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21.03.2011

21:17 Uhr

Opel und GM

Opel hat keine Zeit für Machtkämpfe

VonFlorian Brückner

Bei Opel ist ein Führungsstreit zwischen Betriebsrat und der Konzernmutter General Motors ausgebrochen. Doch Machtkämpfe kann sich Opel überhaupt nicht leisten.

Opel kommt einfach nicht zur Ruhe. Dass der starke Betriebsrat unter dem Vorsitz des allmächtigen Klaus Franz nicht tatenlos zusehen würde, wie General Motors wieder eine Doppelspitze für Opel unter Leitung eines Europachefs einführt, war vorhersehbar. Weckt doch genau dieses Management-Konstrukt bei jedem Opelaner ungute Erinnerungen an eine Zeit, als Opel von GMs Europa-Statthalter in Zürich fremdbestimmt wurde und letztlich an die Wand fuhr.

Und auch wenn der neue GM-Chef für Europa Nick Reilly betont, dass er ja nur für die langfristige Strategie, nicht aber fürs operative Geschäft zuständig sei, wäre Opel mit der Doppelspitze wieder das, was die Rüsselsheimer auch früher waren: eine Marke unter vielen bei GM - abgesehen vielleicht davon, dass Opels Entwicklungszentrum eine strategisch wichtige Rolle für den Gesamtkonzern spielt. Das kann dem Betriebsrat im Allgemeinen und Franz im Besonderen nicht schmecken, zumal GM zeitgleich mit den Änderungen im Management ja auch schon die Daumenschrauben bei der deutschen Tochter angezogen hat. Soweit, so verständlich.

Und trotzdem ist dieser Machtkampf mit Detroit, und nichts anderes ist die jetzige Führungsdebatte, völlig fehl am Platz. Opel hat größere Sorgen, kann sich weder einen Streit mit Detroit noch ein Führungsvakuum leisten. Nur mal so zur Erinnerung: Opel schreibt rote Zahlen. Im Produktportfolio klaffen nach wie vor große Lücken und die Konkurrenz ist härter geworden. Mit Hyundai hat Opel einen potenten Konkurrenten aus Südkorea bekommen, der längst nicht nur den Japanern Kunden abjagt. Und auch wenn bei Ford in Europa noch nicht alles Gold ist, was glänzt: Ford ist an allen Fronten gut unterwegs - ganz anders als Opel.

Nein, die Opelaner sollten der Wahrheit ins Auge sehen: Der Traum eines eigenständigen deutschen Autobauers namens Opel unter Mitherrschaft der Arbeiter und Angestellten ist ausgeträumt. Realistisch war er ohnehin nie, dafür war Opel von Anfang an zu klein und zu sehr auf Europa fixiert. Keine Frage, unter GM war früher nicht alles gut, ganz im Gegenteil. Ja, niemand weiß, ob New GM nicht doch noch in den Trott von Old GM verfällt. Dennoch tut Opel gut daran, jetzt möglichst schnell sich wieder aufs eigentliche Kerngeschäft zu konzentrieren: nämlich einfach gute Autos zu bauen. Die Zeit läuft - und zwar nicht zu Opels Gunsten.

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