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24.11.2016

10:54 Uhr

Peruaner klagt wegen Klimawandel

Der Mann, der sich mit Energieriese RWE anlegt

VonJürgen Flauger

RWE hat viele Probleme. Jetzt fordert auch noch ein Kleinbauer aus Peru Schadenersatz. Er macht die Kohlekraftwerke mit für den Klimawandel verantwortlich. Das rechtliche Risiko ist gering – der Imageschaden aber enorm.

Folgen der Erderwärmung

Den peruanischen Anden drohen riesige Flutwellen

Folgen der Erderwärmung: Den peruanischen Anden drohen riesige Flutwellen

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DüsseldorfZwischen Garzweiler im Rheinland und Huaraz in Peru liegen gut 10.400 Kilometer. In Garzweiler baut der Energiekonzern RWE Braunkohle ab und betreibt in der Nachbarschaft mehrere Kohlekraftwerke. In Huaraz fürchtet man sich wegen einer beschleunigten Gletscherschmelze vor gefährlichen Fluten. Und dafür soll letztlich RWE verantwortlich sein. Zumindest zu einem Teil – das meint der Kleinbauer und Bergführer Saul Luciano Lliuya. Er hat RWE auf Schadenersatz verklagt. Am Donnerstag beginnt vor dem Landgericht Essen die mündliche Verhandlung.

Luciano Lliuya macht die Kohlekraftwerke von RWE mit für den Klimawandel verantwortlich – und der sei wiederum schuld an der Gletscherschmelze. Nach seinen Worten steigt der Pegel des benachbarten Palcacocha-Bergsees stetig. Unterstützt wird der Kleinbauer, der persönlich zur Verhandlung kommen wollte, von der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch. „Die großen Verursacher des Klimawandels wie RWE müssen endlich Verantwortung für die Folgen ihrer Emissionen übernehmen“, fordert der 36-jährige Vater dreier Kinder , „wir in Peru haben kaum etwas zum Klimawandel beigetragen, leben aber mit den schlimmsten Konsequenzen“.

Die Börsengänge der Töchter von Eon und RWE

Energiewende sorgt für Veränderungen

Die von der Energiewende gebeutelten Energieriesen Eon und RWE treiben ihre Konzernumbauten voran. Eon hat die Kraftwerkstochter Uniper im September an die Börse gebracht, RWE brachte das Ökostromgeschäft Innogy im Oktober an den Aktienmarkt.

Die Unternehmen

Die Eon-Tochter Uniper hat ihren Sitz in Düsseldorf, beschäftigt knapp 14.000 Mitarbeiter und erzielte nach Konzernangaben 2015 auf Pro-Forma-Basis ein Ebit von 0,8 Milliarden Euro und einen Nettoverlust von rund vier Milliarden Euro. Chef ist der ehemalige Eon-Finanzvorstand Klaus Schäfer.

Die RWE-Tochter Innogy hat ihren Sitz in Essen, beschäftigt knapp 40.000 Mitarbeiter und erzielte rein rechnerisch nach RWE-Angaben 2015 einen operativen Gewinn (Ebitda) von 4,5 Milliarden Euro und einen Nettoergebnis von 1,6 Milliarden Euro. Geführt wird das Unternehmen von RWE-Chef Peter Terium, der nach dem Börsengang den Chefposten des Mutterkonzerns abgegeben hat.

Das Geschäft

Uniper betreibt Kohle- und Gaskraftwerke in Europa und Russland mit rund 40 Gigawattt. Hinzu kommen Wasser- und Atomkraftwerke in Schweden sowie der Energiehandel.

RWE Innogy bündelt das Geschäft mit Ökostrom, Strom- und Gasnetzen sowie den Vertrieb von Strom und Gas.

Die Börsengänge

Eon hat im Zuge eines Spin-Offs 53 Prozent der Uniper-Anteile an die Börse gebracht und sie den eigenen Aktionären ins Depot gelegt. Einnahmen erzielt der Konzern dabei zunächst nicht. Eon will allerdings mittelfristig die restlichen Aktien versilbern, allerdings nicht vor 2018.

RWE und die neue Tochter Innogy brachten zunächst 23 Prozent der Anteile an die Börse. Später könnten weitere Anteile verkauft werden, RWE will aber die Mehrheit behalten.

Ausblick

Uniper steht von Beginn unter Druck. Der Konzern will bis 2018 Beteiligungen im Wert von mindestens zwei Milliarden Euro verkaufen und die Personalkosten senken.

Innogy erwartet stabile Geschäfte, da der größte Teil der Einnahmen, etwa für den Betrieb der Strom- und Gasnetze staatlich reguliert ist.

RWE sieht die Klage juristisch gelassen. Gegenüber dem Gericht haben der Konzern und seine Anwaltskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer erklärt, die angebliche Flutgefahr sei nicht ausreichend dargelegt. Außerdem gebe es keine „lineare Ursachenkette“ vom Ausstoß von Kohlendioxid bis zur behaupteten Flutgefahr. Zudem habe RWE durch den europäischen Emissionshandel eine Genehmigung für den Ausstoß vorliegen.

Innogy: Grüne RWE-Tochter landet hart

Innogy

Grüne RWE-Tochter landet hart

Nach dem fulminanten Börsenstart ist Innogy, das „grüne“ Geschäft des Energiekonzerns RWE, inzwischen deutlich abgesackt. Auch der erste Zwischenbericht enttäuscht die Anleger. Das wird auch zum Problem für RWE.

Der Konzern verweist auf Entscheidungen des Bundesgerichtshofs und des Bundesverfassungsgerichts aus den 90er Jahren. Damals sei die Haftung einzelner Anlagenbetreiber für allgemeine Luftverunreinigungen verneint worden. Der Klimawandel sei ein globales Problem. Dieses müsse auf staatlicher und internationaler Ebene gelöst werden. Einzelne Unternehmen könnten dafür nicht in die Verantwortung genommen werden.

Kommentare (15)

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Herr Peter Lustig

24.11.2016, 11:02 Uhr

Sind wir etwa wieder im Sommerloch?

Rainer von Horn

24.11.2016, 11:03 Uhr

Wie es scheint, spricht es sich bis in die letzten Ecken der Welt herum, wie leicht aus Deutschland Geld anzuzapfen ist. Anders kann man diese Meldung nicht erklären.

Herr Grutte Pier

24.11.2016, 11:08 Uhr

@von Horn

seien wir froh, dass der Mann von Zuhause klagt.
Als "Schutzsuchender" würde er hier zudem noch Unterkunft und Verpflegung gestellt bekommen.

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