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13.04.2006

12:28 Uhr

Osteoporose-Mittel in der Kritik

Klagen gegen zweites Merck-Medikament

VonTobias Moerschen

Der US-Pharmakonzern Merck & Co steht vor neuen Vorwürfen im Zusammenhang mit einem populären Medikament.

NEW YORK. Zwei amerikanische Anwaltskanzleien haben Klagen gegen Merck wegen des Osteoporose-Medikaments Fosamax eingereicht. Damit droht ein neuer Skandal bei dem viertgrößten Pharmaunternehmen Amerikas, das sich derzeit gegen 10 000 Klagen wegen seines Schmerzmittels Vioxx wehrt. Die Kläger sehen Vioxx als Ursache für Herzattacken und Infarkte.

Fosamax führte laut den Klägeranwälten bei langfristiger Einnahme in manchen Fällen dazu, dass die Kieferknochen von Patienten abstarben. Merck-Sprecher Chris Loder wies gegenüber der Agentur Bloomberg die Vorwürfe zurück. Er verwies darauf, dass Merck auf dem Etikett von Fosamax das Risiko eines Absterbens der Kieferknochen erwähnt.

Die Anwälte argumentieren bei den Fosamax-Klagen ähnlich wie in den Vioxx-Fällen: Sie werfen Merck vor, aus geschäftlichen Interessen unzureichend und zu spät auf Risiken des Medikaments hingewiesen. Anwalt Tim O’Brien von der Kanzlei Levin, Papantonio, Thomas, Mitchell, Echsner & Procter bezeichnet Fosamax in einer am Montag eingereichten Klage als Ursache für das Absterben des Kieferknochens seiner Mandantin Linda Secrest. Die 59jährige nahm das Osteoporose-Medikament laut Klageschrift seit März 2000 ein, und 2005 wurde bei ihr ein irreversibler Tod des Kieferknochens diagnostiziert.

Fosamax gehört zur Medikamentengruppe der so genannten Bisphosphonate. Diese bekämpfen einen Rückgang der Knochendichte, unter dem viele Frauen in den Wechseljahren leiden. Mit einem Umsatz von 3,2 Mrd. Dollar im vergangenen Jahr war Fosamax für Merck das zweitwichtigste Medikament nach dem Herzmittel Zocor. Dem US-Informationsdienst IMS Health zufolge verschrieben Ärzte das Präparat in den USA im vergangenen Jahr 22,4 Millionen mal.

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