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13.11.2012

15:45 Uhr

Opel-Betriebsrat

„GM muss ein klares Bekenntnis abgeben“

Der Betriebsrat der Rüsselsheimer verlangt von der US-Konzernmutter GM ein klares Bekenntnis zu Opel mit allen Standorten. Ansonsten sei die Wiederbelebung der Marke in Gefahr. Bochum komplett dichtzumachen wäre „fatal“.

Flaggen von Opel und General Motors. dapd

Flaggen von Opel und General Motors.

RüsselsheimDer Opel-Betriebsrat drängt die US-Konzernmutter GM, sich von Überlegungen über Werksschließungen und Massenentlassungen in Deutschland zu verabschieden. "GM muss ein klares Bekenntnis zu allen Opel-Standorten abgeben. Ohne dies wird sich die Marke nicht wiederbeleben lassen", warnte Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug in einem am Dienstag veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur Reuters.

Falls GM das Werk in Bochum schließen sollte oder Opel als Ganzes gar mit dem französischen Partner Peugeot zusammenläge, käme dies einem Rückzug des Detroiter Autobauers aus Europa gleich. Damit würde GM dem Rivalen VW das Feld in Europa überlassen und müsste sich vom Anspruch verabschieden, weltweit Nummer eins zu werden.

Das sind Opels Baustellen

Worum geht es bei den Verhandlungen zum Deutschland-Plan?

Generell geht es um die Frage, wie der kriselnde Hersteller mehr Autos verkaufen, Beschäftigung sichern und wieder Geld verdienen kann. Im Detail wird über neue Modelle, Motoren und Märkte, die Fertigung markenfremder Modelle wie Chevrolets in Opel-Werken sowie über Einsparungen gesprochen. Das Management will Produktionskosten senken, aber auch am Personal sparen. Nach aktuellen Stand sollen betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2016 und damit zwei Jahre länger als bisher festgelegt ausgeschlossen werden.

Drohen Werkschließungen oder Massenentlassungen?

Jedenfalls nicht sofort. Das Management hatte angeboten, das Werk Bochum nicht wie ursprünglich angestrebt Anfang 2014 sondern erst mit dem Auslaufen der Zafira-Produktion zwei Jahre später zu schließen. Damit gewinnt der Standort Zeit. Die Hoffnung auf eine bessere Marktentwicklung bleibt erhalten.

Wie kann Opel ohne Werksschließungen auf Überkapazitäten reagieren?

Bei den Verhandlungen ging es auch um freiwillige Abfindungsprogramme und Vorruhestandsregelungen. So soll nach und nach sozialverträglich Beschäftigung abgebaut werden. Aktuell hat Opel nach Betriebsratsangaben noch etwa 38 000 Beschäftigte - nach der jüngsten Sanierung Ende 2010 waren es noch 40.000.

Welchen Sanierungsbeitrag könnten die Beschäftigten leisten?

Zunächst verzichten die Mitarbeiter erneut auf Lohn. Von November an wird die jüngste Metall-Tariferhöhung von 4,3 Prozent erneut gestundet. Falls es eine Einigung über die Zukunft der deutschen Opel-Werke gebe, könnten die erneut gestundeten Millionen auch „in einer Gesamtkonzeption aufgehen“, sagt der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel. Wie das aussehen könnte, ist unklar. Kommt keine Einigung zustande, zahlt Opel das gestundete Geld nachträglich aus.

Was bedeutet die Allianz mit PSA für die Opel-Beschäftigten?

Glaubt man dem Unternehmen, wird die Zusammenarbeit mit Peugeot-Citroën keine Jobs bei Opel kosten. Selbst wenn die Partner eines Tages Autos nicht nur gemeinsam entwickeln sondern auch bauen sollten, dürfe das nicht auf Kosten des anderen gehen, betont GM-Vize und GM-Europachef Stephen Girsky: Keine Seite werde ihre Probleme zulasten der anderen lösen. Bei Opel könnten zudem schon 2016 Chevrolets vom Band laufen, um die Überkapazitäten zu senken.

Fallen durch die Allianz in den Entwicklungszentren Stellen weg?

Zwar wollen GM und PSA zunächst vier Fahrzeugplattformen gemeinsam entwickeln. Weder Betriebsrat noch Unternehmen sehen aber Jobs im Rüsselsheimer Entwicklungszentrum gefährdet. Vielmehr könnten die freigesetzten Kapazitäten genutzt werden, um wie versprochen die Entwicklung neuer Modelle voranzubringen.

Wie ernst ist die Lage von Opel?

Opel schreibt seit Jahren Verluste. Jetzt leidet der Hersteller zudem unter der aktuellen Absatzkrise in Europa. Im dritten Quartal schrieb GM in seinem Europageschäft einen Verlust von 500 Millionen Dollar. Für das Gesamtjahr wird ein Betriebsverlust von 1,5 bis 1,8 Milliarden Dollar erwartet.

GM und Volkswagen wetteifern um den weltweiten Thron in der Automobilindustrie, auf dem sich der japanische Rivale Toyota in diesem Jahr beeindruckend zurückgemeldet hat. Schäfer-Klug verwies auf Nordamerika, wo die Niedersachsen GM zunehmend Konkurrenz machten. Noch sei die Marktstellung von VW dort zwar vergleichsweise klein, aber die Wachstumsraten der Wolfsburger seien enorm. In dieser Situation dürfe GM VW nicht den europäischen Markt überlassen. "GM wird den europäischen Markt mit seiner Marke Chevrolet nie so bestellen können wie mit Opel", betonte Schäfer-Klug.

General Motors spricht derzeit parallel mit dem Betriebsrat über ein Sparpaket und mit Peugeot über eine gemeinschaftliche Sanierung ihres Europageschäfts. Finanzkreisen zufolge denken die beiden Partner darüber nach, ihr Autogeschäft enger zu verzahnen. In der Diskussion waren zuletzt mehrere Varianten, die von einem Verkauf von Opel an Peugeot bis zu einer Zusammenlegung in einer neuen Gesellschaft unter der Regie der Franzosen reichen.

Gewerkschaften in beiden Ländern befürchten, dass die beiden Autobauer dann noch tiefere Einschnitte vornehmen könnten als bisher schon geplant. Allerdings wurden zuletzt auch Stimmen laut, die eine engere Zusammenarbeit angesichts der staatlichen Hilfen für Peugeot für eher unwahrscheinlich hielten.

Es wäre "fatal", wenn GM jetzt beschlösse, Bochum komplett dichtzumachen, betonte Schäfer-Klug. Denn die Entscheidung wäre erst in vier Jahren wirksam, würde aber bereits jetzt das Ansehen der Marke weiter beschädigen. Opel hatte dem Betriebsrat im Juni angeboten, den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bis Ende 2016 zu verlängern. Im Gegenzug sollten die Arbeitnehmer akzeptieren, dass die Produktion des Familienwagens Zafira zu diesem Zeitpunkt in Bochum ausläuft und das Werk danach geschlossen wird. Die Einigung über ein Sparpaket wird bis Weihnachten angestrebt.

Kommentare (1)

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bayernfan

14.11.2012, 09:03 Uhr

Opel ist der beste Beweis dafür, dass mit Betriebsrat und Gewerkschaft man es ganz sicher schafft, auf Dauer Arbeitsplätze zu vernichten. Wann kapieren die endlich, dass sie zuviele Leute haben und zuviel Kapazität, von Produkten die schon lange nicht mehr so viele Leute wollen, wie die da oben sich träumen. Sorry, solange sich Opel nicht gesund schrumpft, macht es der Markt.

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