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23.04.2015

12:55 Uhr

Panzerbauer Krauss-Maffei Wegmann und Nexter

Deutsch-französische Panzerfusion ab Herbst

Die schwächelnde Rüstungsindustrie muss sich was einfallen lassen: Die Panzerbauer Krauss-Maffei Wegmann und Nexter aus Frankreich wollen sich durch eine Fusion stärken – und werden argwöhnisch beäugt.

Geschäft zwischen Frankreich und Deutschland: Für die Rüstungsindustrie hierzulande, in Frankreich und Europa wäre der Deal eine Zäsur, denn europäische Lösungen abseits einzelner Projekte sind selten. dpa

Panzerhaubitze 2000

Geschäft zwischen Frankreich und Deutschland: Für die Rüstungsindustrie hierzulande, in Frankreich und Europa wäre der Deal eine Zäsur, denn europäische Lösungen abseits einzelner Projekte sind selten.

MünchenDie Fusion des deutschen Panzerbauers Krauss-Maffei Wegmann (KMW) mit dem Rüstungskonzern Nexter Systems aus Frankreich soll noch in diesem Jahr über die Bühne gehen.

KMW baut unter anderem den Kampfpanzer Leopard, Nexter den Leclerc. Zusammen kommen die Firmen auf einen Umsatz von rund zwei Milliarden Euro und mehr als 6000 Mitarbeiter. Nachdem auch der Senat in Paris vergangene Woche grünes Licht für die Privatisierung des staatseigenen Wehrtechnikkonzerns gegeben hat, sind die Beteiligten zuversichtlich, nach einigen Verzögerungen bald ans Ziel zu kommen.

„Wir rechnen mit dem Spätsommer oder dem frühen Herbst“, sagte ein KMW-Sprecher in München. Für die Rüstungsindustrie hierzulande, in Frankreich und Europa wäre der Deal eine Zäsur, denn europäische Lösungen abseits einzelner Projekte sind selten. Doch die Industrie ist unter Druck, auch wenn angesichts vieler Krisen weltweit etliche Staaten wieder mehr Geld für Waffen ausgeben wollen.

Seit Jahren bekommt die Branche den Spardruck zu spüren: weniger Aufträge, neue Anforderungen, geringere Mengen, härtere Preisverhandlungen. Während im Ausland Rüstungsfirmen ihr Heil oft im Export suchen, haben es die deutschen Firmen dabei viel schwerer. Waffenlieferungen sind streng reguliert und die SPD in der Bundesregierung will weniger statt mehr Rüstungsgüter ausführen.

Die Euro-Familie und der Rest der EU

Nachwuchs

Die Euro-Familie hat Nachwuchs bekommen: Mit Litauen sind von 2015 an 19 der 28 EU-Staaten Mitglied der Eurozone. Wie geht es weiter? Die meisten der anderen neun Länder haben keine Wahl. Fast alle müssen aufgrund der EU-Verträge der Währungsunion beitreten, sobald sie dafür reif sind.

Rumänien

Das Land will den Euro nach letztem Stand 2019 einführen. Dies hatte die Regierung Anfang Mai in Brüssel angemeldet. Allerdings ist die Zustimmung in der Bevölkerung kontinuierlich gesunken.

Tschechien

Der deutsche Nachbar ist nach Ansicht der Regierung noch längst nicht bereit für den Euro. Als möglichen Termin hat sie zuletzt das Jahr 2020 genannt.

Ungarn

Die rechts-konservative Regierung des Landes strebt in absehbarer Zeit nicht an, den Forint durch den Euro zu ersetzen: „Wir sprechen da nicht vom nächsten Jahr, sondern vom nächsten Jahrzehnt oder den nächsten zwei oder drei Jahrzehnten.“ In der Bevölkerung ist eine knappe Mehrheit der Bevölkerung für die Einführung des Euro.

Bulgarien

In dem Land ist der Euro derzeit kein Thema. Das Land werde den Euro einführen, „allerdings nicht um jeden Preis“, lautet das Credo der Regierung. Rund zwei Drittel der Bulgaren wollen die heimische Währung Lew nicht durch den Euro ersetzen.

Kroatien

Auch für Kroatien ist der Abschied von der Landeswährung Kuna kein Thema, zumal die Wirtschaft des jüngsten EU-Mitgliedslandes faktisch schon intensiv mit dem Euro arbeitet. So werden viele Preise auch in Euro angegeben. Notenbankchef Boris Vujcic hält einen Beitritt vor 2019 für unmöglich; die Öffentlichkeit ist gegen den Euro.

Vereinigtes Königreich

Die Briten haben das vertraglich zugesicherte Recht, das Pfund zu behalten, auch wenn sie für den Euro qualifiziert wären. Sie gehören nicht zum Europäischen Wechselkursmechanismus, der als „Vorzimmer“ zum Euro gilt. Bei den euroskeptischen Briten ist keine Abkehr von diesem Sonderweg in Sicht.

Dänemark

Auch die Dänen hat das Recht, sich gegen die Euro-Einführung zu sperren. Im Jahr 2000 entschieden sich die Dänen in einer Volksabstimmung dagegen, die eigene Krone zugunsten der Gemeinschaftswährung aufzugeben. Dänemark gehört zum Europäischen Wechselkursmechanismus.

Schweden

Die Schweden hatten sich in einer Volksentscheidung 2003 gegen eine Ablösung ihrer Krone durch den Euro ausgesprochen. Aktuell verhindert das Land einen Euro-Beitritt, indem es kein Mitglied des Wechselkursmechanismus ist. Vertraglich ist aber geregelt, dass Schweden beitreten muss, sobald es reif für den Euro ist.

Polen

Die Polen haben es mit dem Beitritt zur Eurozone nicht eilig. Die Regierung will sich noch nicht auf ein Datum für die Einführung des Euro festlegen. Es sei zu früh, einen Zeitpunkt zu nennen, heißt es in Warschau.

Dazu kommt: die deutsche Wehrindustrie hat zwar viele begehrte Produkte im Angebot – von U-Booten, über Panzer und Raketen bis zu Munition – ist aber im Vergleich zu den Größen der Branche eher klein. In der Liste Top-100 der internationalen Rüstungsfirmen des Friedensforschungsinstituts Sipri kommt als erstes deutsches Unternehmen Rheinmetall auf Platz 32 vor, KMW steht auf Platz 72.

Ein Zauberwort heißt Konsolidierung, also etwa der Zusammenschluss von Firmen zu einer größeren – vor allem um Kosten zu senken, Abläufe zu vereinfachen und Doppelarbeit zu verhindern. Denkbar sind nationale Lösungen: So hat Rheinmetall immer wieder Interesse an einem Zusammenschluss mit KMW gezeigt. Die beiden Firmen bauen in Gemeinschaftsunternehmen bereits Panzer wie Puma oder Boxer.

Doch die Eigentümerfamilien von KMW und die Führung des Unternehmens haben daran kein Interesse. Eine rein deutsche Lösung sei Unfug. Eine europäische Lösung in der Branche gab es vor Jahren, als die heutige Airbus Group geschaffen wurde. Doch aus Sicht von Airbus war auch das nicht ausreichend, doch eine Fusion mit dem britischen Rüstungsriesen BAE Systems scheiterte 2012 vor allem am Widerstand aus Berlin.

Die deutsche und französische Wirtschaft im Vergleich

Wachstum

Frankreich: Die Industriestaaten-Organisation OECD hat die Wachstumsprognose erst vorige Woche mehr als halbiert. 2014 wird das Bruttoinlandsprodukt demnach nur um 0,4 Prozent zulegen, nachdem im Frühjahr noch 0,9 Prozent vorausgesagt worden waren. Für kommendes Jahr wurde die Prognose von 1,5 auf 1,0 Prozent zurückgenommen.

Deutschland: Auch bei Europas Nummer eins hat die OECD den Daumen gesenkt. Für das laufende Jahr wurde die Prognose von 1,9 auf 1,5 Prozent zurückgenommen, für 2015 von 2,1 auf ebenfalls 1,5 Prozent.

Arbeitslosigkeit

Frankreich: Wegen der Konjunkturflaute leidet der Nachbar unter einer Rekordarbeitslosigkeit. Die EU-Kommission sagt für dieses Jahr einen Anstieg auf 10,4 Prozent voraus, 2015 soll es leicht nach unten gehen auf 10,2 Prozent. Das entspricht etwa dem Durchschnitt aller 28 EU-Staaten.

Deutschland: Hier ist die Arbeitslosenquote nur halb so hoch. Nach der Prognose der EU-Kommission wird sie in diesem Jahr auf 5,1 Prozent fallen und 2015 auf diesem Niveau verharren. Mit Österreich weist die Bundesrepublik damit die niedrigste Arbeitslosigkeit in der Euro-Zone auf.

Staatsschulden

Frankreich: Erst 2017 will die Regierung die jährliche Neuverschuldung unter die in den EU-Verträgen erlaubte Höchstgrenze von drei Prozent im Verhältnis zur Wirtschaftskraft drücken. Eigentlich sollte das schon 2015 der Fall sein, doch sieht sich die Regierung in Paris wegen der schwachen Konjunktur dazu nicht in der Lage. Der Schuldenberg wird nach Prognose der EU-Kommission bis 2015 auf 96,6 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt wachsen. Die EU erlaubt eigentlich nur 60 Prozent.

Deutschland: Der Staat könnte 2014 bereits das dritte Jahr in Folge einen leichten Überschuss aufweisen. Zum Halbjahr wurden 16 Milliarden Euro mehr eingenommen als ausgegeben. Alle übrigen Euro-Staaten dürften hingegen rote Zahlen schreiben. Allerdings ist der Schuldenstand mit rund 76 Prozent immer noch höher als erlaubt.

Wettbewerbsfähigkeit

Frankreich: Ein Grund für die Misere ist die gesunkene Wettbewerbsfähigkeit. Eine Arbeitsstunde kostet private Arbeitgeber durchschnittlich 35,00 Euro. In der besonders stark dem internationalen Wettbewerb ausgesetzten Industrie sind es sogar 36,70 Euro - in der EU sind die Kosten nur in Schweden, Belgien und Dänemark höher. Das ist auch einer der Gründe dafür, warum Frankreich im weltweiten Standortranking des World Economic Forum (WEF) nur Platz 23 belegt.

Deutschland: Die Arbeitskosten liegen niedriger als in Frankreich. In der Privatwirtschaft sind es 31,70 Euro, in der Industrie 36,20 Euro. Im Standortvergleich des WEF belegt Deutschland den fünften Rang, wobei besonders die gut ausgebildeten Fachkräfte und innovative Unternehmen gelobt werden.

Industrie

Frankreich: Zwar kann das Nachbarland mit großen Unternehmen wie den Autobauern Renault und Peugeot Citroen oder dem Atomkonzern Areva aufwarten. Allerdings fehlt es an einem breiten und exportstarken Mittelstand, der die Absatzkrise in der Euro-Zone durch wachsende Geschäfte in Asien und anderen Boomregionen ausgleichen kann. Die Industrie ist deshalb auf dem Rückzug: Sie trägt nur noch 10,25 Prozent zur Wirtschaftsleistung bei, der EU-Schnitt liegt bei 15,3 Prozent.

Deutschland: Hierzulande haben viele "hidden champions" ihre Heimat - also unbekannte mittelständische Unternehmen, die Nischen besetzt haben und mit ihren Produkten zu den Weltmarktführern gehören. Die Industrie erlebt in Deutschland eine Renaissance, weil diese Firmen in den Boomregionen aktiv sind. "Nur Deutschland hat es geschafft, zwischen 2007 und 2012 Jobs in der Industrie aufzubauen", stellte die EU-Kommission in ihrem europaweiten Vergleich fest. Der Industrie-Anteil an der Wirtschaftsleistung liegt mit 22 Prozent klar über dem EU-Schnitt.

Bisher sieht es nicht danach aus, dass sich das bei KMW und Nexter wiederholt. In Berlin scheint es wenig Vorbehalte zu geben, auch wenn es durchaus Kritiker gibt, die hinter vorgehaltener Hand einen Ausverkauf deutscher Panzertechnik befürchten. In Paris stößt das Projekt auf Zustimmung. Inzwischen hat auch der Senat hat den Weg frei gemacht für die geplante Fusion. Die Regelung ist Teil eines Gesetzes zur Wirtschaftsförderung, das insgesamt noch verabschiedet werden muss. Der Zusammenschluss wird in Frankreich aber politisch fast über das gesamte Parteienspektrum getragen.

Wirtschaftsstaatssekretär Matthias Machnig (SPD) hatte am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz zu Jahresbeginn vor Rüstungsmanagern zwar auch eine nationale Konsolidierung angemahnt. „Aber ich glaube, wir brauchen auch eine europäische Dimension.“ Bei vielen stieß er auf offene Ohren. Noch immer werde Rüstung in Europa zu national gedacht, sagte der Chef der Airbus-Rüstungssparte, Bernhard Gerwert.

Und rein nationale Zusammenschlüsse brächten keine zusätzlichen Aufträge. „Uns kann kein nationaler Verteidigungshaushalt finanzieren.“ Gerade bei Exporten könnten europäische Lösungen helfen: so ist etwa Frankreich bei Waffenlieferungen ins Ausland abseits von EU oder Nato wesentlich großzügiger als Deutschland.

Von

dpa

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