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27.09.2011

16:01 Uhr

Online-Reisemarkt

Kampf um den Urlauber 2.0

VonHans-Peter Siebenhaar, Carina Kontio

Das Reisegeschäft im Internet wächst rasant: Die Deutschen buchen ihren Urlaub immer häufiger über Onlineportale. Entsprechend aggressiv ist der Wettbewerb um die Kundschaft - ein harter Kampf mit großen Potentialen.

Der Strand des Ostseebades Binz auf der Insel Rügen in Norddeutschland. dpa

Der Strand des Ostseebades Binz auf der Insel Rügen in Norddeutschland.

Wiesbaden/DüsseldorfOb Flüge, Hotelzimmer, Ferienwohnungen oder Pauschalreisen: Alles kann im Internet gebucht werden und der Urlaubskauf übers WWW wird bei den reisehungrigen Bundesbürgern immer beliebter. Mehr als jeder Fünfte (21 Prozent) hat laut Statistischem Bundesamt im vergangenen Jahr über ein Online-Reiseportal seine Unterkunft gebucht.

Ein Jahr zuvor hatte der Anteil erst 19 Prozent betragen. Besonders beliebt ist die Online-Buchung bei Menschen zwischen 25 und 44 Jahren, die ihn zu 35 Prozent nutzten. Von den älteren Menschen über 65 Jahren sind hingegen nur 8 Prozent dabei.

Die Rivalen im Markt für Buchungsportale

Deutsche Bahn

Online ist die Deutsche Bahn im Touristikmarkt hierzulande mit mehreren Portalen (u.a. Bahn.de, Start.de) aktiv. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete der Konzern rund 1,41 Milliarden Euro - ein sattes Plus von 18,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit führt die Bahn die Liste der umsatzstärksten Buchungsportale im deutschen Markt an.

Unister

Das Start-up (ab-in-den-urlaub-de. reisen.de) sorgt seit 2002 im Markt für Unruhe und jagte dem einstigen Primus Expedia ordentlich Marktanteile ab. Inzwischen belegt das Unternehmen mit einem Umsatz von 950 Millionen Euro im Jahr 2010 Platz zwei. Im Vergleich zum Vorjahr präsentiert Unister einen beeindruckenden Zuwachs beim Umsatz von 106,5 Prozent.

Expedia

Expedia erwirtschaftete im vergangenen Jahr rund 745 Millionen Euro, das waren 23 Prozent mehr als im Vorjahr.

Schmetterling

Das Buchungsportal Schmetterling rangiert auf Platz vier und verzeichnete 2010 einen Umsatz von 488 Millionen Euro - ein Plus von 16,2 Prozent im Vorjahresvergleich.

Opodo

Das Portal Opodo verdiente im gesamten Jahr 2010 über 14 Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor. Unterm Strich erwirtschaftet das Unternehmen 468 Millionen Euro mit seiner Plattform im Netz.

Holidaycheck

Betrachtet nach den Visits, also die Zahl der Besuche auf einer Internetseite und zentraler Erfolgsmesser im virtuellen Geschäft, läuft der Anbieter Holidaycheck dem Rivalen Expedia deutlich den Rang ab - Expedia verzeichnete im vergangenen Monat 7,4 Millionen Besuche, bei Holidaycheck waren es einschließlich der Hotelbewertungen mit 22,3 Millionen Visits dreimal so viele.

Nach Umsatz betrachtet landet der Anbieter aber auf Platz sechs mit 410 Millionen Euro im Jahr 2010 - ein Plus von 46,4 Prozent im Vergleich zu 2009.

TUI Deutschland

Bei TUI Deutschland sind die Vorzeichen eher negativ: Mit einem Umsatz von 225 Millionen Euro verbuchte das Urlaubsportal über 8 Prozent weniger als noch ein Jahr zuvor.

Comvel

Schlusslicht ist das Unternehmen Comvel, das im Netz mit Portalen wie Weg.de und Ferien.de vertreten ist. In Deutschland erwirtschaftete das Unternehmen 2010 rund 210 Millionen Euro - auch hier ein Plus im Vergleich zu 2009 von 5 Prozent.

Harter Kampf um Urlauber

Zu den Gewinnern dieser Entwicklung zählen vor allem die Buchungsportale im Webt. In den vergangenen Jahren sind immer mehr Plattformen entstanden die sich mit neuen Diensten bekämpfen. Der aggressive Wettbewerb wundert nicht, denn vor allem Deutschland gehört zu den attraktivsten Märkten der Welt: So gaben die Bundesbürger im vergangenen Jahr, das hat die Commerzbank ausgerechnet, allein für Auslandsreisen knapp 61 Milliarden Euro aus.

Der Markt für Reisebuchungen über das Internet boomt nicht erst seit gestern. Für 2011 prognostizierte der Verband Internet Reisevertrieb (VIR) der Branche in Deutschland einen Umsatzanstieg von mehr als 30 Prozent gegenüber 2009.

Erster Anbieter, bei dem Kunden ihre Reisen übers Netz buchen können, war vor gut einem Jahrzehnt das Reiseportal Expedia. Das Wachstum schien lange unbegrenzt, das Unternehmen wurde zum größten Urlaubsportal. Doch inzwischen ist das Gerangel um die besten Plätze im Wettbewerb in vollem Gange und Expedia musste anderen Buchungsportalen Platz machen.

Rund um den Globus

Im Markt tummeln sich inzwischen neben dem Anbieter Unister, der 2002 an Expedia vorbei gezogen ist, weitere ernst zu nehmende Konkurrenten. Vor wenigen Monaten hat das Suchmaschinengigant Google den Flugdienstleister ITA übernommen. Im Februar kauften die Finanzinvestoren Permira und Axa Private Equity das Online-Reiseportal Opodo und bündelten es in einer Gruppe mit den Reisedienstleistern Go Voyages und E-Dreams - der neue Anbieter soll rund 2,5 Milliarden Euro Umsatz im Jahr einfahren.

Nicht nur hierzulande, der Online-Reisemarkt boomt rund um den Globus. Deswegen schielen die Anbieter auch auf den asiatischen Markt. Expedia spricht auch von einem explosiven Wachstum in Russland und Brasilien. Von diesem Trend profitiert das Unternehmen, das bereits in 25 Ländern präsent ist, deutlich. Der weltweite Umsatz stiegt im zweiten Quartal um 23 Prozent auf etwas mehr als eine Milliarde Dollar, der bereinigte Netto-Gewinn schnellte um ein Fünftel auf 154 Millionen Dollar hoch. Die Aussichten für die Zukunft sind rosig. Scott Durchslag, Präsident von Expedia Worldwide: "Wir werden in zehn neue Länder expandieren."

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