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16.07.2013

17:50 Uhr

Opel-Umbau

Potz-Blitz!

VonLukas Bay

Opel-Chef Karl-Thomas Neumann hat bei der Marke mit dem Blitz den Konflikt mit der Belegschaft entschärft und auch die Muttergesellschaft milde gestimmt. Was ist das Geheimnis von Opels oberstem Diplomaten?

Wie der Blitz: Opel-Chef Neumann will den Neustart schaffen.

Wie der Blitz: Opel-Chef Neumann will den Neustart schaffen.

DüsseldorfZuversicht und Optimismus wollte Karl-Thomas Neumann verbreiten, als er im März seinen Job als Opel-Chef antrat. „Opel ist ein Teil der deutschen Automobil-DNA, und wir werden wieder zu alter Stärke zurückfinden, daran gibt es für mich keinen Zweifel“, schrieb er in einem Brief an die Mitarbeiter. Dabei wären Zweifel bei seinem Amtsantritt durchaus berechtigt gewesen.

Denn gleich zum Start fand sich Karl-Thomas Neumann zwischen den Fronten wieder. Nach einem Verlust von 1,8 Milliarden Dollar (1,3 Milliarden Euro) in Europa war die Geduld des Mutterkonzern General Motors aufgebraucht. Werkschließungen wurden durch die geringen Auslastung von 50 Prozent immer wahrscheinlicher, und drohten das Verhältnis zur eigenen Belegschaft endgültig zu zerstören. Als Neumanns Vorgänger Thomas Sedran das Ende der Zafira-Produktion in Bochum verkündete, konnte er die Betriebsversammlung nur durch die Hintertür verlassen - unter dem Schutz des Sicherheitsdienstes.

In den ersten Monaten glich Neumanns Job daher eher dem eines Diplomaten als dem eines Automanagers. Seine Mission: Die Gewerkschaften hinter den Sanierungskurs bringen, ohne die US-Mutter zu verärgern und das angeschlagene Image der Marke bei den Kunden weiter zu ramponieren. Bisher ist ihm dieser Spagat gelungen.

Gemeinsam mit Aufsichtsratschef Steve Girsky, dem Statthalter von General Motors in Europa, hat Neumann in Detroit um Geduld geworden. Mit einem Plan, der Opel zurück in die schwarzen Zahlen führen soll. Der Automanager arbeitet hinter den Kulissen akribisch, um GM zu demonstrieren, dass er Opel wieder rentabel machen kann. Das beginnt bei der Entwicklung.

Die europäischen Opel-Werke im Überblick

Die Ausgangslage

Opel leidet unter sinkendem Absatz und teuren Überkapazitäten. Nun will der Autobauer in seinem Werk in Bochum keine Autos mehr bauen. Eine Übersicht über die Fertigungsstätten.

Bochum

In Bochum laufen der Astra Classic und der Zafira Tourer vom Band. Ende 2014 läuft die Produktion aus. Danach soll die Autoproduktion eingestellt werden.

Rüsselsheim

Am Stammsitz Rüsselsheim werden der Insignia sowie ein Astra-Modell (5-Türer) gefertigt. 13 800 Mitarbeiter sind am Standort beschäftigt, davon 3500 in der Produktion und 7000 im Bereich Entwicklung und Design.

Eisenach

In Eisenach bauen knapp 1600 Beschäftigte den Corsa.

Kaiserslautern

In Kaiserslautern bauen knapp 2700 Beschäftigte Komponenten, Motoren und Achsen.

Gleiwitz (Polen)

In Gleiwitz läuft seit 2011 nur noch der Astra (bis 2010 auch der Zafira) vom Band; in Polen sind rund 3500 Menschen beschäftigt.

Saragossa (Spanien)

Am Standort Saragossa fertigen rund 6100 Mitarbeiter den Corsa, den Meriva und den Combo. Ab 2014 soll auch der Mokka in Spanien gebaut werden.

Ellesmere Port (England)

Etwa 2100 Mitarbeiter bauen für die Opel-Schwester Vauxhall in Ellesmere Port Astra-Modelle. Dort konnte das Management zuletzt rigide Sparmaßnahmen durchsetzen.

Luton (England)

In Luton wird der Transporter Opel Vivaro von 1100 Beschäftigten gefertigt.

Sonstige

Motoren und/oder Getriebe werden zudem in Szentgotthárd (Ungarn/660 Mitarbeiter) und Aspern (Österreich/1700) sowie in einem Joint Venture in Tychy (Polen) hergestellt. In Rüsselsheim und Turin hat der Hersteller Entwicklungszentren.

Bereits geschlossen wurde das Werk Antwerpen mit zuletzt mehreren tausend Mitarbeitern.

23 neue Automodelle will Opel in den fünf Jahren auf den Markt bringen. Mit komplett neu entwickelten Motoren will Opel die Konkurrenz auch technisch wieder überholen. Ein 1,6-Liter-Benzin- und ein 1,6-Liter-Dieselmotor, die derzeit im ungarischen Szentgottard produziert werden, sollen die Vorboten einer neuen Motorengeneration sein. Bis 2016 sollen drei komplett neue Motorenfamilien und drei neue Getriebe folgen.  

Auch bei der Modellentwicklung baut Neumann um. Der erfolgreiche Kleinwagen Adam soll zur Modellfamilie ausgebaut werden, sagte er zuletzt der WirtschaftsWoche. Die Entwicklung des Familienvans Zafira stellte Neumann kurz nach seinem Antritt komplett auf den Kopf. Er will das Auto nur rentabel bauen. Trotzdem verliert er dabei das Interesse der Gewerkschaft nicht aus dem Blick. Gerüchte, dass der Van künftig von Kooperationspartner Peugeot gebaut werden könnte, erteilte der Opel-Chef aber zuletzt eine Absage. Der Zafira werde weiterhin in Deutschland entwickelt.

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Viele denken, Opel baue solide, aber langweilige und wenig hochwertige Autos. Spätestens wer das Cabrio Cascada gefahren ist, muss dieses Vorurteil revidieren. Denn das bringt einen Hauch von Luxus in die Mittelklasse.

Eine Ansage, die als weiteres Friedensangebot an die Gewerkschaften verstanden werden kann. Auch die Produktion des SUVs Mokka, der bisher in Südkorea gebaut wird, hat Neumann zurück nach Europa geholt – wie es die Gewerkschaften gefordert hatten. Ab 2014 soll der Mokka im spanischen Saragossa produziert werden. Davon könnten auch die Kunden profitieren. Nicht wenige mussten zuletzt Monate auf den Mokka warten, weil er so beliebt war.

Das neue Selbstbewusstsein der Opelaner will Neumann auch auf der wichtigsten Automesse des Jahres, der IAA in Frankfurt, zur Schau tragen. Dort soll der Monza Concept seine Premiere feiern. Der Sportwagen mit Hinterradantrieb ist eine Referenz an das legendäre Opel-Modell, das zwischen 1978 und 1986 gebaut wurde.

Kommentare (32)

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wohl_am_Knospen

16.07.2013, 18:44 Uhr

@Santos: Ernstgemeinte Frage an einen Insider. Mal liest immer wieder, GM habe vor Jahren Bochum modernisieren wollen. Dagegen habe sich aber der Betriebsrat gesträubt, aus Angst, dass die Produktivitätsgewinne zur Freisetzung von Mitarbeitern führen könnten. Nun sei die mangelnde Produktivität mit ein Grund zu Schließung Bochums gewesen. Ist da was dran oder nur ein böses Gerücht?

keineahnungvonnix

16.07.2013, 19:14 Uhr

hat denn das Michel immer noch nicht verstanden, dass D eine sklavenaussenposten der USA ist?
man die kuh 1948 nur geboren und gut futtern lassen, weil nur eine gesunde kuh geld bringt. Wenn sie zu alt ist, kommt sie in den schlachthof.

Nanometer

16.07.2013, 19:25 Uhr

Opel ist doch schon erledigt...
Wer fährt schon gerne einen Opel, hä?!
Die Manta Zeiten sind eh vorbei...
Da fahre ich doch lieber einen LADA oder NANO...

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