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12.01.2007

13:50 Uhr

Peter Hartz vor Gericht

Erst mächtig, dann ohnmächtig

VonJan Keuchel

Der ehemalige VW-Manager Peter Hartz steht ab kommenden Mittwoch vor Gericht. In der Anklage geht es um Schmiergelder, korrumpierende Manager und käufliche Betriebsräte. Doch auch nach einem Urteil ist die Aufarbeitung der Affäre nicht beendet – weitere Anklagen werden folgen.

In der Anklageschrift gegen den ehemaligen VW-Manager Peter Hartz geht es um Schmiergelder, korrumpierende Manager und käufliche Betriebsräte. Foto: dpa dpa

In der Anklageschrift gegen den ehemaligen VW-Manager Peter Hartz geht es um Schmiergelder, korrumpierende Manager und käufliche Betriebsräte. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Das Ganze wirkt sauber getimed, clever inszeniert. Am 12. März erscheint ein Buch von und über Peter Hartz, ein Gesprächsband: Die Journalistin Inge Kloepfer hat gefragt, Hartz hat erzählt: über sein Leben, über Saarbrücken, über Politik – und über seine Arbeit bei Volkswagen. Vor der Buchpräsentation muss der Ex-Personalvorstand von VW und Namensgeber der umstrittenen Sozialreformen allerdings noch zwei Termine über sich ergehen lassen, die weniger erquicklich sind, die das Interesse an seinem Werk aber durchaus steigern könnten: Am kommenden Mittwoch muss Hartz sich vor dem Braunschweiger Landgericht verantworten, weil er rund zwei Millionen Euro VW-Vermögen veruntreut haben soll. In 44 Fällen – mit vielen schmuddeligen Hintergründen. Eine gute Woche später, am 25. Januar, könnte schon das Urteil fallen.

Ein Schelm, der Böses dabei denkt: Erst die Verurteilung, dann der Tantiemen-Reibach? Ob das Hartz/Kloepfer-Buch wirklich lesenswert ist, weiß noch niemand. Nur der Titel des Werks ist schon bekannt: „Macht und Ohnmacht“.

„Erst mächtig, dann ohnmächtig“ klingt treffender. Das jedenfalls wäre ein guter Titel für die 63 garantiert lesenswerten Seiten, die die Staatsanwaltschaft Braunschweig am 17. Januar zumindest in Auszügen vortragen wird. Es ist die Anklageschrift, und es geht darin um Schmiergelder, um korrumpierende Manager und käufliche Betriebsräte. Die Lustreisen auf VW-Kosten, die Bordellbesuche von Managern und Betriebsräten, werden dagegen in Braunschweig wohl nicht zur Sprache kommen. Das Hartz-Verfahren wird ein Schnellverfahren, ohne pikante Details – weil Gericht, Verteidiger und Staatsanwälte sich über deren Ausklammerung einig sind.

Wer sich also einen langwierigen Schauprozess erhofft, der wird enttäuscht werden. Genauso wie derjenige, der erwartet hat, jenen mächtigen Mann auf dem Zeugenstuhl zu sehen, den die Staatsanwaltschaft zunächst ebenfalls laden wollte: VW-Firmenoberhaupt Ferdinand Piëch. Manch einer meint, Piëch gehöre mit auf die Anklagebank. Denn bei VW laufe nichts ohne dessen Wissen. Hätte er in die Bestechungsvorgänge nicht eingeweiht sein müssen? Doch Oberstaatsanwalt Klaus Ziehe sagt: „Wir haben keine Anhaltspunkte für einen Anfangsverdacht.“

Was nicht ist, kann allerdings noch werden. Denn die Aufarbeitung der VW-Affäre erlebt mit dem Hartz-Prozess erst ihren Auftakt. Insgesamt ein gutes Dutzend weitere Personen wird wohl noch angeklagt.

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