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03.09.2014

15:34 Uhr

Papst kritisiert Thyssen-Krupp

„Mit Arbeit spielt man nicht“

Eine Mahnung von höchster geistlicher Stelle: Papst Franziskus kritisiert den Stellenabbau von Thyssen-Krupp bei einer italienischen Tochter. Doch der Industriekonzern lässt sich vom Pontifex offenbar nicht beeinflussen.

Papst Franziskus am Mittwoch in Rom: „Ich appelliere erneut, dass nicht die Logik des Profits gewinnen darf“. Reuters

Papst Franziskus am Mittwoch in Rom: „Ich appelliere erneut, dass nicht die Logik des Profits gewinnen darf“.

Rom/EssenPapst Franziskus hat den Stahl- und Industriegüterkonzern Thyssen-Krupp für seine geplanten Stellenstreichungen im Werk im italienischen Terni scharf kritisiert. „Ich bringe meine tiefe Besorgnis über die schlimme Situation vieler Familien in Terni wegen des Projekts der Firma Thyssen-Krupp zum Ausdruck“, sagte der Pontifex am Mittwoch bei der Generalaudienz in Rom. „Mit Arbeit spielt man nicht.“

Im Zentrum jeder Frage müssten der Mensch und seine Würde stehen, forderte das 77 Jahre alte Oberhaupt der katholischen Kirche. „Ich appelliere erneut, dass nicht die Logik des Profits gewinnen darf, sondern die der Solidarität und Gerechtigkeit“, forderte er. Wer Arbeitsplätze streiche, um mehr Geld zu verdienen, nehme auch den Menschen ihre Würde.

Thyssen-Krupp hatte die vor 130 Jahren gegründete Firma Acciai Speciali Terni (AST) in Umbrien in diesem Jahr übernommen. Der Industriekonzern hatte seine Edelstahlsparte Inoxum an den finnischen Wettbewerber Outukumpu verkauft und dafür AST übernehmen müssen.

Das Geschäftsjahr 2012/2013 von Thyssen-Krupp in Zahlen

Components Technology

Im Geschäftsjahr 2012/2013 erzielte die Komponenten-Sparte (unter anderem Zuliefererteile für die Autoindustrie) ein bereinigtes Ebit von 244 Millionen Euro.

Elevator Technology

Die Aufzug-Sparte hat mit einem bereinigten Ebit von 675 Millionen Euro das beste Ergebnis aller Sparten von Thyssen-Krupp eingefahren.

Industrial Solutions

Die Sparte für Industrieanlagen steuerte 640 Millionen Euro zum Konzernergebnis bei.

Materials Services

Das bereinigte Ebit von Material Services lag 2012/2013 bei 236 Millionen Euro.

Steel Europe

Die von Überkapazitäten geprägte europäische Stahlsparte erwirtschaftete ein bereinigtes Ebit von 143 Millionen Euro.

Steel Americas

Bei der amerikanischen Stahl-Sparte sah es im Geschäftsjahr 2012/2013 düster aus, insgesamt stand ein Verlust von 495 Millionen Euro in den Büchern. Zumindest das Walzstahlwerk in Alabama konnte nach Ablauf des Geschäftsjahres für rund eine Milliarde Euro an Arcelor Mittal und Nippon Steel verkaufen.

Corporate

Hier fiel ein Verlust von 425 Millionen Euro an.

Im Juli kündigte der Essener Konzern ein Sparprogramm für das Stahlwerk in Süditalien an. Dem sollen rund 550 der derzeit 2600 Stellen zum Opfer fallen, die italienischen Gewerkschaften haben bereits Widerstand angekündigt.

Ein Thyssen-Krupp-Sprecher wies auf Anfrage darauf hin, dass das Unternehmen unverändert an seinen Plänen festhalte. Bislang habe es jedoch noch keine Gespräche zur Umsetzung der geplanten Maßnahmen gegeben. Nach Informationen aus Kreisen soll das italienische Werk in den vergangenen fünf Jahren mehrere hundert Millionen Euro Verlust gemacht haben.

Kommentare (6)

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03.09.2014, 15:45 Uhr

Wäre ja noch schöner, wenn in Zukunft nur noch nach dem Kirchenverständnis (und zu deren Wohle/Image) gewirtschaftet werden soll. Da wären wir dann mal wieder im Mittelalter von Adel (Politik) und Kirche angelangt.

Herr Heinz Keizer

03.09.2014, 16:10 Uhr

Die Kath. Kirche hat den Weltbildverlag verkauft, mit Einschnitten für die Beschäftigten. Hätte es nicht so einen Aufschrei gegeben, hätten die Bischöfe nichts zur Rettung beigetragen. Mir ist entgangen, dass der Papst sich dazu geäußert hat bzw. einige Millionen Unterstützung gezahlt hätte. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen, hat Jesus gesagt. Nicht an ihrem Gerede.

Herr Salvatore Bonpensiero

03.09.2014, 16:16 Uhr

Dieser Papst hat schon recht eigenartige Vorstellungen von "Gerechtigkeit" und maßt sich schon einiges an. Man sollte ihn vielleicht mal daran erinnern, dass unser westliches Wirtschaftssystem Frieden, Freiheit und unermesslichen Wohlstand gebracht hat! Einen irrsinnigen Zuwachs an Wohlstand!

Was kommt als nächstes? Wieder was in Richtung "Wachstum ist begrenzt und deshalb der Kapitalismus am Ende" oder ähnlich dummes Zeug, was z.B. die "Wertschöpfung" als Wohlstands-Vermehrer völlig außer acht lässt...

Diese einfältigen linken Parolen gehen mir echt auf den Sack! Vor allem dann, wenn sie dann auch noch groß und breit bei Anne Will, Plasberg und Reinhold Beckmann auf dümmlichsten Niveau durchgekaut werden...

Wenn der Papst so "für Arbeit" ist, warum kritisiert er dann nicht die bürokratischen Hürden und Marktzugangs-Beschränkungen durch Staat und Großkonzerne (die in ihrer Marktmacht von der Politik noch geschützt werden, weil sie ja schon sehr deutliche zentralistische und damit sozialistische Strukturen aufweisen, und deshalb z.B. auch für die Sozen und Gewerkschaften viel angenehmer sind als kleine und mittlere Betriebe)?
Und warum kann ich in den USA per Fax innerhalb von ein, zwei Stunden eine Firma in der Garage meiner Eltern gründen, und warum dauert es hier 6 Monate und kostet mich Zeit, Geld, Nerven usw. und bremst mich in meinem unternehmerischen Drang? Dazu die ganzen bürokratischen Auflagen bis hin zu bescheuerter Steuerermittlung usw., so dass es von Beginn an nur mit teuren Beratern, Steuerberatern usw. geht, die das Investitionsrisiko in die Höhe treiben und den Geschäftsbetrieb dann dauerhaft belasten!

Hey Pope! Les mal ein BWL/VWL-erstes Semester-Grundlagenbuch! Und denk dran: wir Europäer subventionieren mit Entwicklungshilfen seit 50 Jahren Afrika, Mittel- und Südamerika usw. und auch dein Argentinien, was schon wieder pleite ist!

Sozialistische Kirche, wa? Für Gerechtigkeit, wa? Lol...

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