Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.12.2014

13:33 Uhr

Opel-Standort Bochum

Rechtsstreit um Werkschließung setzt sich fort

Keine Entscheidung im letzten Gefecht Rainer Einenkels: Der bisherige Opel-Betriebsratsvorsitzende hat gegen die Umstände der Schließung des Werks Bochum geklagt. Das Gericht möchte jedoch weitere Zeugen hören.

Klage ums Prinzip: Auch wenn das Werk Bochum bereits geschlossen ist, geht das Verfahren weiter. dpa

Klage ums Prinzip: Auch wenn das Werk Bochum bereits geschlossen ist, geht das Verfahren weiter.

DarmstadtIm Rechtsstreit um das Ende der Autofertigung im Opel-Werk Bochum will das Landgericht Darmstadt weitere Zeugen hören. Das erklärte das Gericht am Freitag. Der Bochumer Betriebsratsvorsitzende Rainer Einenkel hatte der Adam Opel AG vorgeworfen, den Aufsichtsrat nicht korrekt über den Plan informiert zu haben, den Familienwagen Zafira von 2015 an im Stammwerk Rüsselsheim anstatt im Ruhrgebiet fertigen zu lassen.

Aus Einenkels Sicht wurde die Entscheidung zum Nachteil des Unternehmens gefasst, weil die Schließung gravierende finanzielle Auswirkungen auf den Gesamtkonzern habe. Zur Klärung der Vorwürfe will das Gericht am 20. Januar noch Zeugen aus der Opel-Rechtsabteilung hören - es gehe um die ordnungsgemäße Bestellung von Aufsichtsratsmitgliedern.

Opel in Bochum

1962

Das Werk entsteht nach ungefähr zwei Jahren Bauzeit auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Dammbaum. Das erste Auto, das vom Band rollt, ist ein Kadett A. Das Werk ist für 10.000 Beschäftigte konzipiert, viele der damaligen Arbeiter kommen aus dem Bergbau.

1967

Der Mittelklassewagen Olympia kommt ins Programm. Drei Jahre später sind es der Ascona und der legendäre Manta, die ab 1970 in dem Werk vom Band rollen.

1979

Höchststand bei der Beschäftigung: Zum Jahresende arbeiten mehr als 20 000 Menschen im Bochumer Opel-Werk.

1991

Der Astra löst den Kadett ab. Bis 2004 wird das Fahrzeug gefertigt, ab 1999 der Siebensitzer Zafira.

2004

Die Konzernmutter General Motors legt einen drastischen Sparplan für die europäische Tochter auf, bei der bis 2006 rund 10 000 Stellen gestrichen werden sollen. Opel beschäftigt in Bochum noch etwa 9000 Mitarbeiter.

2005

Betriebsrat und Management unterschreiben einen „Zukunftsplan“, der die Existenz des Bochumer Werks sichern soll. In dem Jahr kommt ein neues Zafira-Modell nach Bochum.

80er und 90er Jahre

Der Personalstand schwankt nach Angaben der Bochumer Werksleitung zwischen 15 000 und 17 000.

2009

GM kündigt einen weiteren drastischen Stellenabbau von Opel in ganz Europa an, rund 9000 der noch 55 000 Stellen sollen wegfallen.

2011

Seit dem Jahr wird der Zafira Tourer in Bochum gebaut. Es ist vermutlich die letzte Produktionslinie an dem Standort.

2012

Opel beschäftigt noch rund 3200 Menschen in Bochum. Seit Bestehen wurden in dem Werk 13,5 Millionen Autos gebaut. Das Werk besteht nun seit 50 Jahren.

2013

Die Bochumer Belegschaft sagt Nein zu einem neuen Sanierungsplan, der die Autoproduktion bis Ende 2016 vorsieht. Der Opel-Aufsichtsrat beschließt darauf das Aus für das Werk. Nur ein Warenverteilzentrum soll erhalten bleiben.

Für die zuletzt fast 3000 Mitarbeiter des Autobauers in Bochum kommt eine Entscheidung des Gerichts ohnehin zu spät: Am 5. Dezember lief in dem Werk der letzte Wagen vom Band. Noch im Mai hatte Einenkel gehofft, das Werk mit seiner Klage retten zu können. Seinerzeit war der Versuch gescheitert, den Streit gütlich beizulegen.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×