Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.02.2015

14:42 Uhr

Opel macht Verlust

Nicht alles für die Katz'

VonLukas Bay

Opel-Chef Neumann hat ein anstrengendes Jahr hinter sich. Eigentlich will die Marke das Verlierer-Image abstreifen, doch Russland verhagelt den Rüsselsheimern das Comeback. Doch es gibt auch Anlass zur Hoffnung.

Mit dem neuen Werbegesicht Karl Lagerfeld schmückt sich Opel in Deutschland. Dem Imagegewinn muss der wirtschaftliche Gewinn folgen. GM

Katzen-Werbung statt Katzenjammer

Mit dem neuen Werbegesicht Karl Lagerfeld schmückt sich Opel in Deutschland. Dem Imagegewinn muss der wirtschaftliche Gewinn folgen.

DüsseldorfManchmal kommt die Führung eines Autobauers einem Wechselbad der Gefühle gleich. Gestern feierte Opel-Chef Karl-Thomas Neumann noch mit Designer Karl Lagerfeld und allerlei Prominenz den neuen Corsa von Berlin. Mit ein bisschen Chichi und Blitzlichtgewitter wurde Opels neuer Kalender präsentiert. Hauptfigur: Lagerfelds Katze „Choupette“. Einen Tag später holt Neumann die raue Wirklichkeit der Zahlen ein.

Das Jahr 2014 ist für die deutsche GM-Tochter schwieriger gelaufen als erwartet. Unterm Strich hat GM Europe einen Verlust von 1,4 Milliarden Dollar (1,22 Milliarden Euro) eingefahren, noch einmal mehr als im Vorjahr. Allein im vierten Quartal lag das Minus bei 400 Millionen Dollar (rund 350 Millionen Euro). Wieder einmal muss Neumann dem Mutterkonzern General Motors tiefrote Zahlen berichten. Die Kehrtwende – in den Zahlen ist sie auf den ersten Blick noch nicht sichtbar. Dabei erwartet GM ab 2016 wieder schwarze Zahlen von Opel.

Doch der Absatzeinbruch in Russland macht Opel das Comeback immer schwerer. Die Rubelschwäche frisst die Gewinne auf. Dabei spielte Russland in den Plänen von Neumann eine Schlüsselrolle. Immerhin galt es nach seinem Amtsantritt im März 2013 als einer seiner ersten Erfolge, dass er die GM-Zentrale in Detroit überzeugen konnte, die Konzernschwester Chevrolet aus Europa zurückzuziehen.

Auslastung der Opel-Werke

Saragossa (Spanien)

In seinem spanischen Werk produziert Opel den Corsa und den Meriva. Bald soll auch noch der Kompakt-SUV Mokka hier gebaut werden. Mit einer Kapazität von 480.000 Fahrzeugen und einer Produktion von 300.000 Fahrzeugen ist das Werk zu zwei Dritteln ausgelastet und beschäftigt derzeit rund 5.800 Mitarbeiter.

Rüsselsheim (Deutschland)

Im Stammwerk von Opel werden der Insignia und der Astra gebaut. Mit dem Modellwechsel im kommenden Jahr soll der Astra allerdings nach Polen wandern, dafür kommt der Zafira aus dem Werk in Bochum. Die Auslastung muss dann dringend steigen. Denn derzeit liegt die Kapazität des Werks bei 280.000 Fahrzeugen - und die wird nur zu 54 Prozent ausgelastet.

Eisenach (Deutschland)

Das Werk mit seinen 1.600 Mitarbeitern ist die Kleinwagen-Hochburg von Opel. Hier werden der Corsa und der Adam gebaut. Was die Auslastung betrifft steht kein Opel-Werk derzeit besser da. Die Kapazität von 170.000 Fahrzeugen wird zu 71 Prozent ausgenutzt.

Bochum (Deutschland)

Das Werk soll zum Ende des Jahres schließen - noch arbeiten rund 3.200 Opelaner am Standort und bauen den Zafira und den Astra. Ausgelastet wird die Kapazität von 180.000 Fahrzeugen nur zu 52 Prozent.

Gliwice (Polen)

Das polnische Werk mit seinen 3000 Angestellten soll einer von zwei Standorten für die neue Astra-Generation werden - und muss dringend besser ausgelastet werden. Derzeit liegt die Auslastung bei mageren 43 Prozent bei einer Kapazität von 208.000 Fahrzeugen.

Ellesmere Port (Großbritannien)

Der zweite große Astra-Standort ist das Werk in Großbritannien, wo Opel derzeit 1.180 Mitarbeiter beschäftigt. Die Auslastung ist auch hier noch unprofitabel. Bei einer Kapazität von 188.000 Fahrzeugen liegt sie bei 43 Prozent.

Bisher zahlt sich diese Rochade für Opel allerdings kaum aus. Der russische Markt ist ein Klotz am Bein. Die Verkäufe der Marken Opel, Chevrolet und Cadillac sind um rund ein Viertel eingebrochen. Allein durch Wechselkurseffekte türmt sich ein Verlust von 200 Millionen Dollar auf. Derzeit geht es für Opel vor allem um Schadensbegrenzung. Von Mitte März bis Mitte Mai sollen die Bänder im Werk Sankt Petersburg stillstehen. Die Preise wurden kurzerhand angehoben

Trotz der Probleme in Russland will Neumann bisher nicht von seinem offiziellen Ziel abrücken, im Jahr 2016 wieder profitabel zu sein. „Gemeinsam haben wir das operative Resultat von Opel/Vauxhall verbessert, die Verkaufszahlen gesteigert und Marktanteile hinzugewonnen, obwohl das Marktumfeld noch schwieriger geworden ist“, schrieb Opel-Chef Karl-Thomas Neumann in einem Rundbrief an die Mitarbeiter.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×