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12.04.2013

19:29 Uhr

Patentverluste

US-Pharmariese streicht 1000 Jobs

Der US-Pharmariese Eli Lilly leidet unter dem Patentverlust in der Branche. Das bekommen jetzt auch die Mitarbeiter zu spüren. Das Unternehmen baut massiv Stellen ab, vor allem der Vertrieb ist betroffen.

Auch Eli Lilli leidet unter dem Patentverlust. dpa

Auch Eli Lilli leidet unter dem Patentverlust.

New YorkPatentverluste bei umsatzstarken Medikamenten veranlassen den US-Pharmahersteller Eli Lilly zu massiven Stellenstreichungen im heimischen Vertrieb. Nach Informationen einer Person, die mit dem Vorhaben vertraut ist, will der Konzern in den USA rund 1000 Stellen in dem Bereich abbauen. Das wären rund 30 Prozent der dortigen Arzneimittelvertreter. Das Unternehmen bestätigte am Freitag lediglich die Umbaupläne, nannte aber keine konkreten Zahlen. Lilly hat weltweit etwa 38.000 Beschäftigte, in den USA sind es etwa 17.000.

Ob auch Deutschland von den Einschnitten betroffen ist, war zunächst nicht zu erfahren. Lilly hat hierzulande rund 970 Beschäftigte. Die Deutschland-Zentrale ist im hessischen Bad Homburg. Darüber hinaus betreibt der US-Konzern noch Standorte in Gießen und im schleswig-holsteinischen Norderfriedrichskoog.

Pharmabranche an der Patentklippe

Wichtige Patente laufen aus

Die Pharmabranche steht vor schwierigen Zeiten: Nach Einschätzung des Beratungsunternehmens Accenture werden bis zum Jahr 2015 rund 50 Blockbuster ihren Patentschutz verlieren – das sind Arzneien, die für mindestens eine Milliarde Dollar Umsatz im Jahr sorgen. Die Originalprodukte verlieren nach Patentablauf in der Regel massiv Marktanteile an die deutlich preisgünstigeren Nachahmer-Produkte der Generikahersteller.

Cholesterinsenker und Blutverdünner

Betroffen sind die Medikamente etlicher Pharmakonzerne. Etwa der Cholesterinsenker Lipitor, mit dem Pfizer einst mehr als 12 Milliarden Dollar Umsatz pro Jahr machte. Oder der Blutverdünner Plavix, der Sanofi und Bristol-Myers Squibb 2011 mehr als neun Milliarden Dollar in die Kassen spülte. Auch das Asthma-Mittel Singulair von Merck verliert seinen Schutz.

Generikahersteller profitieren

Von Ablauf der Patente profitieren die Hersteller von Generika: Sie dürfen die Arzneien kopieren und zu günstigen Preisen verkaufen. Das dämpft die Kosten – auch die Patienten profitieren davon.

Probleme mit dem Nachschub

Der Pharma-Industrie fällt es immer schwere, neue Blockbuster-Medikamente zu entwickeln. Das hat mit den strikteren Zulassungsbedingungen und den schärferen Kontrollen der Behörden zu tun. Ein Beispiel: Der deutsche Hersteller Merck stoppte das Multiple-Sklerose-Medikament Cladribin, weil es in mehreren Ländern keine Zulassung bekam.

Eli Lilly setzt momentan die scharfe Konkurrenz durch Anbieter billiger Generika zu. Vor allem der Patentverlust beim einstigen Top-Medikament Zyprexa gegen Schizophrenie, mit dem der Konzern in der Spitze mehrere Milliarden Dollar im Jahr einnahm, macht dem Unternehmen zu schaffen. Ende des Jahres wird zudem die Arznei Cymbalta gegen Depressionen den Patentschutz verlieren. Und ab 2014 dürften Nachahmer für das ebenfalls lukrative Mittel Evista gegen Knochenschwund auf den Markt kommen. Das Lilly-Management hatte daher für das laufende Jahr nur einen stagnierenden Konzernumsatz in Aussicht gestellt. Im Januar hatte die Konzernführung angekündigt, in allen Sparten aggressiv die Kosten in den Blick zu nehmen.

Nach Auskunft des Insiders will Eli Lilly im Vertrieb aber nicht nur den Rotstift ansetzen. Das Feld der Diabtetes-Medizin werde voraussichtlich um 300 zusätzliche Vertreter verstärkt. Lilly war Anfang 2011 eine große Diabetes-Allianz mit dem deutschen Familienunternehmen Boehringer Ingelheim eingegangen. Die Pharmakonzerne wollen zusammen mehrere neue Wirkstoffe gegen die Zuckerkrankheit entwickeln und auf den Markt bringen.

Von

rtr

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