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07.11.2012

11:25 Uhr

Opel-Aufsichtratschef Girsky

„Wir werden den Turnaround schaffen“

General-Motors-Vize Stephen Girsky macht gute Miene zum bösen Spiel. Die Zahlen sind schlecht, doch der Opel-Aufseher übt sich jetzt in Optimismus – neue Stellenstreichungen wird es aber trotzdem geben.

Opel-Aufsichtsratschef Stephen Girsky übt sich in Optimismus. dpa

Opel-Aufsichtsratschef Stephen Girsky übt sich in Optimismus.

RüsselsheimKaum ein Tag vergeht, ohne neue Negativ-Meldungen über Opel. Einen Betriebsverlust von bis zu 1,8 Milliarden Euro erwartet die Mutter General Motors (GM) für Opel und Vauxhall erwartet, mehr Mitarbeiter in Deutschland sollen gehen und über das Opel-Werk in Bochum wird weiter hart verhandelt. Doch jetzt überrascht ausgerechnet Stephen Girsky mit neuem Opel-Optimismus.

Der General-Motors-Vize und Opel-Aufsichtratschef glaubt ungeachtet der jüngsten Milliardenverluste fest an den Erfolg der deutschen Tochter. „Opel musste lange kämpfen. Jetzt sehen wir erste Lichtblicke“, sagte Girsky der dpa. Im Juli hatte Girsky als Interimschef selbst für wenige Tage das Ruder bei Opel in der Hand. Der Plan „Drive Opel 2022“ trage erste Früchte, sagt er jetzt: „Opel hatte im dritten Quartal einen positiven Cash-Flow.“

Das sind Opels Baustellen

Worum geht es bei den Verhandlungen zum Deutschland-Plan?

Generell geht es um die Frage, wie der kriselnde Hersteller mehr Autos verkaufen, Beschäftigung sichern und wieder Geld verdienen kann. Im Detail wird über neue Modelle, Motoren und Märkte, die Fertigung markenfremder Modelle wie Chevrolets in Opel-Werken sowie über Einsparungen gesprochen. Das Management will Produktionskosten senken, aber auch am Personal sparen. Nach aktuellen Stand sollen betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2016 und damit zwei Jahre länger als bisher festgelegt ausgeschlossen werden.

Drohen Werkschließungen oder Massenentlassungen?

Jedenfalls nicht sofort. Das Management hatte angeboten, das Werk Bochum nicht wie ursprünglich angestrebt Anfang 2014 sondern erst mit dem Auslaufen der Zafira-Produktion zwei Jahre später zu schließen. Damit gewinnt der Standort Zeit. Die Hoffnung auf eine bessere Marktentwicklung bleibt erhalten.

Wie kann Opel ohne Werksschließungen auf Überkapazitäten reagieren?

Bei den Verhandlungen ging es auch um freiwillige Abfindungsprogramme und Vorruhestandsregelungen. So soll nach und nach sozialverträglich Beschäftigung abgebaut werden. Aktuell hat Opel nach Betriebsratsangaben noch etwa 38 000 Beschäftigte - nach der jüngsten Sanierung Ende 2010 waren es noch 40.000.

Welchen Sanierungsbeitrag könnten die Beschäftigten leisten?

Zunächst verzichten die Mitarbeiter erneut auf Lohn. Von November an wird die jüngste Metall-Tariferhöhung von 4,3 Prozent erneut gestundet. Falls es eine Einigung über die Zukunft der deutschen Opel-Werke gebe, könnten die erneut gestundeten Millionen auch „in einer Gesamtkonzeption aufgehen“, sagt der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel. Wie das aussehen könnte, ist unklar. Kommt keine Einigung zustande, zahlt Opel das gestundete Geld nachträglich aus.

Was bedeutet die Allianz mit PSA für die Opel-Beschäftigten?

Glaubt man dem Unternehmen, wird die Zusammenarbeit mit Peugeot-Citroën keine Jobs bei Opel kosten. Selbst wenn die Partner eines Tages Autos nicht nur gemeinsam entwickeln sondern auch bauen sollten, dürfe das nicht auf Kosten des anderen gehen, betont GM-Vize und GM-Europachef Stephen Girsky: Keine Seite werde ihre Probleme zulasten der anderen lösen. Bei Opel könnten zudem schon 2016 Chevrolets vom Band laufen, um die Überkapazitäten zu senken.

Fallen durch die Allianz in den Entwicklungszentren Stellen weg?

Zwar wollen GM und PSA zunächst vier Fahrzeugplattformen gemeinsam entwickeln. Weder Betriebsrat noch Unternehmen sehen aber Jobs im Rüsselsheimer Entwicklungszentrum gefährdet. Vielmehr könnten die freigesetzten Kapazitäten genutzt werden, um wie versprochen die Entwicklung neuer Modelle voranzubringen.

Wie ernst ist die Lage von Opel?

Opel schreibt seit Jahren Verluste. Jetzt leidet der Hersteller zudem unter der aktuellen Absatzkrise in Europa. Im dritten Quartal schrieb GM in seinem Europageschäft einen Verlust von 500 Millionen Dollar. Für das Gesamtjahr wird ein Betriebsverlust von 1,5 bis 1,8 Milliarden Dollar erwartet.

Dieser Nettozufluss liquider Mittel sei nicht selbstverständlich angesichts des Marktumfeldes in Europa. „Wir sind auf einem guten Weg, den erfolgreichsten Turnaround in der Geschichte der europäischen Autoindustrie zu schaffen.“

Der kriselnde Autobauer wird aber weiter an der Kostenschraube drehen und auch in Zukunft Personal abbauen. „Wir müssen effizienter werden, wir müssen unsere Strukturen verschlanken und Bürokratie abbauen“, sagte Girsky. „Wir werden mit einer kleineren Zahl von Mitarbeitern leben müssen“, sagte der ehemalige Interimschef.

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Allein in diesem Jahr werden bei dem defizitären Hersteller 2600 Stellen wegfallen – über freiwillige Abfindungs- und Vorruhestandsangebote sowie durch natürliche Fluktuation. Zum Jahresende wird Opel rund 37.400 Menschen in Europa beschäftigen, davon rund 20.300 in Deutschland. GM will in Europa bis 2015 die Gewinnschwelle erreichen.

Kommentare (2)

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Concorde

07.11.2012, 11:38 Uhr

That's the Concorde-Effect.

Account gelöscht!

07.11.2012, 12:17 Uhr

Genau. Einfach weiter im Kreis drehen.

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