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14.02.2013

14:40 Uhr

Opel in Europa

Vom Adam bleibt nur das Feigenblatt

VonLukas Bay

Auf dem europäischen Markt schreibt Opel-Mutter GM erneut Milliardenverluste. Schuld ist Opel, sagen die US-Amerikaner. Dabei wäre es endlich Zeit, der deutschen Tochter die Wahrheit zu sagen.

Opel auf dem Herzen, nur Chevrolet im Kopf: GM-Vize Stephen Girsky. dapd

Opel auf dem Herzen, nur Chevrolet im Kopf: GM-Vize Stephen Girsky.

Wenn einem der eigene Partner eröffnet, dass er bis Anfang 2016 treu zu sein gedenkt, ist das ein berechtigter Grund, misstrauisch zu sein. Wenn er zudem immer wieder teure Geschenke für jemand anderen kauft, ist Eifersucht wohl mehr als berechtigt.

Nicht anders geht es derzeit Opel. Auf der einen Seite besucht GM-Vize Girsky im Opel-Pullover die Werke, schließt einen Verkauf aus und schwört Opel die zeitlich befristete Treue. Auf der anderen Seite gönnen die führenden GM-Manager der Tochter Chevrolet eine Marketingoffensive in Europa. Die aggressive Positionierung der US-Tochter auf dem Heimatmarkt von Opel, ist mittlerweile nicht mehr zu übersehen. An den Autohäusern, in der Werbung und sogar in den Werken wird die US-Marke hofiert, während Opel wie das Aschenputtel des Konzerns behandelt wird.

Den Opel-Mitarbeitern ist das längst bewusst. Nicht umsonst fordern sie vom Mutterkonzern, betriebsbedingte Kündigungen auch nach 2016 - also nach der Schließung des Standorts Bochum - auszuschließen. Mittlerweile stecken die Verhandlungen über das neue Sparpaket in einer Sackgasse. Eine Einigung ist nicht in Sicht. Opel will die Fahrzeugproduktion in Bochum Ende 2016 dichtmachen. Wenn die Arbeitnehmer dem zustimmen, sollen die Jobs auch an allen anderen Standorten gesichert werden.

Die Sanierungspläne von Opel

Der „Deutschland-Plan“

Das Opel-Management hatte seine Absichten für das Werk Bochum bereits im Juni in einem „Deutschland-Plan“ skizziert, der die Grundlage der Sanierung des verlustreichen Herstellers sein soll. Die Eckpunkte haben sich seitdem kaum verändert. Hier die wichtigsten Bestandteile.


Werk in Bochum schließt

Mit dem Verlegung der aktuellen Generation des Familien-Vans Zafira nach Rüsselsheim endet die Fahrzeugproduktion im Traditionswerk Bochum Ende 2014. Erhalten wird nur ein Warenverteilzentrum.

Bessere Auslastung für andere Werke

Die übrigen Opel-Werke könnten durch die Produktion für andere Automarken, etwa die Schwester Chevrolet, besser ausgelastet werden.

Hoffnung auf Nischenmodelle

Nischenmodelle wie der Mini-SUV Mokka oder der Kleinwagen Adam sollen zusätzlichen Absatz bringen.

Neue Märkte erschließen

Über den Mutterkonzern General Motors will Opel wachsende Auslandsmärkte wie Russland oder die Türkei besser erschließen.

Sparen dank Kooperation

In der Zusammenarbeit mit dem Partner PSA Peugeot Citroën will GM für Opel Spareffekte nutzen, etwa in der Konstruktion oder womöglich sogar beim Bau von Fahrzeugen.

Mit dem heute veröffentlichten operativen Verlust von 1,8 Milliarden Dollar in Europa wollen die Amerikaner den Druck auf die Belegschaft erhöhen. Doch nicht Opel ist der Bremsklotz dem GM-Konzerns. Die Amerikaner bremsen Opel international immer wieder aus, verbieten der Marke den Zugang zu den lukrativen internationalen Märkten.

Man kann diese Strategie verfolgen. Doch dann muss GM den Opel-Mitarbeitern reinen Wein einschenken und offen zugeben: Opel soll künftig in Europa die zweite Geige spielen. Deshalb müssen Werke geschlossen werden. Es ist Zeit für ein offenes Wort aus Detroit.

Mit befristeten Treueschwüren ist in Rüsselsheim und Eisenach niemandem geholfen. GM muss Farbe bekennen, ob und wie man langfristig mit Opel plant. Sonst wird von Adam, Opels neuer Hoffnung im Kleinwagengeschäft, nicht viel mehr übrig bleiben als das Feigenblatt.

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