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02.05.2013

10:40 Uhr

Peter Löscher

Der Druck auf den Siemens-Chef wächst weiter

Die schlechten Nachrichten für Peter Löscher reißen nicht ab. Nun hat der Siemens-Chef auch noch die Prognose für dieses Jahr gesenkt und das Sparprogramm verschärft. Der Erfolgsdruck wächst.

Siemens-Chef Peter Löscher steht wegen schlechten Zahlen und Fehlinvestitionen unter Druck. dapd

Siemens-Chef Peter Löscher steht wegen schlechten Zahlen und Fehlinvestitionen unter Druck.

MünchenSiemens-Chef Peter Löscher hat für seine Anleger bei der Vorlage der Zahlen zum zweiten Quartal eine ganze Reihe von bitteren Pillen mitgebracht, die es zu schlucken gilt. Zunächst korrigiert der Konzern die Prognose für das laufende Jahr nach unten. Eigentlich wollte das Industrieunternehmen bis zu fünf Milliarden Euro im fortgeführten Geschäft verdienen. Doch daraus wird wohl nichts.

Das Unternehmen werde sich einem Ergebnis im unteren Bereich der ursprünglich angepeilten Spanne von 4,5 bis 5 Milliarden Euro „von unten annähern“, hieß es. Auch einen stabilen Umsatz erwarten die Münchner nicht mehr, stattdessen einen leichten Einnahmenrückgang.

Siemens-Geschäftsfelder und ihre Zukunft

Energietechnik

Der Sektor hat dem Vorstand im vergangenen Jahr wohl den meisten Kummer bereitet. Siemens verpatzte den rechtzeitigen Anschluss von Windparks in der Nordsee und musste eine halbe Milliarde Euro Strafe zahlen. Zudem drückt verstärkt asiatische Konkurrenz auf den Markt für Transformatoren. Siemens reagierte auf den wachsenden Preisdruck mit dem Abbau Tausender Stellen.

Sortieranlagen

Nach Löschers Ansicht wirft das Geschäft mit Sortieranlagen für Postzentren und Flughäfen mit einer Rendite um die fünf Prozent bei Jahresumsätzen von 900 Millionen Euro zu wenig ab. Der Konzern sucht nun nach einem Käufer für das Segment, rund 3600 Mitarbeiter sind betroffen.

Wasseraufbereitung

Ein ähnliches Schicksal wie die Sortieranlagen-Sparte trifft auch die Wasseraufbereitungstechnik. Als Ausrüster von Wasserwerken setzt Siemens zwar rund eine Milliarde Euro um, unter dem Strich bleibt allerdings nur ein einstelliger Millionenbetrag hängen. Die Einheit soll verkauft werden.

Solarenergie-Technik

Der Ausflug in die Solarenergie-Technik erwies sich für die Münchner als teurer Flop. Mit dem Kauf der israelischen Solel für 418 Millionen Dollar und dem Erwerb von Anteilen an der italienischen Archimede wollte Siemens bei der solarthermischen Stromerzeugung mitmischen. Der Markt etablierte sich nie, Solel machte mehr Verlust als Umsatz. Die Anteile an Archimede hat Siemens bereits zurückgegeben, für Solel wurde ein Abnehmer gesucht.

Industriesoftware

Das Geschäft mit Computerprogrammen für die Industrie hat Siemens in den vergangenen Jahren stark ausgebaut. Für die Übernahme der belgischen LMS etwa zahlte der Konzern 680 Millionen Euro. Insgesamt elf solcher Softwareschmieden hat Siemens für zusammen mehr als vier Milliarden Euro gekauft.

Osram

Siemens verschenkt die große Mehrheit seiner Leuchtmittel-Tochter an die eigenen Aktionäre. Gut 80 Prozent sollen die Eigentümer behalten, der Rest bleibt bei der Mutter und deren Pensionsfonds. Siemens will in das Lampengeschäft nicht mehr investieren, Pläne für einen IPO waren gescheitert. Osram steckt selbst in der Sanierung, zunächst soll es keine Dividende geben. Zwischen 7300 und 8000 Stellen sollen weltweit abgebaut werden, einige Standorte geschlossen werden. Die Börsennotierung erfolgte Anfang Juli. Osram macht einen Jahresumsatz von gut fünf Milliarden Euro und erwartet für das laufende Geschäftsjahr wegen der Sanierungskosten Verlust.

Nokia Siemens Networks

Problem gelöst: Seinen Anteil an Nokia Siemens Networks hat der Münchner Konzern im Juli 2013 komplett an den finnischen Partner abgegeben.

Das bringt Löscher noch weiter unter Druck, denn er muss sich nicht nur für den erwarteten Umsatz- und Gewinnrückgang verantworten. Dem Siemens-Chef verhagelt seine Fehlinvestition in das israelische Solarunternehmen Solel weiter die Bilanz.

„Bei Siemens scheint künftig die Sonne“, hatte Konzernchef Peter Löscher noch im Herbst 2009 die Übernahme gefeiert. Mit dem Unternehmen wollte Siemens den Einstieg in die Solarthermie schaffen. Im Gegensatz zur inzwischen weit stärker verbreiteten und erfolgreicheren Photovoltaik gewinnt man dabei Energie aus der Wärme der Sonne und nicht aus dem Licht, wie bei der Photovoltaik.

Doch die Sparte erwies sich als Flop und machte seit der Übernahme nur Verluste. Im Oktober vergangenen Jahres verkündete Siemens daher, dass sich der Konzern von dem Bereich komplett trennen will. Die Einnahmen aus dem Verkauf könnte Löscher gut gebrauchen.

Wegen Sonderlasten aus verspäteten Auslieferungen von Hochgeschwindigkeitszügen und dem verpatzten Anschluss von Windparks in der Nordsee ist der Gewinn des Konzerns stark unter Druck. Die Summe der negativen Sondereffekte belief sich allein im vergangenen Quartal auf 370 Millionen Euro.

Kommentare (10)

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RumpelstilzchenA

02.05.2013, 11:33 Uhr

Mr. Löscher meinte mal, dass die Führungsmannschaft zu "weiß" wäre. Nun, er hat recht, er ist zu "weiß" und unfähig. Mr. Löscher verlassen Sie Siemens, es ist besser für das Unternehmen.

haharth

02.05.2013, 11:56 Uhr

Peter Löscher muss gehen. Er ist das Problem: keine Visionen, keine Inspirationen - nur Kosten senken ist zu wenig. Laut Manager Magazin kennt er das Produkt-Portfolio
von Siemens nicht und jettet nur in der Weltgeschichte herum.

Das eigentliche Problem ist der Aufsichtsrats-Chef Cromme.
Der muss dringend gehen, er hat Löscher ja auch geholt.

Siemens-Shareholder

02.05.2013, 12:07 Uhr

Zitat: "Peter Löscher verdiente im Jahr 2012 als Vorstandsvorsitzender der Siemens AG 7.871.000 Euro. In dem Gehalt sind Sachvergütungen, Aktienoptionen und andere langfristige Vergütungsbestandteile, aber keine Pensionsansprüche enthalten."

Quelle: GehaltsReporter - Mehr Transparenz in Sachen Gehalt!


Es stellt sich die Frage, weshalb Herr Löscher nicht zuerst anfängt bei seinem Gehalt zu sparen. Eine jährliches Salär von maximal 1 Mio. Euro wäre immer noch angemessen. Dazu kommen ja immerhin auch noch üppige Pensionsansprüche. Bei Siemens stimmt doch was nicht!

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