Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.12.2016

12:35 Uhr

Peruaner verklagt RWE

Bergbauer scheitert mit Klima-Klage

VonJürgen Flauger

Saúl Luciano Lliuya forderte von RWE Schadenersatz. Der Peruaner machte die Braunkohlekraftwerke des Konzerns für die Folgen des Klimawandels mitverantwortlich. Doch nun ist der Kleinbauer vor Gericht gescheitert.

Der peruanische Bergbauer hatte RWE wegen der Folgen des Klimawandels verklagt. AFP; Files; Francois Guillot

Saúl Luciano Lliuya vor Gericht in Essen

Der peruanische Bergbauer hatte RWE wegen der Folgen des Klimawandels verklagt.

DüsseldorfEs war ein ebenso ungewöhnlicher wie harter Vorwurf, mit dem RWE da konfrontiert war. Kleinbauer und Bergführer Saúl Luciano Lliuya aus Peru hatte eine Klage beim Landgericht Essen eingereicht. Er leidet nach eigenen Angaben unter dem Klimawandel und forderte von dem deutschen Energiekonzern Schadenersatz. Seine Begründung: Die Braunkohlekraftwerke, die RWE im Rheinland betreibt, sind mit ihrem hohen Ausstoß von Kohledioxid mit Schuld am Klimawandel. Unterstützt wurde der Bauer von Umweltschützern. Diese maßen dem Verfahren eine grundsätzliche Bedeutung bei.

Die Klage wurde aber abgewiesen - zumindest beim Landgericht Essen. Das teilte ein Sprecher des Gerichts im Anschluss an die Verhandlung mit. Die Klageanträge seien teils aus prozessrechtlichen Gründen bereits unzulässig gewesen. Der Peruaner kann gegen das Urteil aber beim Oberlandesgericht Hamm Berufung einlegen.

Peruaner klagt wegen Klimawandel: Der Mann, der sich mit Energieriese RWE anlegt

Peruaner klagt wegen Klimawandel

Der Mann, der sich mit Energieriese RWE anlegt

RWE hat viele Probleme. Jetzt fordert auch noch ein Kleinbauer aus Peru Schadenersatz. Er macht die Kohlekraftwerke mit für den Klimawandel verantwortlich. Das rechtliche Risiko ist gering – der Imageschaden aber enorm.

RWE zeigte sich entsprechend erleichtert. Das Gericht habe bestätigt, „dass nach dem deutschen Zivilrecht ein einzelner Emittent nicht für allgemein verursachte und global wirkende Vorgänge wie den Klimawandel haftbar gemacht werden kann“, erklärte der Energiekonzern im Anschluss.

Lliuya lebt in Huaraz in Peru, gut 10.000 Kilometer von der RWE-Konzernzentrale entfernt. In dem Bergdorf fürchtet man sich wegen einer beschleunigten Gletscherschmelze vor gefährlichen Fluten. Lliuya der bei seiner Klage von der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch unterstützt wurde, forderte für Schutzmaßnahmen in der Gemeinde 17.000 Euro. Zumindest wollte er die 6300 Euro ersetzt haben, die er nach eigenen Angaben selbst investiert hat, um sein Haus zu schützen. Er hatte das Gebäude aufgestockt, das in einem besonders gefährdeten Gebiet der 120.000-Einwohner-Gemeinde liegt.

Der Schadensersatzantrag auf Geldzahlung von rund 6300 Euro sei zwar zulässig gewesen, erklärte das Gericht. Doch sei dieser Antrag unbegründet.

Die Börsengänge der Töchter von Eon und RWE

Energiewende sorgt für Veränderungen

Die von der Energiewende gebeutelten Energieriesen Eon und RWE treiben ihre Konzernumbauten voran. Eon hat die Kraftwerkstochter Uniper im September an die Börse gebracht, RWE brachte das Ökostromgeschäft Innogy im Oktober an den Aktienmarkt.

Die Unternehmen

Die Eon-Tochter Uniper hat ihren Sitz in Düsseldorf, beschäftigt knapp 14.000 Mitarbeiter und erzielte nach Konzernangaben 2015 auf Pro-Forma-Basis ein Ebit von 0,8 Milliarden Euro und einen Nettoverlust von rund vier Milliarden Euro. Chef ist der ehemalige Eon-Finanzvorstand Klaus Schäfer.

Die RWE-Tochter Innogy hat ihren Sitz in Essen, beschäftigt knapp 40.000 Mitarbeiter und erzielte rein rechnerisch nach RWE-Angaben 2015 einen operativen Gewinn (Ebitda) von 4,5 Milliarden Euro und einen Nettoergebnis von 1,6 Milliarden Euro. Geführt wird das Unternehmen von RWE-Chef Peter Terium, der nach dem Börsengang den Chefposten des Mutterkonzerns abgegeben hat.

Das Geschäft

Uniper betreibt Kohle- und Gaskraftwerke in Europa und Russland mit rund 40 Gigawattt. Hinzu kommen Wasser- und Atomkraftwerke in Schweden sowie der Energiehandel.

RWE Innogy bündelt das Geschäft mit Ökostrom, Strom- und Gasnetzen sowie den Vertrieb von Strom und Gas.

Die Börsengänge

Eon hat im Zuge eines Spin-Offs 53 Prozent der Uniper-Anteile an die Börse gebracht und sie den eigenen Aktionären ins Depot gelegt. Einnahmen erzielt der Konzern dabei zunächst nicht. Eon will allerdings mittelfristig die restlichen Aktien versilbern, allerdings nicht vor 2018.

RWE und die neue Tochter Innogy brachten zunächst 23 Prozent der Anteile an die Börse. Später könnten weitere Anteile verkauft werden, RWE will aber die Mehrheit behalten.

Ausblick

Uniper steht von Beginn unter Druck. Der Konzern will bis 2018 Beteiligungen im Wert von mindestens zwei Milliarden Euro verkaufen und die Personalkosten senken.

Innogy erwartet stabile Geschäfte, da der größte Teil der Einnahmen, etwa für den Betrieb der Strom- und Gasnetze staatlich reguliert ist.

Aufgrund der Vielzahl der weltweiten Emissionen von Treibhausgasen und der Komplexität des Klimas sowie dessen natürlicher Variabilität sei es nicht möglich, „spezifische Auswirkungen einer Klimaveränderung juristisch einem einzelnen Emittenten zuzurechnen“, erklärte RWE nach dem Urteil.

Für den Energiekonzern war das finanzielle Risiko zwar gering. Problematischer war für den Konzern allerdings der mögliche Imageschaden. Der Konzern ist Europas größter Emittent des klimaschädlichen Kohlendioxids. RWE betreibt nicht nur viele Kohlekraftwerke, sondern baut im Rheinland auch im großen Stil Braunkohle ab. Die Anlagen sind dabei für den Konzern, der tief in der Krise steckt, noch die ertragreichsten.

Die Kohlekraftwerke, speziell die Braunkohle, stehen aber ohnehin massiv in der Kritik. Spätestens seit 2015 auf dem Weltklimagipfel in Paris ein verschärfter Klimaschutz beschlossen wurde, ist der Druck auf einen beschleunigten Ausstieg aus der Kohle stark.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

15.12.2016, 13:23 Uhr

Das hätte ich den Bergbauer auch gleich sagen können, dass er mit so einer Hirnrissigen Klage einer Grünen Ideologie scheitern wird.
Deswegen hätte er nicht extra aus Peru anreisen brauchen!
Und der Flug von Peru nach Deutschland und zurück ist jetzt dann CO2-Klima Neutral oder was?!
Mann oh Mann....diese Grün-Sozialistische Welt...einfach nur noch zum Kotzen. Und das Zentrum dieser sozialistischen Ideologie einer Grünen CO2-freien Welt sitzt natürlich mal wieder in Deutschland.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×