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24.09.2013

12:31 Uhr

Opel und Buick

Deutsch-amerikanisches Doppel

VonLukas Bay

Unter dem Logo der US-Schwestermarke Buick könnten die Opel-Modelle Adam und Cascada bald auch in China und den USA verkauft werden. Für die Rüsselsheimer ist die Kooperation vorteilhaft, aber unberechenbar.

Opel-Chef Karl-Thomas Neumann und Steve Girsky, Vizechef von General Motors (GM) in Detroit demonstrieren Einigkeit. dpa

Opel-Chef Karl-Thomas Neumann und Steve Girsky, Vizechef von General Motors (GM) in Detroit demonstrieren Einigkeit.

DüsseldorfWenn man in Rüsselsheim zuletzt Richtung Amerika schaute, dann meist mit einer gehörigen Portion Skepsis. Denn die Nachrichten von Mutterkonzern General Motors verhießen selten Gutes. Meist stand eine neue Sparrunde an oder ein neues Modell des Mutterkonzerns machte Opel auf dem Heimatmarkt Konkurrenz. Nun haben die Managern aus Detroit eine neue Strategie für Opel ausgegeben. Die Marke soll künftig enger mit dem GM-Tochter Buick zusammenarbeiten. Zwei neue Plattformen sind geplant, weitere gemeinsame Modelle sollen folgen.

Öffentlich wird Opel-Chef Karl-Thomas Neumann nicht müde zu betonen, dass beide Marken sich „regional sehr gut ergänzen“. Doch das Machtgefälle zwischen Opel und Buick fällt ins Auge: Ob USA oder China - wo die Märkte wachsen, ist Buick präsent und damit wesentlich globaler aufgestellt. Unter eigenem Namen darf Opel seine Modelle dagegen weiterhin nur auf den stagnierenden europäischen Markt verkaufen.

Und die Lage in Europa bleibt derzeit düster. Der Marktanteil der Rüsselsheimer in Europa ist mittlerweile unter sieben Prozent gesunken. Nach insgesamt 18 Milliarden Dollar Verlust in Europa, schnürte GM im Februar auch eine Allianz mit dem französischen Autobauer PSA (Peugeot/Citroën). Inwieweit die Kooperationen mit PSA mit der Zusammenarbeit mit Buick kompatibel ist, bleibt offen.

Die europäischen Opel-Werke im Überblick

Die Ausgangslage

Opel leidet unter sinkendem Absatz und teuren Überkapazitäten. Nun will der Autobauer in seinem Werk in Bochum keine Autos mehr bauen. Eine Übersicht über die Fertigungsstätten.

Bochum

In Bochum laufen der Astra Classic und der Zafira Tourer vom Band. Ende 2014 läuft die Produktion aus. Danach soll die Autoproduktion eingestellt werden.

Rüsselsheim

Am Stammsitz Rüsselsheim werden der Insignia sowie ein Astra-Modell (5-Türer) gefertigt. 13 800 Mitarbeiter sind am Standort beschäftigt, davon 3500 in der Produktion und 7000 im Bereich Entwicklung und Design.

Eisenach

In Eisenach bauen knapp 1600 Beschäftigte den Corsa.

Kaiserslautern

In Kaiserslautern bauen knapp 2700 Beschäftigte Komponenten, Motoren und Achsen.

Gleiwitz (Polen)

In Gleiwitz läuft seit 2011 nur noch der Astra (bis 2010 auch der Zafira) vom Band; in Polen sind rund 3500 Menschen beschäftigt.

Saragossa (Spanien)

Am Standort Saragossa fertigen rund 6100 Mitarbeiter den Corsa, den Meriva und den Combo. Ab 2014 soll auch der Mokka in Spanien gebaut werden.

Ellesmere Port (England)

Etwa 2100 Mitarbeiter bauen für die Opel-Schwester Vauxhall in Ellesmere Port Astra-Modelle. Dort konnte das Management zuletzt rigide Sparmaßnahmen durchsetzen.

Luton (England)

In Luton wird der Transporter Opel Vivaro von 1100 Beschäftigten gefertigt.

Sonstige

Motoren und/oder Getriebe werden zudem in Szentgotthárd (Ungarn/660 Mitarbeiter) und Aspern (Österreich/1700) sowie in einem Joint Venture in Tychy (Polen) hergestellt. In Rüsselsheim und Turin hat der Hersteller Entwicklungszentren.

Bereits geschlossen wurde das Werk Antwerpen mit zuletzt mehreren tausend Mitarbeitern.

Erste Details über die künftige Zusammenarbeit mit Buick nähren Spekulationen über Opels Rolle im Konzern. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters soll die Entwicklungsabteilung von Opel und Buick bei der Entwicklung der Mittelklasse-Limousinen auf zwei Zentren verteilt werden. Während die grundlegende Fahrzeugentwicklung in der Buick-Zentrale in Warren, Michigan stattfindet, würde das Design und detaillierte Konstruktion in Rüsselsheim angesiedelt. In der „Frankfurt Allgemeinen Zeitung“ mutmaßte Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Center of Automotive Research, zuletzt sogar, dass Opel am Ende der Schwestermarke „untergeordnet werden könnte“.

Auch eine Personalie macht die engere Verzahnung von Buick und Opel auch personell deutlich: Die neue Marketing-Managerin für Europa, Tina Müller, ist nicht nur für Opel, sondern auch für Buick zuständig. Sie soll die Außendarstellung der Partner koordinieren.

Für Opel-Chef Neumann ist die Kooperation eine Chance, über die Schwestermarke auch in den Auslandsmärkten zu punkten - auch wenn die Stückzahlen von Cascada und Adam im Ausland zunächst klein ausfallen dürften. Denn ein Kompakt-Geländewagen auf Basis des Astra und ein Wagen oberhalb des Insignia fehlt bisher im Opel-Portfolio. Die Zusammenarbeit mit Buick soll vor allem die Entwicklungskosten beider Unternehmen senken.

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

24.09.2013, 13:07 Uhr

Das ist eben, was bei GM so falsch läuft zu-ungunsten der deutschen Tochter Opel.

Opel erbringt Entwicklungsleistungen für den Gesamtkonzern (bishin zum kompletten Auto - siehe auch Chevrolet), die höchstwahrscheinlich bewußt weit unterbezahlt werden, und hat dafür "als Ausgleich" überteuertes Zubehör von GM-Firmen zu kaufen. (GM betreibt übrigens gerade zum Zweck der Steueroptimierung ein Netzwerk aus ca. 100 Firmen allein in Europa - mit deren Hilfe man Gewinne beliebig verschieben kann).

Und dann jammert der gesamte Opel-/GM-Chor an Managern, wie unprofitabel doch Opel wäre und was für eine Belastung für den US-Mutterkonzern, und schreit nach deutschen Subventionen und Lohnkürzungen etc, droht mit Schließung.

Vor diesem Hintergrund ist eben ausgesprochen nett, daß die freundlichen Amerikaner die deutsche Defizit-Firma über Jahrzehnte auf diese Weise "durchgefüttert" haben, und trotz Kaufangeboten (während der GM-Pleite) nicht verkaufen wollten. Das war äußerst selbstlos! Es sind eben ausgesprochen nette Leute, diese menschenfreundlichen US-Manager!

Mit derartigen Freunden müssen wir unbedingt eine Freihandelszone (aka Transatlantischen Union) aufmachen!
Das wird bestimmt klasse für die deutschen Bevölkerung (Arbeitsameisen)!

TWolf

24.09.2013, 13:33 Uhr

Handwerklicher Fehler der Redaktion: Buick ist ausschließlich auf den Märkten in Nordamerika und China vertreten und NICHT in Südamerika, Russland oder Australien. Es würde sich für den Redakteur lohnen, einen Blick in die GM-Statistik zu werfen...
Die Zusammenarbeit mit Buick hat für Opel mehr Chancen als Risiken, siehe Opel Mokka/Buick Encore. Ich denke, man muss nicht immer alles schlecht reden...

LesGrossman

24.09.2013, 14:46 Uhr

Wieder einmal Handelsblatt: Ungenügend, setzen!
Der Redakteur scheint des Englischen nicht mächtig zu sein, sonst hätte er den Reutersbericht nicht so interpretiert.

Opel wird nicht Buick untergeordnet, es ist vielmehr so, dass Opel und Buick auf Augenhöhe kooperieren. Der Schwerpunkt liegt allerdings ganz klar in Rüsselsheim bei Opel. Daher wurde auch Mark Adams aus den USA wieder nach Deutschland geholt um von hier aus das globale Opel/Buick-Design zu verantworten. Opels neuer Marketingvorstand, Tina Müller, ist ebenfalls für Buick verantwortlich!

Opel investiert einen 3-stelligen Millionenbetrag in sein Entwicklungszentrum und stellt 350 neue Ingenieure ein. Wäre es so wie in diesem Bericht dargestellt, müsste Opel seine Entwicklungskapazitäten massiv abbauen.

Das gesamte amerikanische Buick-Portfolio basiert, bis auf eine Ausnahme, auf Opel-Entwicklungen, in China ist es mit Abstrichen ähnlich.
Bei Opel wird die im Bericht genannte Delta-Plattform entwickelt, nicht in den USA. Auf dieser Plattform werden die neuen Generationen der Astrafamilie, Antara und Cascada stehen einschließlich der Äquivalente für Buick.
Buick übernimmt dafür die Entwicklung der Epsilon-Plattform, auf der dann der neue Insignia stehen wird. Allerdings werden alle Modelle für den jeweiligen Markt vor Ort an die jeweiligen Anforderungen angepasst. D.h. der Insignia steht zwar auf der in den USA entwickelten Epsilonplattform, wird aber letztlich in Rüsselsheim "redesigned" um für Europa "fertig"entwickelt.

Daneben besteht für das Kleinwagen- und Vansegment eine Kooperation mit Peugeot, aus der dann unter anderem der neue Adam und ein Schwestermodell entstehen, welche wiederum von Buick genutzt werden sollen.

Im Übrigen verkaufen Buick und Opel gloabl gesehen in etwa gleich viele Fahrzeuge, bis jettzt. Es gibt also nach Verkaufszahlen keinen Vorteil für Buick. Dudenhöffer hat leider, wie so oft, keine Ahnung und lebt in seiner eigenen (Anti-Opel-)Welt.

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