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27.03.2013

16:06 Uhr

Opel-Sanierung

IG Metall stimmt Tarifvertrag zu

Der IG-Metall-Bundesvorstand stimmt dem von der Tarifkommission ausgehandelten Vertrag zur Opel-Sanierung zu. Der Vertrag schließt betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2016 aus und gilt für alle Standorte, bis auf Bochum.

Die IG Metall stimmt dem von der Tarifkommission ausgehandelten Vertrag zur Opel-Sanierung zu. Er gilt für alle Standorte, einzige Ausnahme: Bochum. dpa

Die IG Metall stimmt dem von der Tarifkommission ausgehandelten Vertrag zur Opel-Sanierung zu. Er gilt für alle Standorte, einzige Ausnahme: Bochum.

HamburgMit der Zustimmung der IG Metall hat Opel eine wichtige Hürde für die immer dringendere Sanierung genommen. Der geschäftsführende Vorstand der Gewerkschaft votierte am Mittwoch einstimmig für den mit der Opel-Mutter General Motors ausgehandelten Tarifvertrag. Damit kann der neue Opel-Chef Karl-Thomas Neumann daran gehen, den Rüsselsheimer Autobauer - nach zahlreichen gescheiterten Versuchen seiner Vorgänger - für die Zukunft fitzumachen. Den finanziellen Rückhalt dafür hat ihm der Detroiter Mutterkonzern zugesichert. Verlierer nach dem monatelangen Gezerre ist die Belegschaft des Bochumer Fahrzeugwerks. Ihre Fabrik wird Ende 2014 geschlossen und damit zwei Jahre früher als in dem Tarifvertrag in Aussicht gestellt.

Diesen hatten zuvor - bis auf Bochum - alle Opel-Standorte akzeptiert. GM hatte nach der Ablehnung durch Bochum angekündigt, die Autofabrik im Ruhrgebiet mit 3200 Beschäftigten bereits Ende 2014 dichtzumachen. Darüber will der US-Konzern auch nicht mehr verhandeln. Die Vereinbarung gilt nach dem Nein von Bochum nur für die anderen Opel-Werke.

Gewerkschaftschef Berthold Huber nannte den Tarifvertrag die „bestmögliche Lösung unter den gegebenen Bedingungen“. Die Vereinbarung sichere Arbeitsplätze und lege fest, dass in die deutschen Standorte investiert werde. Opel bleibe zudem im Flächentarif, betriebsbedingte Kündigungen seien bis Ende 2016 ausgeschlossen.

Die Sanierungspläne von Opel

Der „Deutschland-Plan“

Das Opel-Management hatte seine Absichten für das Werk Bochum bereits im Juni in einem „Deutschland-Plan“ skizziert, der die Grundlage der Sanierung des verlustreichen Herstellers sein soll. Die Eckpunkte haben sich seitdem kaum verändert. Hier die wichtigsten Bestandteile.


Werk in Bochum schließt

Mit dem Verlegung der aktuellen Generation des Familien-Vans Zafira nach Rüsselsheim endet die Fahrzeugproduktion im Traditionswerk Bochum Ende 2014. Erhalten wird nur ein Warenverteilzentrum.

Bessere Auslastung für andere Werke

Die übrigen Opel-Werke könnten durch die Produktion für andere Automarken, etwa die Schwester Chevrolet, besser ausgelastet werden.

Hoffnung auf Nischenmodelle

Nischenmodelle wie der Mini-SUV Mokka oder der Kleinwagen Adam sollen zusätzlichen Absatz bringen.

Neue Märkte erschließen

Über den Mutterkonzern General Motors will Opel wachsende Auslandsmärkte wie Russland oder die Türkei besser erschließen.

Sparen dank Kooperation

In der Zusammenarbeit mit dem Partner PSA Peugeot Citroën will GM für Opel Spareffekte nutzen, etwa in der Konstruktion oder womöglich sogar beim Bau von Fahrzeugen.

Für die Marke Opel sei neben der wirtschaftlichen Sanierung die Zukunftsstrategie existenziell, betonte Huber. Opel müsse endlich wieder mehr Autos verkaufen - in Europa und auf Exportmärkten. Der Tarifvertrag schaffe dafür eine Grundlage und überbrücke die Unterauslastung der Werke bis zur Einführung neuer Modelle. Huber bedauerte, dass Bochum dem Tarifvertrag nicht zugestimmt habe, hielt sich aber mit Kritik zurück. Mitgliedervoten seien bei Tarifverträgen zur Beschäftigungssicherung für die IG Metall bindend.

Dagegen ließ Opel-Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug seiner Enttäuschung freien Lauf: In den vergangenen zwölf Jahren sei es bei keiner Werks- oder Standortschließung von GM gelungen, ein solches Ergebnis zur Arbeitsplatz- und Standortsicherung zu erreichen, wie in Bochum. „Weder in Luton (Großbritannien) 2001, noch in Azambuja (Portugal) 2006 oder in Antwerpen (Belgien) 2010 konnte eine solche Alternative durchgesetzt werden.“ Dieses Ergebnis habe der Bochum Betriebsratschef Rainer Einenkel mit "Verdrängung, öffentlichen Medienauftritten und Verschwörungstheorien" torpediert.

Einenkel hatte Schäfer-Klug zuvor vorgeworfen, hinter seinem Rücken verhandelt und die Bochumer Opelaner durch frühe Medieninformation vor vollendete Tatsachen gestellt zu haben. „Einenkel verschweigt schlichtweg die Tatsache, dass es ohne die Solidarität der anderen Standorte niemals Verhandlungen unter dem gemeinsamen Dach der IG Metall zur Zukunft des Standorts Bochum gegeben hätte“, betonte Schäfer-Klug.

Opel in Bochum

1962

Das Werk entsteht nach ungefähr zwei Jahren Bauzeit auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Dammbaum. Das erste Auto, das vom Band rollt, ist ein Kadett A. Das Werk ist für 10.000 Beschäftigte konzipiert, viele der damaligen Arbeiter kommen aus dem Bergbau.

1967

Der Mittelklassewagen Olympia kommt ins Programm. Drei Jahre später sind es der Ascona und der legendäre Manta, die ab 1970 in dem Werk vom Band rollen.

1979

Höchststand bei der Beschäftigung: Zum Jahresende arbeiten mehr als 20 000 Menschen im Bochumer Opel-Werk.

1991

Der Astra löst den Kadett ab. Bis 2004 wird das Fahrzeug gefertigt, ab 1999 der Siebensitzer Zafira.

2004

Die Konzernmutter General Motors legt einen drastischen Sparplan für die europäische Tochter auf, bei der bis 2006 rund 10 000 Stellen gestrichen werden sollen. Opel beschäftigt in Bochum noch etwa 9000 Mitarbeiter.

2005

Betriebsrat und Management unterschreiben einen „Zukunftsplan“, der die Existenz des Bochumer Werks sichern soll. In dem Jahr kommt ein neues Zafira-Modell nach Bochum.

80er und 90er Jahre

Der Personalstand schwankt nach Angaben der Bochumer Werksleitung zwischen 15 000 und 17 000.

2009

GM kündigt einen weiteren drastischen Stellenabbau von Opel in ganz Europa an, rund 9000 der noch 55 000 Stellen sollen wegfallen.

2011

Seit dem Jahr wird der Zafira Tourer in Bochum gebaut. Es ist vermutlich die letzte Produktionslinie an dem Standort.

2012

Opel beschäftigt noch rund 3200 Menschen in Bochum. Seit Bestehen wurden in dem Werk 13,5 Millionen Autos gebaut. Das Werk besteht nun seit 50 Jahren.

2013

Die Bochumer Belegschaft sagt Nein zu einem neuen Sanierungsplan, der die Autoproduktion bis Ende 2016 vorsieht. Der Opel-Aufsichtsrat beschließt darauf das Aus für das Werk. Nur ein Warenverteilzentrum soll erhalten bleiben.

Der Kompromiss hatte vorgesehen, die Fahrzeugfertigung erst Ende 2016 zu schließen und 1200 der mehr als 3000 Arbeitsplätze im Lager und einer Komponentenfertigung zu erhalten. Die Zusagen waren dem Bochumer Betriebsrat jedoch zu unverbindlich. Er wollte nach der Ablehnung weiter verhandeln, was GM jedoch ablehnte.

Von

rtr

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