„Die Logistik ist neben der Finanzierung der Windparks derzeit die größte Herausforderung“, sagt Torsten Henzelmann, Partner bei Roland Berger Strategy Consultants und Green-Tech-Spezialist. Denn in Deutschland dürfen die Anlagen, anders als etwa in dänischen und britischen Gewässern, nur weit draußen auf hoher See stehen, um das Wattenmeer zu schonen. Dort müssen die Schiffe Fundamente in 40 Metern Meerestiefe in den Boden rammen und die schweren Türme und Rotorblätter mit Spezialkränen bei starkem Seegang montieren. Die „MPI Discovery“ eignet sich als eines der wenigen Schiffe für dieses schwere Unterfangen: Sie kann ihre sechs Hubbeine auf dem Meeresgrund aufsetzen, auch wenn er 40 Meter tief liegt, und ihren Rumpf aus dem Wasser heben. Der Bordkran schafft es, Lasten von 1.000 Tonnen über 100 Meter hochzuheben.

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