Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.09.2014

20:05 Uhr

Panzer-Exporte

Kampf um den „Leo-User-Club“

VonKatharina Matheis

ExklusivIn den vergangenen zwölf Monaten wurden so wenig neue Panzer exportiert wie seit 20 Jahren nicht mehr. Doch nicht nur das Neugeschäft leidet. Auch das Umrüsten bereits ausgelieferter Leopard-Kampfpanzer läuft schleppend.

Das Geschäft mit den Panzern stockt. Das merkt auch der Rüstungskonzern Kraus-Maffei-Wegmann. Wikimedia / Creative Commons

Das Geschäft mit den Panzern stockt. Das merkt auch der Rüstungskonzern Kraus-Maffei-Wegmann.

Düsseldorf„Der Kampfpanzer Leopard ist eine weltweite Erfolgsgeschichte“, schreibt das Rüstungsunternehmen Kraus-Maffei-Wegmann (KMW) auf seiner Homepage. Diese „Erfolgsgeschichte“ könnte nun zu Ende gehen. Denn gleich von zwei Seiten herrscht Druck: Neue Panzer sind meist nur in umstrittenen Empfängerländern gefragt. Und auch das Geschäft mit der Umrüstung und Wartung älterer Fahrzeuge gibt nicht viel her.

In den vergangenen zwölf Monaten sind so wenige Panzer exportiert worden wie seit 1994 nicht mehr. Gerade einmal vier Fahrzeuge gingen nach Schweden und Dänemark. Weitere vier Fahrzeuge wurden zeitweise über die Grenze gebracht, um etwa auf Messen ausgestellt zu werden. Dies geht aus einer Antwort der Bundesregierung hervor, die Handelsblatt Online vorliegt.

Die größten deutschen Rüstungskonzerne

Bedeutender Wirtschaftszweig

Die Rüstungsindustrie ist ein großer Wirtschaftszweig in Deutschland. Einer Erhebung des Branchenverbandes BDSV zufolge waren 2011 rund 100.000 Menschen in der deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie beschäftigt. Einige große deutsche Rüstungskonzerne im Profil.

Diehl Defence

Die Rüstungssparte des Nürnberger Diehl-Konzerns, stellt unter anderem Munition, Raketen und Ketten für Panzer her.
Umsatz 2013: 533 Millionen Euro.

Heckler & Koch

Der Handwaffenspezialist aus dem badischen Oberndorf fertigt unter anderem Pistolen, Sturm- und Präzisionsgewehre.
Umsatz 2013: 200 Millionen Euro.

Kraus-Maffei Wegmann (KMW)

KMW in München baut etwa den Kampfpanzer „Leopard“, den Schützenpanzer „Puma“ oder die Panzerhaubitze „2000“.
Umsatz 2013: 900 Millionen Euro.

MTU Aero Engines

MTU Aero Engines ist ein Triebwerksbauer aus München, der auch für militärische Flugzeuge fertigt, etwa den Motor für den Eurofighter.
Umsatz 2013 (Wehrgeschäft): 501 Millionen Euro.

Rheinmetall Defence

Rheinmetall Defence ist die Wehrsparte von Rheinmetall aus Düsseldorf und fertigt Panzer, aber auch Munition oder etwa Flugabwehrsysteme.
Umsatz 2013: 2,2 Milliarden Euro.

Thyssen-Krupp Marine Systems

Thyssen-Krupp Marine Systems in Kiel baut U-Boote und Kriegsschiffe. Die Firma entstand aus Blohm+Voss und der Howaldtswerke-Deutsche Werft GmbH.
Umsatz 2012/13: 1,2 Milliarden Euro.

Wirtschaftsminister Gabriel will eine restriktivere Exportpolitik durchsetzen. Erst im August stellte er klar: Arbeitsplätze in Deutschland sind kein Grund, um Rüstungsexporte durchzuwinken. Insbesondere für sogenannte Kriegswaffen – wie etwa Panzer – sollen strengere Richtlinien gelten. Die neuen Export-Zahlen sprechen für dieses Vorhaben. Zum Vergleich: Unter Merkels vorherigen Regierungen wurden seit 2005 insgesamt 1500 Panzer in die Welt exportiert, wie Zahlen der UN zeigen.

Der Linkenpolitiker Jan van Aken, der die Anfrage stellte, sieht jedoch einen anderen Grund für die rückläufigen Exporte: „Es gibt keinen Markt mehr für Panzer. Die Zeit der Panzerschlachten ist vorbei.“

Gebrauchtpanzer-Handel

Die Bundeswehr leert seit Jahren ihre Depots: Von ursprünglich knapp über 2000 Kampfpanzer (Leopard 2) werden heute noch 273 genutzt. Die Zahl soll weiter auf 225 sinken. An den gebrauchten Panzern haben viele Länder Interessen. Seit 2005 wurden insgesamt über 1200 Second-Hand-Panzer vom Ministerium in andere Länder verkauft, darunter viele Nicht-Nato-Mitglieder. Aber laut Gabriel sollen nur noch in Ausnahmefällen Ausfuhren in Drittstaaten gehen, wie es im jüngsten Exportbericht heißt.

Ein Deal mit Saudi-Arabien um 800 gepanzerte Fahrzeuge im Wert von 18 Milliarden liegt seit Mai offenbar auf Eis. Die bevorstehende Produktion von 980 Fuchs-Panzern in Algerien hat ebenfalls Negativschlagzeilen ausgelöst. Für die Panzerhersteller wie Rheinmetall und Kraus-Maffei-Wegmann (KMW) sind das alles keine guten Aussichten für das Neugeschäft.

Kommentare (8)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

wiebitte

16.09.2014, 20:22 Uhr

Egal was die Menschen brauchen, unser "Leo" braucht definitiv einen deftig herben Krieg. Rettet unseren "Leo" und führt ein bisschen Krieg in Europa. Siebzig Jahre sind mehr als genug, schließlich stehen die meisten Politiker und Medien auf meiner Seite, - also muss ich Recht haben!
Brauchen wir nur noch ein paar jugendliche Abenteurer die wir in den "Leo" setzen können.

Kommt Ihr Doofen habt euch nicht so und meldet euch!

Herr Peter Meier

16.09.2014, 20:30 Uhr

Da liegen (wenn man den Medienberichten glaubt) schon seit Monaten und Jahren irgendwelche Mrd.-Geschäfte mit Saudi Arabien und anderen auf Eis und man tut so, als würden die nur noch auf Gabriels Unterschrift warten um zu überweisen. Frage: Hat das mal irgendwer aktualisiert und recherchiert, ob diese Deals nicht schon lange "erfroren" sind und die Saudis längst mit M1A2 Abrams durch die Wüste fegen ? Die warten doch nicht, bis Deutschland wieder eine für Rüstungsexporte passende Regierung hat... Und zum anderen: Ob man das in diesem Fall befürwortet oder nicht - Deutschland zeigt sich hier alles andere als als zuverlässiger Lieferant. Ich kaufe doch nicht für Mrd. Dollar Kampfpanzer wenn sehr unsicher ist, dass man mir in den nächsten Jahrzehnten die Ersatzteile und Kampfwertsteigerungen überhaupt noch verkaufen darf. So oder so ist das traurige: Deutschland kann seine Hände noch so sehr sauber halten, was Waffenexporte angeht - Dadurch wird kein einziger Schuss verhindert.

Herr Peter Spiegel

16.09.2014, 20:55 Uhr

Da bekomm ich Angst, LEOs die nicht mehr verkauft werden.
Was soll nur aus der Friedens, Asyl u.s.w. Indusdrie werden.
die Gutmenschen die seit Jahrzehnten von Waffen profitieren.
Alle am Ende arbeitslos, schrecklich diese Schicksale.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×