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26.11.2014

11:20 Uhr

Opel

Werksschließung ist schwerer Schlag für Bochum

Im Dezember werden die Mitarbeiter von Opel in Bochum Arbeitskleidung und Ausweis abgeben müssen. Die Schließung einer der größten deutschen Autofabriken ist ein schwerer Schlag, rund 2700 Menschen werden arbeitslos.

Wenn die Autoproduktion endet, soll das riesige Opel-Werksgelände nicht zur Industrieruine werden. dpa

Wenn die Autoproduktion endet, soll das riesige Opel-Werksgelände nicht zur Industrieruine werden.

Bochum20.000 Menschen haben einst in Bochum Opel-Fahrzeuge montiert. Kadett und Manta, Astra und später der Familienwagen Zafira - die millionenfach verkauften Wagen sind Teil der Mobilisierung Deutschlands.

Kommenden Freitag (5.12.) stellt das Werk nach 52 Jahren die Serienfertigung ein – ohne öffentliche Abschiedsveranstaltung außerhalb des Werks, aber mit viel Emotion drinnen. „Viele haben noch keinen neuen Job. Das drückt, das kannst Du in Scheiben schneiden“, sagt ein Mitarbeiter.

Für eine interne Jubilar-Veranstaltung für altgediente Mitarbeiter (6.12.) mit rund 1000 Teilnehmern laufen die Vorbereitungen und eine letzte Betriebsversammlung im Werk (8.12.) ist geplant. Am 12.12. geben die meisten Opelaner dann Werkskleidung und Ausweis ab, berichtet der Betriebsrat.

Die Bochumer Opelaner sind im Schnitt 50 Jahre alt und über 20 Jahre am Band oder im Betrieb. Ihre Vermittlungschancen auf einem Ruhr-Arbeitsmarkt mit ohnehin überdurchschnittlicher Arbeitslosigkeit sehen Fachleute trotz guter Ausbildung und zweijähriger Transfergesellschaft mit großer Skepsis. „Da ist viel Hilflosigkeit, es gibt keine Ersatzbeschäftigung“, sagt Betriebsratschef Rainer Einenkel.

700 Arbeitsplätze bleiben – garantiert zunächst bis 2020 – in Bochum im zentralen Ersatzteillager des Opelkonzerns. Das Lager läuft aber nicht mehr unter dem Opel-Logo, sondern wird vom Opel-Partnerunternehmen Neovia betrieben. Rund 2700 Menschen landen in der Transfergesellschaft.

Auslastung der Opel-Werke

Saragossa (Spanien)

In seinem spanischen Werk produziert Opel den Corsa und den Meriva. Bald soll auch noch der Kompakt-SUV Mokka hier gebaut werden. Mit einer Kapazität von 480.000 Fahrzeugen und einer Produktion von 300.000 Fahrzeugen ist das Werk zu zwei Dritteln ausgelastet und beschäftigt derzeit rund 5.800 Mitarbeiter.

Rüsselsheim (Deutschland)

Im Stammwerk von Opel werden der Insignia und der Astra gebaut. Mit dem Modellwechsel im kommenden Jahr soll der Astra allerdings nach Polen wandern, dafür kommt der Zafira aus dem Werk in Bochum. Die Auslastung muss dann dringend steigen. Denn derzeit liegt die Kapazität des Werks bei 280.000 Fahrzeugen - und die wird nur zu 54 Prozent ausgelastet.

Eisenach (Deutschland)

Das Werk mit seinen 1.600 Mitarbeitern ist die Kleinwagen-Hochburg von Opel. Hier werden der Corsa und der Adam gebaut. Was die Auslastung betrifft steht kein Opel-Werk derzeit besser da. Die Kapazität von 170.000 Fahrzeugen wird zu 71 Prozent ausgenutzt.

Bochum (Deutschland)

Das Werk soll zum Ende des Jahres schließen - noch arbeiten rund 3.200 Opelaner am Standort und bauen den Zafira und den Astra. Ausgelastet wird die Kapazität von 180.000 Fahrzeugen nur zu 52 Prozent.

Gliwice (Polen)

Das polnische Werk mit seinen 3000 Angestellten soll einer von zwei Standorten für die neue Astra-Generation werden - und muss dringend besser ausgelastet werden. Derzeit liegt die Auslastung bei mageren 43 Prozent bei einer Kapazität von 208.000 Fahrzeugen.

Ellesmere Port (Großbritannien)

Der zweite große Astra-Standort ist das Werk in Großbritannien, wo Opel derzeit 1.180 Mitarbeiter beschäftigt. Die Auslastung ist auch hier noch unprofitabel. Bei einer Kapazität von 188.000 Fahrzeugen liegt sie bei 43 Prozent.

Mit der Werksschließung endet ein einstiges Vorzeigeprojekt des Strukturwandels an der Ruhr. Das Werk war auf früherem Bergbaugrund errichtet worden, als im Revier das Zechensterben begann. Es beschäftigte nach der Eröffnung 1962 aus dem Stand rund 10.000 Menschen – viele davon arbeitslos gewordene Kumpel.

Mit erfolgreichen Automodellen wie Kadett und Manta wuchs die Mitarbeiterzahl schnell auf rund 20.000. Qualitätsmängel, Fehler in der Modellpolitik und die immer schärfere Konkurrenz ließen seit den 90er Jahren aber den Opel-Marktanteil in Deutschland und damit die Bochumer Beschäftigtenzahlen zusammenschmelzen.

Spätestens seit 2004, als Opel die Motorenproduktion in Bochum beendete, begann in dem Ruhrgebietswerk der Überlebenskampf. Die Mitarbeiterzahl lag damals wieder bei den rund 10.000 vom Beginn und schrumpfte weiter. 2009 entging Opel nur um ein Haar der Insolvenz. Damals ahnten wohl viele, dass das Bochumer Werk keine Zukunft mehr haben würde.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

26.11.2014, 17:50 Uhr

Das ist nur der beginn einer Serie von Werksstillegungen bei allen Herstellern in Deutschland.

Woher sollen die denn zuverlässig (!) künftig ihren Strom beziehen?
Woher die Arbeiter für niedere Tätigkeiten und wer versichert ihnen glaubwürdig (!), daß man sie nicht weiterhin populistisch drangsalierte?

Herr J.-Fr. Pella

28.11.2014, 13:16 Uhr

Wer nicht blind und taub war, mußte bereits Anno 2000
erkennen, dass der Standort Bochum gefährdet war.
Zu diesem Zeitpunkt produzierte Opel Bochum die Fahrzeuge
über 2 (zwei) E t a g e n.
Schlimmer geht's nimmer!!!
Die Gewinne der Jahre zuvor wurden komplett zu GM Amerika überwiesen.
Für n e u e Investionen wurde ein kleiner Teil der Gewinne rücküberwiesen, es konnte daher nur repariert werden. Daher diese veraltete Produktion.
IG-Metall und Betriebsrat haben aber zugestimmt; und dies über Jahrzehnte.

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