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06.02.2014

12:49 Uhr

Patentklippe bei Pharmazeutika

Astra Zeneca verliert wichtige Rechte

Das Unternehmen hat sich vorbereitet, in Forschung und neue Medikamente investiert, Spezialfirmen akquiriert. Dennoch wird es ab sofort hart für Astra Zeneca: Die Patentklippe für Kassenschlager der Pharmafirma steht an.

Er hat derzeit nicht viel zu lachen, trotz strategischer Aktivitäten in den letzten Jahren: Pascal Soriot, Chef bei Astra Zeneca. ap

Er hat derzeit nicht viel zu lachen, trotz strategischer Aktivitäten in den letzten Jahren: Pascal Soriot, Chef bei Astra Zeneca.

LondonDer britische Pharmakonzern Astra Zeneca wird sich auch in diesem Jahr der Konkurrenz durch Nachahmerprodukten nicht entziehen können und stellt sich auf schwache Geschäfte ein. Umsatz und Gewinn dürften zurückgehen, wenn der Schutz für das Anti-Sodbrennen-Mittel Nexium ab Mai in den USA endet, erklärte das Unternehmen am Donnerstag. Er erwarte kräftigen Gegenwind, sagte Firmenchef Pascal Soriot. „Ich bin aber zuversichtlich, dass wir schneller zum Wachstum zurückkehren können als bisher erwartet.“ Die Aktien gaben um fast drei Prozent nach.

Der Umsatz werde 2014 wohl um einen kleinen bis mittleren einstelligen Prozentsatz schrumpfen, der Gewinn je Aktie um mehr als zehn Prozent, kündigte Astra an. Bereits im vierten Quartal gaben die Erlöse um sechs Prozent auf 6,84 Milliarden Dollar nach.

Pharmabranche an der Patentklippe

Wichtige Patente laufen aus

Die Pharmabranche steht vor schwierigen Zeiten: Nach Einschätzung des Beratungsunternehmens Accenture werden bis zum Jahr 2015 rund 50 Blockbuster ihren Patentschutz verlieren – das sind Arzneien, die für mindestens eine Milliarde Dollar Umsatz im Jahr sorgen. Die Originalprodukte verlieren nach Patentablauf in der Regel massiv Marktanteile an die deutlich preisgünstigeren Nachahmer-Produkte der Generikahersteller.

Cholesterinsenker und Blutverdünner

Betroffen sind die Medikamente etlicher Pharmakonzerne. Etwa der Cholesterinsenker Lipitor, mit dem Pfizer einst mehr als 12 Milliarden Dollar Umsatz pro Jahr machte. Oder der Blutverdünner Plavix, der Sanofi und Bristol-Myers Squibb 2011 mehr als neun Milliarden Dollar in die Kassen spülte. Auch das Asthma-Mittel Singulair von Merck verliert seinen Schutz.

Generikahersteller profitieren

Von Ablauf der Patente profitieren die Hersteller von Generika: Sie dürfen die Arzneien kopieren und zu günstigen Preisen verkaufen. Das dämpft die Kosten – auch die Patienten profitieren davon.

Probleme mit dem Nachschub

Der Pharma-Industrie fällt es immer schwere, neue Blockbuster-Medikamente zu entwickeln. Das hat mit den strikteren Zulassungsbedingungen und den schärferen Kontrollen der Behörden zu tun. Ein Beispiel: Der deutsche Hersteller Merck stoppte das Multiple-Sklerose-Medikament Cladribin, weil es in mehreren Ländern keine Zulassung bekam.

Bei Astra laufen viele Patente zu einem Zeitpunkt aus, an dem einige Konkurrenten das Schlimmste hinter sich haben. Soriot, der seit einem Jahr im Amt ist, hat einen Konzernumbau auf den Weg gebracht, mit dem jährlich 1,1 Milliarden Dollar gespart werden sollen. Zugleich wird unter seiner Führung in neue Medikamente investiert. Zudem kaufte Astra Bristol-Myers Squibb aus einer Diabetes-Allianz heraus.

Mittlerweile hat Astra elf neue Mittel in der letzten Studienphase, fast doppelt so viele wie ein Jahr zuvor. Bei 19 weiteren könnte dieser Forschungsstand 2014 oder 2015 erreicht werden. Hoffnungen ruhen auch auf dem neuen Herzmittel Brilinta, das zwar einen langsamen Start hatte, im vierten Quartal aber 92 Millionen Dollar Umsatz erwirtschaftete.

Bereits im Januar hatte Soriot angekündigt, 2017 wieder einen Umsatz auf dem Niveau von 2013 erreichen zu wollen. Die größte Hürde steht Astra allerdings noch bevor: Für den Cholesterinsenker Crestor, mit Abstand das umsatzstärkste Mittel des Konzerns, läuft der Patentschutz in den USA 2016 aus.

Von

rtr

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