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04.04.2011

21:31 Uhr

Oman-Staatskonzern

Tui dementiert Verkauf von Hapag-Lloyd-Anteilen

Der Staatsfonds von Oman ist am Montagabend mit der Nachricht herausgeplatzt, der Tui 15 Prozent an der Reederei Hapag-Lloyd abkaufen zu wollen. Der Reiseveranstalter versucht nun, die Meldung wieder einzufangen.

Frachter der Reederei Hapag-Lloyd im Hafen in Hamburg. Quelle: ap

Frachter der Reederei Hapag-Lloyd im Hafen in Hamburg.

Die am Montagabend publizierte Ankündigung des Staatsunternehmens Onyx aus dem Sultanat Oman, 15 Prozent der Tui-Anteile an der Hamburger Container-Schiffsreederei Hapag-Lloyd zu übernehmen, hat bei der Tui in Hannover Überraschung ausgelöst. Ein Sprecher erklärte am Dienstagmorgen auf Anfrage: "Es gibt zwar Verhandlungen, aber wir haben bisher nicht verkauft." In der Zentrale von Europas größtem Reisekonzern wird darüber gerätselt, wie die Nachricht vom Golf zustande gekommen ist.

Tui hält derzeit noch 49,8 Prozent an Hapag, hat aber bereits 11,3 Prozent der Beteiligung an den Hapag-Partner, das Hamburger Konsortium Albert Ballin, veräußert. Dort wird Mitgesellschafter Klaus-Michael Kühne nach eigener Ankündigung den Anteil übernehmen. Bei den Hannoveraner verbleiben dann rund 38 Prozent, für die der Konzern entweder Anker-Investoren sucht oder sie an der Börse platzieren will. Ein Börsengang vor Ostern war aber erst vor zwei Wochen wegen der Libyen-Krise und der Katastrophe in Japan ohne ein neues Datum verschoben worden.
Der Tui-Sprecher bestätigte weiter Medienberichte, denen zufolge es auch Verhandlungen mit weiteren Großinvestoren gebe. Es sei aber nichts entschieden und spruchreif.

Die Muttergesellschaft von Onyx aus Oman hatte am Montagabend mitgeteilt, 15 Prozent der Hapag-Lloyd-Anteile zu übernehmen, aber keinen Kaufpreis genannt. Finanzkreisen zufolge verhandelt der Hapag-Großaktionär Tui auch mit einem chinesischen Interessenten. Es werde angestrebt, dass neben Oman auch die chinesische Fluggesellschaft HNA einen Hapag-Anteil in derselben Größenordnung wie der Staatsfonds von Oman von Tui kaufe, sagte eine mit den Plänen vertraute Person.

Der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zufolge ist für HNA hinter den Kulissen ein Anteil in einer Größenordnung von zehn Prozent im Gespräch, es könnten auch 15 Prozent werden. HNA ist die viertgrößte Luftfahrtgruppe der Volksrepublik. Tui hat sich zu dem Verkauf bislang nicht geäußert. Der Konzern würde sich mit dem Verkauf von 30 Prozent seiner Anteile fast komplett von der ehemaligen Tochter Hapag-Lloyd trennen.

Mit dem Verkauf an das Sultanat Oman und voraussichtlich an die chinesische HNA ist ein Börsengang von Hapag-Lloyd noch unwahrscheinlicher geworden. Früheren Planungen zufolge wollte Tui seine Anteile schon im April an die Börse bringen. Gemeinsamen mit den anderen Eigentümern hatte sich der Konzern aber auf eine Verschiebung geeinigt. Grund dafür waren die Ereignisse in Japan und Libyen, hieß es in Unternehmenskreisen. Die Vorbereitungen für einen Sprung aufs Börsenparkett liefen aber weiter, sagte zwei mit den Verhandlungen vertraute Personen. Abhängig von der weltpolitischen Lage sei frühestens Ende Mai ein neuer Anlauf möglich, hieß es.

Hapag-Lloyd erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 6,2 Milliarden Euro und ein operativen Gewinn von 583 Millionen Euro. Tui will die Einnahmen aus der Trennung von der Reederei für den Umbau zum reinen Touristikkonzern verwenden. Denkbar ist der beispielsweise der Rückkauf von Tui Travel.

Für Oman und die chinesische HNA steckt folgende Logik hinter der Beteiligung: Oman investiere viel Geld in den Ausbau seiner Häfen und hoffe, in den Routenplan von Hapag-Lloyd aufgenommen zu werden, heißt es in dem FAZ-Bericht. Der chinesische HNA-Konzern würde sich mit einem Engagement bei Hapag-Lloyd breiter aufstellen.

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