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17.04.2013

13:27 Uhr

Patentschutz

Niederlage für Bayer im Streit um Antibabypille

Das Pharma-Unternehmen Bayer erleidet einen Rückschlag: Ein Berufungsgericht in Washington hebt den Patentschutz für Bayers Antibabypille Yaz auf. Konkurrent Actavis kündigt den Marktstart einer Nachahmerversion an.

Ein Berufungsgericht in Washington hebt den Patentschutz für Bayers Antibabypille Yaz auf. Nun droht Bayer Konkurrenz. dpa

Ein Berufungsgericht in Washington hebt den Patentschutz für Bayers Antibabypille Yaz auf. Nun droht Bayer Konkurrenz.

WashingtonBayer hat im Streit über den Patentschutz für seine Antibabypille Yaz in den USA eine Niederlage einstecken müssen. Ein Berufungsgericht in Washington entschied am Dienstag, dass das Patent teilweise nichtig ist. Die Richter hoben damit ein Urteil eines Gerichtes in Nevada aus dem vergangenen Jahr auf, das den Patentschutz für gültig erklärt hatte. Der Generika-Hersteller Actavis kündigte nun an, seine Nachahmerversion der Pille ab sofort wieder auf den US-Markt zu bringen. Actavis hatte im Januar 2012 damit begonnen, seine Yaz-Kopie zu verkaufen, nahm sie aber nach dem Richterspruch in Nevada wieder vom Markt.

Das Urteil des Berufungsgerichts drückte am Mittwoch auf den Kurs der Bayer-Aktie: Die im Dax notierten Anteilsscheine verloren 2,3 Prozent auf 79,20 Euro.

150 Jahre Bayer

Anfänge als Farbenfabrik

Die Geschichte des Weltkonzerns Bayer beginnt 1863 in Wuppertal-Barmen. Der Kaufmann Friedrich Bayer und der Färber Johann Friedrich Weskott gründen die Firma „Friedr. Bayer et. comp.“. Sie stellt zunächst synthetische Farbstoffe her.

Expansion und Umzug

Das Unternehmen wächst schnell, ebenso die Produktpalette – etwa um ein Medikament namens Aspirin. Bereits 1881 wird die Firma in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, die „Farbenfabriken vorm. Friedr. Bayer & Co.“. Im Zuge der Expansion zieht das Unternehmen 1912 nach Leverkusen um, dem heutigen Hauptsitz.

Die Wirren der Weltkriege

Weil Deutschland während des Ersten Weltkriegs international isoliert ist, schließen sich 1916 Bayer, BASF und Agfa zu einer Interessensgemeinschaft zusammen, die beispielsweise die schlechte Versorgung mit Rohstoffen verbessern soll. 1925 fusionieren die Unternehmen zur I.G. Farbenindustrie AG. In der NS-Zeit ist die IG Farben eng mit dem Regime verknüpft.

Neustart ins Wirtschaftwunder

Nach Kriegsende lebt Bayer als eigenständiges Unternehmen wieder auf: 1951 wird nach Zustimmung der Alliierten die „Farbenfabriken Bayer AG“ neu gegründet. Die Firma profitiert vom Wirtschaftswunder und expandiert bald auch international. Sie entwickelt und vermarktet chemische Produkte, Kunststoffe, Arzneien und Pflanzenschutzmittel.

Großer Umbruch

1999 trennt sich Bayer von seiner Tochter Agfa, 2005 von großen Teilen des Chemiegeschäfts, die inzwischen unter dem Namen Lanxess eigenständig weitergeführt werden. Ausgebaut hat der Konzern hingegen das Geschäft mit Gesundheit und Agrarwirtschaft, unter anderem durch den Zukauf der Crop-Science-Sparte von Aventis sowie der Übernahme von Schering.

Bayer streitet sich in den USA mit mehren Generikaherstellern, die Nachahmerpräparate von Yaz in den USA verkaufen wollen. Neben Actavis wollen auch die Novartis -Tochter Sandoz und der indische Hersteller Lupin Yaz-Kopien auf den Markt bringen. Die Firmen hatten argumentiert, das Patent sei ungültig. Das Berufungsgericht gab ihnen nun Recht. Eine Bayer-Sprecherin erklärte, das Unternehmen sei anderer Auffassung und prüfe, wie es sich verhalten werde. Eigentlich wäre der Patentschutz erst am 30. Juni 2014 abgelaufen.

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Der Chemie- und Pharmakonzern steigert den Umsatz.

Yaz ist eine Variante der Antibabypille Yasmin. Die Produktfamilie, die Bayer vom zugekauften Schering-Konzern übernommen hatte, brachte dem Unternehmen 2012 weltweite Umsätze von 1,045 Milliarden Euro ein. Die Erlöse sanken aber, da in Europa bereits Generika auf dem Markt sind. Zudem gibt es in den USA wegen potenzieller Nebenwirkungen milliardenschwere Rechtsstreitigkeiten. Zwar erhöhen alle Antibabymittel das Risiko von Blutgerinnseln. Nach Ansicht der US-Aufsichtsbehörde FDA könnte die Gefahr bei neueren Präparaten aber höher sein, weil darin das künstliche Hormon Drospirenon verwendet wird. Die gerichtliche Auseinandersetzung um Thrombose-Gefahren von Antibaby-Pillen, die Drospirenon enthalten, währt schon Jahre. Bis zum 12. Februar hatte sich Bayer ohne Anerkennung einer Haftung insgesamt mit 4800 Klägerinnen verglichen und dafür rund eine Milliarde Dollar gezahlt. Insgesamt waren seinerzeit in den USA noch etwa 13.600 gerichtliche und außergerichtliche Ansprüche offen.

Von

rtr

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