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04.10.2014

02:37 Uhr

Ortsgruppengründung

Gewerkschaft umwirbt US-Mitarbeiter bei Daimler

Ein Daimler-Werk ohne Betriebsrat? Das ist dem Daimler World Employee Committee ein Dorn im Auge. Doch im US-Werk Tuscaloosa müsste für eine Betriebsratsgründung erst einmal eine Gewerkschaft her.

Mercedes-Werk in Tuscaloosa: Die US-Gewerkschaft UAW bemüht sich hier um Mitglieder. ap

Mercedes-Werk in Tuscaloosa: Die US-Gewerkschaft UAW bemüht sich hier um Mitglieder.

TuscaloosaAngestellte von Mercedes-Benz sollen in Zukunft auch im US-Werk Tuscaloosa gewerkschaftlich vertreten werden. Mit Unterstützung der IG Metall und des weltweiten Betriebsrats Daimler World Employee Committee sei der Ortsverband „Local 112“ gegründet worden, teilte die US-Gewerkschaft United Auto Workers (UAW) am Freitag (Ortszeit) mit.

Die Daimler-Fabrik im US-Bundesstaat Alabama sei die einzige weltweit, die bislang kein Gremium für Mitarbeitermitbestimmung anbiete. Ein Betriebsrat kann nach US-Recht nur dann gegründet werden, wenn die Mitarbeiter von einer Gewerkschaft vertreten werden.

Die Geschäftsfelder des Daimler-Konzerns

Daimler Trucks

Umsatz: 28,8 Milliarden Euro, Ebit: 1,9 Milliarden Euro. Daimler ist der weltweit größte Hersteller von schweren Lkw. Der Bereich umfasst die Marken Mercedes-Benz, Freightliner, Western Star und Fuso. In Indien wird in diesem Jahr die neue Marke BharatBenz eingeführt. Auch die typischen amerikanischen Schulbusse werden von Daimler unter der Marke Thomas Built Buses hergestellt und werden wegen Synergien in der Produktion zum Geschäftsfeld gezählt.

Mercedes-Benz Cars

Umsatz: 57,4 Milliarden Euro, operatives Ergebnis (Ebit): 5,2 Milliarden Euro. Mehr als die Hälfte des Konzernumsatzes wird in diesem Bereich gemacht. Dazu gehören die Marken smart, Mercedes-Benz und Maybach. Das Ende der Luxuskarossen von Maybach ist allerdings schon besiegelt. Stattdessen setzt Daimler auf zusätzliche Modelle der Mercedes-Benz S-Klasse.

Mercedes-Benz Vans

Umsatz: 9,2 Milliarden, Ebit: 835 Millionen Euro. Das Transportergeschäft besteht aus den Baureihen Sprinter, Vito/Viano und Vario.

Daimler Buses

Umsatz: 4,4 Milliarden Euro, Ebit: 162 Millionen Euro. Bei den Omnibussen über acht Tonnen ist Daimler Weltmarktführer. Zur Produktpalette gehören die Marken Mercedes-Benz, Setra und Orion. Geliefert werden komplette Busse, aber auch Fahrgestelle.

Daimler Financial Services

Umsatz: 12,1 Milliarden Euro, Ebit: 1,3 Milliarden Euro. Die Finanz- und Versicherungssparte bietet unter anderem Finanzierung und Leasing von Fahrzeugen sowie ein Flottenmanagement an. Daimlers Carsharing-System „car2go“ wurde inzwischen in das Geschäftsfeld integriert.

UAW erhofft sich von der Ortsgruppenbildung, mehr Daimler-Mitarbeiter für ihre Arbeit zu gewinnen. Um als Verhandlungspartner von Daimler akzeptiert zu werden, braucht UAW eine Mehrheit unter den Mitarbeitern. Doch diese zögern bisher, sich zu organisieren.

Korruptionsskandale haben in den USA schon vor Jahrzehnten am Gewerkschaftsimage gekratzt, und so mancher Arbeiter aus der Autobranche sieht gewerkschaftliche Lohntreiberei in Detroit als Mit-Ursache des Niedergangs der dortigen Werke. Inzwischen sehen nur noch wenige Arbeiter in Gewerkschaften etwas Gutes.

Das will UAW ändern. Die Mitgliedschaft in der Ortsgruppe ist freiwillig, einen Beitrag zahlen müssen die Mitarbeiter erst, wenn die Gewerkschaft mit Daimler einen Vertrag darüber hat, dass sie die Mitarbeiter in Verhandlungen über Lohn- und Sozialleistungen vertritt.

Dem "Wall Street Journal" zufolge ließ Daimler in einer Mitteilung verlauten, das Unternehme bleibe neutral und überlasse seinen Mitarbeitern die Entscheidung für oder gegen eine Gewerkschaft.

Auch im Volkswagen-Werk in Chattanooga im US-Staat Tennessee bemüht sich die Gewerkschaft UAW schon lange um einen Betriebsrat. Im Februar war sie in einer Abstimmung knapp gescheitert. Im Juli war dort ebenfalls ein Ortsverband („Local 42“) gegründet worden.

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