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09.09.2016

11:02 Uhr

Optische Industrie

Der heimliche Motor der deutschen Wirtschaft

Die optische Industrie gehört zu den Hidden Champions der deutschen Wirtschaft. Geboren wurde sie vor 200 Jahren im ostdeutschen Jena. An Bedeutung hat die ostdeutsche Hochburg in all den Jahrzehnten kaum eingebüßt.

Mitte des 19. Jahrhunderts baute Carl Zeiss in Jena erste Mikroskope. Die Bedeutung der optischen Industrie für die deutsche Wirtschaft wird oft vergessen. dpa

Carl Zeiss AG in Jena

Mitte des 19. Jahrhunderts baute Carl Zeiss in Jena erste Mikroskope. Die Bedeutung der optischen Industrie für die deutsche Wirtschaft wird oft vergessen.

Jena/OberkochenAutos, Maschinen, Chemiegüter – sie gelten als Aushängeschilder der deutschen Wirtschaft. Die optische Industrie, die etwa 70 Prozent ihres Jahresumsatzes in Höhe von 31,5 Milliarden Euro auf dem Weltmarkt erzielt, fehlt oft bei der Aufzählung der Industriechampions.

Zu Unrecht, finden Vertreter der Branche, die ihr Geld mit Lasern für Industrie- und Medizintechnik, Messsystemen, Glasfasern für schnelles Internet, Mikroskopen, Sensoren oder LED-Leuchten verdient. Ihren Ursprung hat die optische Industrie in Jena – und genau dort wird am Sonntag an den 200. Geburtstag des Mechanikers und Unternehmers Carl Zeiss (1816-1888) erinnert.

Zeiss eröffnete Mitte des 19. Jahrhunderts in der Thüringer Universitätsstadt eine feinmechanisch-optische Werkstatt und baute die ersten Mikroskope. Er gehörte zusammen mit dem Physiker Ernst Abbe (1840-1905) und dem Chemiker und Glastechniker Otto Schott (1851-1935) zu Deutschlands Industriepionieren.

Carl Zeiss: Von der Werkstatt zum Konzern

Eröffnung

Carl Zeiss, geboren 1816 in Weimar, eröffnet am 17. November 1846 im Alter von 30 Jahren in der Neugasse 7 in Jena eine Werkstatt für optische Gerätschaften. 1847 verkaufte er die ersten 23 Mikroskope.

In Kooperation mit Ernst Abbe

Gemeinsam mit dem Physiker Ernst Abbe gelang es, den Mikroskopbau auf eine wissenschaftliche Grundlage zu stellen. 1876 wurde Abbe stiller Teilhaber an den Optischen Werkstätten. Der Chemiker Otto Schott stellte erstmals nach wissenschaftlich begründetem Verfahren optisches Glas her. Im September 1884 startete das Glaswerk Schott & Genossen.

Stiftungsarbeit

1889 gründete Abbe die Carl-Zeiss-Stiftung, der er 1891 seine Vermögensanteile an den Optischen Werkstätten und am Jenaer Glaswerk übertrug. 1896 gab Abbe der Stiftung ein Statut. Es gewährte den Zeissianern Rechte wie bezahlten Urlaub, Arbeitszeitverkürzung und Lohnfortzahlung bei Krankheit, die für die damalige Zeit ungewöhnlich waren.

NS-Zeit

Während der NS-Zeit wurde die Produktion auf Rüstungsgüter für die deutsche Wehrmacht ausgerichtet. Mit Zeiss-Geräten wurden Flugzeuge, U-Boote, Panzer und Geschütze ausgerüstet. Dieses Kapitel der Firmengeschichte wurde nach Unternehmensangaben 2014 zum 125-jährigen Bestehen der Zeiss-Stifung aufgearbeitet als Teil einer Veröffentlichung.

Standort in Oberkochen

1946, nach dem Zweiten Weltkrieg, entsteht ein zweiter Zeiss-Standort, der heutige Hauptsitz der Carl Zeiss AG, im baden-württembergischen Oberkochen.

Wiedervereinigung in Jena

Zeiss West und der von der sowjetischen Besatzungsmacht enteignete Betrieb in Jena, aus dem das DDR-Kombinat Carl Zeiss hervorging, lieferten sich jahrzehntelang Auseinandersetzungen um Namen und Markenzeichen. Im November 1991 wird bei Zeiss die „Wiedervereinigung“ vollzogen; der Standort in Jena gehört wieder zur heutigen Carl Zeiss AG mit weltweit 25.000 Beschäftigten.

Sie schufen mit Optik- und Glaswerken in Jena eine Basis der heutigen Milliardenbranche, die nach Angaben des Industrieverbandes Spectaris bundesweit rund 130.000 Menschen beschäftigt. „Insbesondere bei optischen Systemlösungen in der Medizintechnik, Messtechnik und Produktionstechnik verfügen deutsche Unternehmen über mehr als 15 Prozent Weltmarktanteil“, sagt Spectaris-Fachverbandsleiter Wenko Süptitz.

In Jena ist die Bedeutung der Historie gewiss. „Das war eine geniale Konstellation in Jena mit dem Anspruch wissenschaftlich basierter Innovationen, dem wir verpflichtet sind“, sagt der Vorstandschef der Carl Zeiss AG, Michael Kaschke. Der Optik- und Elektronikkonzern mit 4,5 Milliarden Euro Jahresumsatz und 25.000 Beschäftigten hat nach den Wirren des Zweiten Weltkriegs seinen Hauptsitz nicht mehr am Gründungsort Jena, sondern im baden-württembergischen Oberkochen.

Das allerdings soll die Bedeutung der Stadt nicht weiter schmälern. „Jena ist aber der zweitgrößte Zeiss-Standort mit Verantwortung für weltweite Geschäfte“, betont Kaschke. Das gelte für die Mikroskopie, die optische Medizintechnik mit der börsennotierten Carl Zeiss Meditec AG sowie das Planetariumsgeschäft von Zeiss. Die Thüringer Töchter hätten mehr als 2000 Beschäftigte.

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