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26.06.2012

15:21 Uhr

Paula vs. Flecki

Puddingstreit zwischen Oetker und Aldi geht weiter

Ende Juli soll es zur Entscheidung kommen: Dr. Oetker hatte den Discounter Aldi verklagt - wegen der Ähnlichkeit der beiden Pudding-Marken „Flecki“ und „Paula“. Oetker strebt in zweiter Instanz ein Verkaufsverbot an.

Rechts das Markenprodukt, links die Discounter-Variante: Sind sich die beiden zu ähnlich. dpa

Rechts das Markenprodukt, links die Discounter-Variante: Sind sich die beiden zu ähnlich.

DüsseldorfZweite Runde im Puddingstreit zwischen Dr. Oetker und Aldi: Der Bielefelder Lebensmittelkonzern hat in einem Eilverfahren vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht ein europaweites Verkaufsverbot für Aldis Kinderpudding „Flecki“ beantragt. Das Familienunternehmen warf Deutschlands größtem Discounter am Dienstag in der mündlichen Verhandlung vor, seinen erfolgreichen Kinderpudding „Paula“ kopiert zu haben.

Es ist ein Kampf der Giganten im deutschen Lebensmittelhandel. Oetker, einer der größten deutschen Markenartikel-Hersteller, hatte seinen Kinderpudding „Paula“ bereits vor sieben Jahren auf den Markt gebracht und sich das an ein Kuhfell erinnernde charakteristische braun-weiße Muster des Schoko-Vanille-Puddings designrechtlich schützen lassen. Der auffällige Pudding hat sich seitdem einen Marktanteil von mehr als zehn Prozent bei Kinder-Fertigdesserts erobert.

Deutschlands größter Discounter Aldi hatte kürzlich ein ähnliches Produkt unter dem Namen „Flecki“ in sein Angebot aufgenommen. Oetker sieht dadurch sein eingetragenes europäisches Geschmacksmuster verletzt. Außerdem wirft das Familienunternehmen Aldi vor, den mit Werbemillionen aufgebauten Ruf von „Paula“ auszubeuten.

Denn auch wenn Aldi einen anderen Namen verwende und die Aufmachung unterschiedlich sei, werde „eine relevante Anzahl der Verbraucher“ wegen der Ähnlichkeit der Produkte denken, „Paula“ gibt es bei Aldi billiger, sagte der Oetker-Anwalt. Schließlich sei Aldi dafür bekannt, dass es auch von Markenartiklern hergestellte Produkte unter eigenen Namen verkaufe. Dies könnte einen Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht darstellen.

Warum Aldi billig ist

Es ging ums Sattwerden

Es ist eine Gretchenfrage: Wie viele Artikel biete ich meinen Kunden an? 1946 ging es um nichts mehr als ums Sattwerden. Die Aldi-Brüder schauten auf ihren Tages- und Wocheneinkauf. Erst im Laufe der Jahre kamen Non-Food-Artikel hinzu – anfangs waren sie verpönt.

Zahl der Artikel

Mit der Zeit pendelte man sich bei 400 Artikeln ein. Inzwischen – in Zeiten der feiner werdenden Nuancen – ist die Zahl auf 900 Artikel gewachsen. Der Stellplatz in den Filialen hat natürliche Grenzen. Zudem ist Produktpflege ein aufwändiges Geschäft.

Das oberste Gebot

Von Beginn an galt bei den Albrechts das Gebot der Warengleichheit: In allen Filialen sollten die Kunden dieselben Produkte finden. Schnell ging es soweit, dass sie es sogar an derselben Stelle fanden.

Die Revolution

Eine echte Revolution war die Einführung von Kühlware in den 70er-Jahren. Sowohl bei Aldi Nord als auch bei Aldi Süd gingen Grundsatz-Diskussionen voraus. Entgegen der Behauptungen gab es darüber aber keinen brüderlichen Zwist. Allerdings musste der vorpreschende Karl Überzeugungsarbeit leisten beim abwägenden Theo. Doch die Kühltruhe kam, erst im Kleinformat, dann immer mehr.

Markenartikel? Nein, Danke!

Seit Jahren macht andere Discounter wie Netto (vorher Plus) gute Geschäfte mit Markenartikeln. Aldi hat stets eine Aversion gegen sie gehabt. Auf der anderen Seite taten sich die Hersteller von Markenartikeln anfangs auch sehr schwer, bei einer Billigkette zu listen, als die Aldi galt.

Aldis Problem

Vereinfacht gesagt besteht Aldis größtes Problem darin, die erforderlichen Liefermengen von mehreren Anbietern zu beziehen. Bei vergleichenden Qualitätsstandards heißt es immer wieder: Bedarfsdeckung versus Preis. Gerade zu Ostern und Weihnachten ist es eine Sisyphusarbeit in Planung und Organisation, für ausreichend Waren zu sorgen und sie auf die Filialen zu verteilen.

Harte Gespräche mit Lieferanten

Die Preisfindung in diesem „Wettkampf“ ist das eigentliche Erfolgsrezept Aldis. Als Marktführer, ausgestattet mit dem Hebel der Mengemacht, hat man hier natürlich Vorteile. Dabei bündeln Aldi Nord und Aldi Süd ihre Einkaufsstrategie in vielen Sortimenten. Auf der anderen Seite hat Aldi auch kein Interesse, die Lieferanten so sehr zu schröpfen, dass sie in den Ruin gehen. 

Die große Verlockung

Lieferanten unterliegen leicht der großen Verlockung, mit Aldi so zu verhandeln, dass die eigentlichen Kapazitätsgrenzen überschritten werden. Zwar kann man mit Aldi vermögend werden, aber das Risiko, sich zu sehr abhängig zu machen, ist groß. Denn Aldi streicht durchaus schnell einen Lieferanten. Fachleute raten dazu, maximal 50 Prozent seiner Produkte an Aldi zu verkaufen.

Das Preisdiktat

Die Wettbewerber sind dem Preisdiktat ausgesetzt. In den vergangenen Jahres war gut zu beobachten, was passiert, wenn Aldi die Preise für Alltagsprodukte wie Milch senkte: Die Konkurrenz zog innerhalb weniger Stunden nach. Preisvergleich und Preispolitik sind Tagesaufgaben.

Wie preissensibel ist der Kunde

Doch warum agieren die Discounter eigentlich so nah am „gerechten Preis“? Die Frage ist durchaus berechtigt, denn die Durchschnittskunde ist eigentlich sehr wenig mit den Preisen vertraut. Er stellt seinen Warenkorb den Bedürfnissen und Gepflogenheiten zusammen. Die meisten gehen nicht mit offenen Augen durch die Läden. Angebote werden auch bei Aldi sehr deutlich mit andersfarbigen Schildern gekennzeichnet, damit sie überhaupt auffallen. Umso wichtiger ist also, dauerhaft der Preisführer zu sein – und dieses Image zu pflegen.

Aldi wies die Vorwürfe zurück. Der Discounter habe getan was möglich sei, um eine Verwechslung der Produkte zu vermeiden, betonte ein Prozessvertreter des Unternehmens. Das Produkt und seine Verpackung unterschieden sich deutlich vom Oetker-Pudding. Von einer Herkunftstäuschung oder Rufausbeutung könne keine Rede sein. „Pudding ist kein Imageprodukt mit dem man Leute beeindrucken kann“, sagte der Anwalt.

Der Vorsitzende Richter der 20. Zivilkammer Wilhelm Berneke, signalisierte in der Verhandlung bereits, dass Dr. Oetker kaum mit einem europaweiten Verkaufsverbot für „Flecki“ rechnen könne. Dafür seien die Unterschiede in der optischen Erscheinung zwischen „Flecki“ und dem von dem Bielefelder Unternehmen eingetragenen Geschmacksmuster wohl zu groß.

Doch ließ das Gericht Möglichkeit eines deutschlandweiten Verkaufsverbots wegen Verstoßes gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb - etwa wegen des Vorwurfs Rufausbeutung - offen. „Das ist wohl der entscheidende Punkt“, sagte der Richter. „Einfach ist diese Entscheidung nicht.“

Sein Urteil will das Gericht voraussichtlich 24. Juli verkünden. In erster Instanz war Dr. Oetker mit seinem Verbotsantrag beim Düsseldorfer Landgericht gescheitert.

Kommentare (1)

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nonprofit

26.06.2012, 18:24 Uhr

Warum Rufausbeutung?

Wenn Dr. Ö. draufsteht unterstelle ich zunächst, dass es eh zu teuer ist und es günstigere Alternativen geben muss.

Das ist der Ruf von Dr. Ö...

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