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25.09.2012

12:39 Uhr

Patentstreit

Adidas muss Laufschuhe aus dem Regal nehmen

Im Konkurrenzkampf der Sportartikelhersteller hat Weltmarktführer Nike eine einstweilige Verfügung gegen Adidas erwirkt. Ihr Vorwurf: Die Deutschen sollen mit einem ihrer Modelle Patente der Amerikaner verletzt haben.

Nike Flyknit: Adidas soll sich zu viel von dem Schuh des US-Konkurrenten abgeschaut haben. Nike

Nike Flyknit: Adidas soll sich zu viel von dem Schuh des US-Konkurrenten abgeschaut haben.

Frankfurt/Herzogenaurach Der US-Sportartikelriese Nike hat vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth durchgesetzt, dass Konkurrent Adidas seinen Laufschuh „adizero primeknit“ hierzulande nicht länger vertreiben darf. „Es geht um die Unterlassung der Produktion und Vermarktung dieses Schuhs in Deutschland“, sagte Nike-Sprecher Olaf Markhoff am Dienstag.

Bei Adidas wollte man die Entscheidung inhaltlich nicht kommentieren. „Uns liegen die Unterlagen vor, und die prüfen wir jetzt“, sagte Sprecherin Katja Schreiber. Adidas hatte den fraglichen Schuh - bei dem das Obermaterial nicht wie üblich aus verschiedenen Teilen zusammengeklebt, sondern aus einem Stück hergestellt wird - in kleiner Auflage bei den olympischen Spielen vorgestellt.

Das sind die Stärken und Schwächen von Adidas

Adidas freut sich über ein Mega-Sportjahr

2012 ist für Adidas ein großes Sportjahr: Die Fußball-Europameisterschaft, die Olympischen Spiele in London und das Finale der Champions League in München beim Heim-und-Hof-Verein FC Bayern. Kein Wunder, dass die Zahlen da stimmen. Gäbe es da nicht diese Schattenseiten ... Ein Blick auf die Stärken und Schwächen.

Stärke: Null Euro Schulden

Die US-Tochter Reebok mag Adidas-Chef Herbert Hainer noch immer große Sorgen machen, denn das Geschäft läuft alles andere als rund. Zumindest finanziell haben die Franken die Übernahme aber inzwischen abgehakt. Nach dem Zukauf des drittgrößten Sportkonzerns Ende 2005 für gut drei Milliarden Euro waren die Nettofinanzschulden von Adidas auf mehr als 2,2 Milliarden Euro gestiegen. Ende 2011 hatte der Konzern nun erstmals wieder mehr Geld in der Kasse als er Verbindlichkeiten aufweist.

Stärke: Spielraum für neue Übernahmen

Diese positive Entwicklung wird sich fortsetzen, schließlich produziert das Unternehmen einen hohen Cash-Flow von zuletzt fast 800 Millionen Euro. Das schafft Spielräume für neue Investitionen, aber auch für weitere Akquisitionen. Große Übernahmen stehen nach der schlechten Erfahrung mit Reebok wohl nicht auf der Agenda. Zuletzt hat Hainer den Outdoor-Bereich sowie die Golfsparte mit kleineren Zukäufen verstärkt.

Stärke: Sinkende Rohstoffpreise

Wichtige Grundstoffe sind vergangenes Jahr sehr viel teurer geworden. Das hat die gesamte Sportbranche schwer belastet. In den vergangenen Monaten sind die Preise allerdings wieder abgebröckelt, vor allem Baumwolle und Gummi sind jetzt deutlich günstiger zu haben als noch vor Jahresfrist. Bei anderen Rohstoffen wie Öl sind zumindest die scharfen Preissteigerungen vorüber.

Stärke: Höhere Margen

Diese Entwicklung entlastet Adidas und führt tendenziell zu höheren Margen bei dem Sportartikelkonzern. Meist wirken sich Preisschwankungen bei Adidas aber erst mit einer Zeitverzögerung von mehreren Monaten aus, weil die Einkäufer die Konditionen lange vor der tatsächlichen Abnahme aushandeln.

Stärke: Steigende Rohstoffkosten verkraftbar

Im vergangenen Jahr hat der Konzern bewiesen, dass er mit steigenden Preisen in der Beschaffung gut umgehen kann. In einigen Sparten wie den eigenen Geschäften sowie bei Reebok ist die Rendite 2011 sogar leicht gestiegen.

Schwäche: China wird zum Risiko

Erklärtes Ziel von Adidas-Vorstandschef Herbert Hainer ist es, die Nummer eins im Geschäft mit Turnschuhen und Trikots zu werden. Doch noch ist der US-Konzern Nike mit weitem Abstand Weltmarktführer.

Schwäche: Nike ist besser

Das zeigt der direkte Vergleich: Adidas erzielte vergangenes Jahr 13,3 Milliarden Euro Umsatz. Das aktuelle Geschäftsjahr von Nike endet erst Ende Mai. In den vergangenen vier Quartalen kam der Konzern aber auf umgerechnet 16,9 Milliarden Euro.  Der Vorsprung ist ein wichtiges Pfund für die Firma von der amerikanischen Westküste, da in der Sportbranche Größe zählt.

Schwäche: Geringeres Marketing-Budget

Beispiel Marketing: Die Konzerne geben jedes Jahr einen festen Prozentsatz vom Umsatz für Werbung aus. Bei Adidas sind das gut 13 Prozent - und somit knapp 1,8 Milliarden Euro. Nike kann sich da schon ein üppigeres Budget leisten.

Schwäche: Niedrige Margen

Gleichwohl erreichen die Amerikaner bessere Margen: Die operative Rendite von Adidas lag 2011 bei knapp acht Prozent, Nike kam zuletzt auf 13 Prozent.

Schwäche: Kein Billigstandort

In riesigen Fabriken lässt Adidas seine Turnschuhe und T-Shirts in China billig produzieren. Weltweit wird die Ware dann teuer verkauft. Ein geniales Geschäftsmodell. Doch kräftig steigende Löhne in der Volksrepublik machen dem Konzern immer mehr zu schaffen.

Schwäche: Löhne steigen weiter

Zuletzt sind die Löhne der Arbeiter in den Fabriken im Jahresvergleich um knapp ein Fünftel gestiegen. Die Steigerungsraten bewegten sich in den vergangenen Monaten am oberen Rand dessen, was in den vergangenen vier Jahren üblich war.

Schwäche: Neue Standorte nötig

Den Analysten von Barclay's Capital zufolge wird sich an der für die Hersteller ungünstigen Entwicklung bis ins kommende Jahr hinein vermutlich nichts ändern. Möglicherweise werden die Produzenten den Experten zufolge irgendwann sogar über andere Fertigungsstandorte nachdenken müssen.

Nike sieht in dem Schuh der weltweiten Nummer Zwei jedoch eine Verletzung eines Patents aus dem Jahr 2002. Auf dessen Grundlage hatte Nike in diesem Frühjahr die „Flyknit Footwear Technologie“ vorgestellt, bei dem das Obermaterial aus einem Stück gehäkelt wird.

Das Landgericht Nürnberg-Fürth gab dieser Sicht vor knapp einem Monat Recht. Um die einstweilige Verfügung in ein dauerhaftes Unterlassungsurteil umzuwandeln, hat Nike bereits angekündigt, ein Hauptsacheverfahren anstrengen zu wollen.

Von

dpa

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