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24.05.2012

16:50 Uhr

Personal- und Rechnungswesen

Eon will 1200 Arbeitsplätze abbauen

Der Energieriese kürzt jede dritte Stelle im Personal- und Rechnungswesen. Hunderte Jobs sollen zudem nach Rumänien ausgelagert werden. Die Arbeitnehmervertreter sehen schwarz für die betroffenen Mitarbeiter.

Eon will im Personal- und Rechnungswesen Stellen abbauen. dpa

Eon will im Personal- und Rechnungswesen Stellen abbauen.

DüsseldorfDer Energiekonzern Eon will in seinem Personal- und Rechnungswesen etwa jede dritte Stelle streichen und mehrere hundert Jobs nach Rumänien auslagern. Rund 1200 der insgesamt 3700 Arbeitsplätze in diesem Bereich sollten bis 2015 abgebaut werden, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit - und stieß prompt auf Widerstand bei den Arbeitnehmervertretern.

An neuen Standorten in Berlin sollen 500 Stellen und in der rumänischen Stadt Cluj rund 600 Jobs zusammengezogen werden. Die übrigen 1400 verteilen sich auf Konzerngesellschaften. Ziel sei es, gleichartige Aufgaben zu bündeln und die Kosten deutlich zu senken. Vorstandschef Johannes Teyssen hat angekündigt, insgesamt 11.000 der rund 80.000 Arbeitsplätze des Konzerns zu streichen. Der jetzige Stellenabbau ist Eon zufolge in der Gesamtzahl enthalten.

Die Arbeitnehmervertreter reagierten empört. „Der Vorstand soll das zurücknehmen“, sagte Konzernbetriebsratschef Hans Prüfer der Nachrichtenagentur Reuters. Er glaube nicht, dass viele Beschäftigte nach Rumänien ziehen wollten. „Die Stimmung in den Belegschaften wird weiter in den Keller gedrückt.“

Es stünden persönliche Existenzen auf dem Spiel - und das, obwohl Eon nach eigenem Bekunden die Talsohle bereits durchschritten habe. Die Betriebsräte wollen in einer Sitzung kommende Woche in Hannover sowie im Konzernwirtschaftsausschuss über die Pläne beraten. Das Management müsse seine Standortkonzepte schnellstens überdenken.

Finanzvorstand Marcus Schenck bezeichnete das Konzept hingegen als Meilenstein, mit dem die Wettbewerbs- und Investitionsfähigkeit gesichert werde. Er wolle sich mit den Arbeitnehmervertretern an einen Tisch setzen, um die notwendigen Vereinbarungen abzuschließen. Von den 3700 Beschäftigten im Personal- und Rechnungswesen arbeiten rund 2100 in Deutschland.

Die Pläne könnten erneut Gräben zwischen dem Management auf der einen und den Gewerkschaften und Betriebsräten auf der anderen Seite aufreißen, nachdem es in den vergangenen Monaten wieder etwas ruhiger im größten deutschen Energiekonzern geworden war.

Im Sommer 2011 hatte Teyssen mit dem überraschend angekündigten Stellenabbau die Arbeitnehmervertreter auf die Barrikaden gebracht. Monatelange herrschte Eiszeit. Ende Januar hatte sich der Vorstand schließlich mit den Gewerkschaften Verdi und IGBCE darauf geeinigt, bei dem Stellenabbau in Deutschland weitgehend auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten.

Von

rtr

Kommentare (3)

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Nachwuchs

24.05.2012, 18:57 Uhr

Das ist der Aufbau Europas. Vernichtung der Arbeitsplätze in Deutschland gem. Anweisung durch unsere Politiker!

Volkswirt

24.05.2012, 20:17 Uhr

Die massive Arbeitsplatzvernichtung wird früher oder später zu einer politischen Radikalisierung führen. Es spricht nichts dagegen, bestehende Konzepte zu überdenken und in Frage zu stellen. Aber dieses unverantwortliche Verlagern von Arbeitsplätzen sagt alles über die unqualifizierten und unverantworlichen Manager aus. E.ON sollte aufgrund der volkswirtschaftlichen Bedeutung Entzug der Betriebsgenehmigung in Deutschland angedroht werden. Anschließen sollte E.ON enteignet werden. Hier helfen nur radikale politische Lösungen. Denn schließlich muss die Gesamtheit die Kosten dieses Gewinnmaximierungswahnsinns tragen. Wer zahlt denn das Arbeitslosengeld für die entlassenen Menschen? Nun ist es mal so, dass wir hier höhere Löhne als in Rumänien haben. Aber wir haben hier auch andere Lebenshaltungskosten. Teyssen sollter als Erster nach Rumänien gehen. Mehr als 450 EUR Brutto/Monat ist er nicht wert. Dann hätte E.ON gleich 4-5 Mio. €/Jahr gespart.

hallowach

24.05.2012, 21:10 Uhr

Wenn sich ein Versorger aufgrund politischer Vorgaben in Deutschland aus seinen Kerngeschäften zurückziehen muss (d.h. erzwungener Verkauf von Gas- und Stromnetzen sowie von Kraftwerken) und sich dann zunehmend international aufstellt, ist es nur konsequent auch ausgewählte Unterstützungsfunktionen international auszurichten. So sehr die wegfallenden Stelle auch zu beklagen sind, offen bleibt die Frage ob diese politische Ausrichtung volkswirtschaftlich sinnvoll ist und zur Absenkung der Energiepreise und zur Beschleunigung der Energiewende führt. Der neue niederländische Eigentümer des E.ON Höchstspannungsnetzes ist jedenfalls nicht investitionsbereit. Das politische Ziel Offshore ist gefährdet. Nun rufen erste Politiker nach Verstaatlichung. Am Ende wird es wohl der Steuerzahler richten müssen ...

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