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07.01.2010

12:51 Uhr

OHB siegt über EADS

EU drückt bei Galileo auf Tempo und Kosten

VonRuth Berschens, Markus Fasse

Die EU-Kommission treibt ihr industriepolitisches Prestigeprojekt Galileo voran. Die Kommission gibt dem günstigeren Angebot des deutschen Satellitenbauers OHB den Zuschlag für das Projekt, die sich damit gegen den wesentlich größeren Konkurrenten EADS durchgesetzt haben. Russische Raketen sollen das Navigationssystem ins All befördern.

Beim Galileo-Auftrag scheint OHB das Rennen zu machen gegen EADS. Quelle: ap

Beim Galileo-Auftrag scheint OHB das Rennen zu machen gegen EADS.

BRÜSSEL/MÜNCHEN. Die Brüsseler Behörde vergab am Donnerstag die ersten drei Aufträge für das europäische Satelliten-Navigationssystem. Den Hauptgewinn zog dabei ein deutsches Unternehmen: Die OHB System AG soll die ersten 14 Satelliten im Wert von 566 Mio. Euro bauen. Die Bremer haben sich damit gegen den wesentlich größeren Rivalen EADS-Astrium durchgesetzt. Die Aktie des Bremer Technologieunternehmens schoss am Nachmittag um 13 Prozent in die Höhe.

"Wir haben das wirtschaftlich und technisch bessere Angebot gemacht", sagte OHB-Chef Marco Fuchs. OHB hatte sich bereits 2001 einen Namen in der Branche gemacht, als das Unternehmen den Zuschlag für den Bau von fünf Spionagesatelliten für die Bundeswehr erhielt und sich damit ebenfalls gegen EADS-Astrium durchsetzte.

Gute Chancen auf weitere Aufträge

EU-Verkehrskommissar Antonio Tajani schloss nicht aus, dass OHB Folgeaufträge erhält. Im Bieterkampf zwischen OHB und EADS-Astrium werde sich die Kommission auch künftig für das günstigere Gebot entscheiden, so Tajani. Die Kommission und die für Galileo beauftragte Weltraumagentur Esa stehen unter erheblichem Zeit- und Kostendruck bei dem Prestigeprojekt.

So erhält zwar der Anbieter von Raketenstarts Arianespace den Auftrag, die ersten Galileo-Satelliten ins Weltall zu befördern. Doch starten werden nicht die europäischen Ariane-Raketen, sondern die wesentlich günstigeren Sojus-Raketen. Nur so ließen sich die Kosten für die Starts auf 397 Mio. Euro drücken.

Schließlich erhielt das italienische Unternehmen Thales Alenia Space den Auftrag, die Systemunterstützung für Galileo zu entwickeln. Dabei handelt es sich um die industriellen Dienstleistungen, die für den Betrieb des Satellitennavigationssystems erforderlich sind. Das Auftragsvolumen beläuft sich auf 85 Mio. Euro. Eines der beiden Kontrollzentren wird vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen bei München betrieben. Insgesamt soll Galileo 3,4 Mrd. Euro kosten, 1,5 Mrd. hat bislang die Entwicklung verschlungen. Beobachter gehen allerdings davon aus, dass dieser Betrag nicht ausreicht.

Navigationssystem soll 2014 starten

Galileo soll ab Anfang 2014 neben dem amerikanischen GPS-System eine globale, metergenaue Satellitenpeilung ermöglichen. Anders als GPS soll Galileo die Empfangbarkeit des Signals garantieren und somit für die Navigation von Schiffen und Flugzeugen nutzbar sein.

Die EU hinkt damit ihrem eigenen Zeitplan deutlich hinterher. Eigentlich sollten die ersten Satelliten schon 2010 Signale zur Erde funken. Die Verspätung erklärt sich teilweise mit dem Zusammenbruch des privaten Galileo-Konsortiums vor zwei Jahren. Damals zeigte sich die Industrie zwar sehr interessiert an den Galileo-Aufträgen, wollte dafür aber keine finanziellen Risiken eingehen. Die EU-Kommission nahm das Projekt schließlich unter ihre Fittiche, um es vor dem Aus zu bewahren. Für sie handelt es sich um das bedeutendste industriepolitische Vorhaben der nächsten Jahre, sie sieht darin erhebliche Innovationschancen.

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