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09.02.2012

15:34 Uhr

Opel

In Bochum geht die Angst um

VonTino Andresen

Die Zukunft des Bochumer Opel-Werks scheint wieder in Gefahr zu sein. Und das just an dem Tag, an dem sich in der Ruhrmetropole die Crème de la Crème der Automobilbranche trifft.

Opel-Werk in Bochum: Zukunft wieder ungewiss. dpa

Opel-Werk in Bochum: Zukunft wieder ungewiss.

BochumFür die Mitarbeiter am Stand von Opel auf der Fachausstellung zum Car-Symposium muss es an diesem Donnerstag ein Spießrutenlauf sein, ihr Unternehmen zu repräsentieren. Zu der Veranstaltung mit 1100 Teilnehmern hat der Automobil-Experte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen eingeladen – ausgerechnet nach Bochum und ausgerechnet einen Tag, nachdem Spekulationen laut geworden waren, der US-Konzern General Motors (GM) könne das Werk seiner Tochter Opel in der Ruhrmetropole schließen.

Auch der Oberbürgermeisterin der Stadt, Ottilie Scholz (SPD), dürften Begrüßungen schon leichter gefallen sein. Zur Kongresseröffnung betont sie die Wichtigkeit von Opel für Bochum, geht aber nicht auf die möglicherweise drohende Schließung der Fabrik ein.

Nachdem die Führung der zeitweise insolventen Mutter GM fast zwei Jahre lang über einen Verkauf von Opel diskutiert, dann aber doch darauf verzichtet hatte, hatten auch die Opel-Beschäftigten in Bochum aufgeatmet.  Und nun zittern sie wieder. Seit Wochen sucht Aufsichtsratschef Stephen Girsky, Vize-Chef bei GM, nach Einsparmöglichkeiten. Begründung: „In der Konzernzentrale herrscht großer Druck, dass wir in Kürze in Europa wieder Gewinne schreiben.“

Opels bewegte Geschichte

Eine Achterbahnfahrt

Die Firmengeschichte der Adam Opel AG gleicht einem spannenden Roman, den man nicht besser erfinden könnte. Es folgt die aufregende Geschichte des Autobauers.

Die Wurzeln

Alles begann mit Nähmaschinen: Die Wurzeln von Opel reichen bis ins Jahr 1862 zurück. Damals gründete Adam Opel ein Unternehmen zum Nähmaschinen-Bau und legte damit den Grundstein für die spätere Adam Opel AG.

Opel baut Fahrräder

1886 nahm Opel die Produktion von Fahrrädern auf - zunächst mit Hochrädern. 1899 rollte das erste Automobil aus der Fabrik in Rüsselsheim. Seit 1929 gehört Opel zum US-Konzern General Motors (GM).

Der „Laubfrosch“

Als erster deutscher Hersteller führte Opel 1923 die Serienfertigung am Fließband ein. Als Hersteller von preisgünstigen und robusten Gebrauchsfahrzeugen wie dem legendären „Laubfrosch“ wurde Opel populär.

 

Raketenautos

Spektakuläre Experimente mit Raketenautos durch Fritz von Opel trugen zum Image eines modernen Unternehmens bei. Der Marktanteil in Deutschland lag damals bei heute kaum vorstellbaren 26 Prozent, der spätere große Konkurrent Volkswagen war noch nicht einmal gegründet.

Erste Risse

Doch das Fundament von Opel zeigte erste Risse. Für die Einführung der Massenproduktion waren enorme Investitionen notwendig. Wilhelm von Opel, damals der Kopf des Unternehmens, erkannte, dass ein reines Familienunternehmen mit den horrenden Investitions- und Entwicklungskosten in der Autoindustrie auf Dauer überfordert sein würde.

GM fühlt vor

Schon 1926 hatte von Opel bei General Motors vorgefühlt, ob der US-Konzern an einer Beteiligung interessiert sei. Zwei Jahre später nahmen die Firmen den Gesprächsfaden wieder auf.

Übernahmekandidat

Inzwischen war Opel für GM ein interessanter Übernahmekandidat geworden. Die steigenden Zollbarrieren, mit denen die Reichsregierung die deutschen Autohersteller schützen wollte, zwangen GM, über Alternativen zum Import fertiger Fahrzeuge nachzudenken. Es war die Idee von Konzernchef Alfred Sloan, die Produktion für den europäischen Markt nach Deutschland zu verlagern und dazu ein etabliertes Unternehmen zu kaufen.

Opel macht Eindruck

Als eine GM-Delegation 1928 in Europa mehrere Werke besichtigte, machte Opel auf Sloan einen hervorragenden Eindruck: „70 Prozent des Maschinenparks sind in den vergangenen vier Jahren neu angeschafft worden“, notierte Sloan: „Die Werksstruktur ist flexibel und der Fertigung neuer Modelle leicht anzupassen.“ Am 17. März 1929 übernahm der Konzern für 33 Millionen Dollar die Aktienmehrheit an Opel, nach damaligen Maßstäben ein Mega-Deal.

Erst spät rentabel

Verzinst hat sich das Investment lange nicht: Erst verhinderte die Weltwirtschaftskrise, dann die NS-Diktatur eine erfolgreiche transatlantische Zusammenarbeit. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Opel für General Motors rentabel. 1954 baute Opel erstmals pro Jahr mehr als 150.000 Fahrzeuge, heute sind es rund 1,2 Millionen.

Die finsteren 80er

Doch ab den 80er Jahren kippte die Entwicklung: Opel verschlief den Wechsel zum Frontantrieb: Der Herausforderer VW-Golf war einfach praktischer als der Rivale Kadett, der noch mit Heckantrieb fuhr. Auch den von VW gestarteten Dieseltrend verschlief Opel.

12Kampf mit VW

In den 90ern prügelte sich Opel vor allem mit VW um seinen ehemaligen Manager José López, der nach Wolfsburg gewechselt war und angeblich Industriespionage begangen hatte. Doch in den López-Jahren hatten bei Opel Qualitätsprobleme begonnen, die das einst lupenreine Image der Marke beschädigten. Und die Mutter GM nutzte das Können der Opel-Ingenieure dann für eigene Projekte in Übersee, wie in Brasilien. Aber nicht für Opel-Autos.

GM behindert Opel

Außerdem verhinderte GM den weltweiten Export von Opel, das zusammen mit den britischen GM-Tochter Vauxhall auf Europa beschränkt bleiben sollte. Während Volkswagen zu einem mächtigen Global Player heranwuchs, wurde Opel von General Motors nur unzulänglich gefördert. Wichtige Märkte wie China sind Opel bis heute versperrt, weil GM hier auf andere Konzernmarken baut.

Die große Krise 2008

Als 2008 die große Autokrise ausbrach, explodierten die Probleme bei Opel: Das Unternehmen hing am Tropf der US-Mutter, die dann aber selbst in die Insolvenz ging. GM wollte Opel schnell verkaufen und wurde sich 2009 handelseinig mit dem Zulieferkonzern Magna.

Der Deal platzt

Doch dann besann sich GM und sagt den Deal ab. „Das ist ein klares Bekenntnis zum europäischen Geschäft, das für GM von entscheidender Bedeutung ist“, sagte der damalige Konzernchef Ed Whitacre im März 2010. Whitacre schickte den hemdsärmeligen Nick Reilly als Sanierer zu Opel: 8.000 Jobs wurde gestrichen, das Werk in Antwerpen geschossen, die Fabrik in Bochum gesundgeschrumpft.

Der Neustart

Jetzt steckt Opel mitten im Neustart: Die Modell sind neu und schneiden ist Tests gut ab. Der kleine Corsa sitzt dem viel teureren VW-Polo bei den Neuzulassungen im Nacken. Bei den Minivans ist der praktische Meriva an der Spitze der Zulassungen und der Astra-Kombi läuft nach Firmenangaben gut an.

 

Der Insignia

Ein Problem hat Opel aber bei den größeren Modell: Der Insignia ist technisch gut, kommt aber beim Absatz nicht in die Nähe des Platzhirsches Passat. Gerade bei den größeren Autos wird aber das große Geld verdient. Und darüber hat Opel gar kein Angebot mehr, weder Rekord, noch Omega, Senator, Diplomat, Admiral oder Kapitän. Und den Manta schon gar nicht.

Die heutigen Verkäufe

Gemeinsam mit der britischen Schwestermarke Vauxhall verkaufte Opel 2010 mehr als 1,1 Millionen Fahrzeuge in Europa, was einem Marktanteil von 6,2 Prozent und Platz fünf im Markt entspricht. In Deutschland wurden im vergangenen Jahr mehr als 243.000 Wagen verkauft, damit lag Opel auf dem dritten Rang.

Opel International

Das Unternehmen betreibt Werke und Entwicklungszentren in sechs europäischen Ländern und beschäftigt nach eigenen Angaben europaweit 40.500 Mitarbeiter. Opel baut in Deutschland neben dem Hauptstandort in Rüsselsheim Autos in Bochum und Eisenach. In Kaiserslautern werden zusätzlich Motoren und Teile gefertigt.

Opel und GM

Im ersten Quartal 2011 verzeichnete GM mit dem Europageschäft um Opel und die kleinere britische Schwester Vauxhall operativ rote Zahlen von 390 Millionen Dollar (263 Mio. Euro). Im gesamten vergangenen Jahr war es ein Verlust von 1,76 Milliarden Dollar.

Doch das ist Opel seit zwölf Jahren nicht mehr gelungen. Seit 1999 brockte die Tochter dem GM-Konzern Verluste von insgesamt elf Milliarden Dollar ein. Das liegt maßgeblich daran, dass sich der Marktanteil von Opel seither mehr als halbiert hat und die Werke nicht ausgelastet sind. Nach internen Berechnungen wird die Basiskapazität derzeit nur zu drei Vierteln genutzt und könnte weiter sinken. Zum Vergleich: Die Auslastung der BMW-Werke liegt laut Konzernchef Norbert Reithofer bei 105 bis 110 Prozent. Von dessen Luxusproblem kann Opel nur träumen: „Wir hätten 2011 mehr Autos verkaufen können, aber wir waren an der Grenze der Produktionskapazität“, sagt der BMW-Lenker am Rande der Veranstaltung.

Opel-Vorstandsmitglied und -Entwicklungschefin Rita Forst hat da ungünstigere Vorzeichen für ihren Auftritt. Sie soll am Nachmittag bei einer Podiumsdiskussion über „die neue Automobilindustrie“ sprechen. Eine Dreiviertelstunde vor deren Beginn betritt sie den Konferenzsaal im Ruhr-Congress durch einen Seiteneingang. Auf die Gerüchte um das Bochumer Werk angesprochen will sie sich gegenüber Handelsblatt Online nicht äußern.

Kommentare (3)

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peer

09.02.2012, 16:21 Uhr

also alle, die sich noch in amerikanischen Betten befinden, sollten sich besser ein anderes Hotel suchen. Die amerikanischen Daunen beginnen zu stinken.

Tom

09.02.2012, 18:39 Uhr

Ich weiss zwar nicht an was es liegt aber wenn Opel seit 12 Jahren Verluste macht,da kann man, wenn nicht sogar muss man über solche Themen reden. 12Jahre Verluste muss man sich auf der Zunge zergehen lassen, ich verstehe es nicht.

Millner

09.02.2012, 18:46 Uhr

Hallo,
fahre seit ca.35 Jahren nur Opel-Autos.
Habe zur Zeit seit 13 Jahren einen Astra G aus Bochumer-Fertigung.Super-ohne Probleme 160 000 km.
Eines weiß ich aber wenn Bochum geschlossen wird,kaufe ich mir vermutlich keinen Opel mehr!!!!
LG aus Österreich
Millner J.

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