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17.07.2012

18:00 Uhr

Peter Terium

RWE-Chef bringt Gewerkschaften gegen sich

RWE geht zwei Schritte nach vorn. Einerseits steht der Verkauf einer weiteren Beteiligung bevor. Zum anderen könnte noch mehr bei den Beschäftigten gespart werden. Der Nachteil: Es droht Ärger.

Der neue RWE-Chef Peter Terium. dpa

Der neue RWE-Chef Peter Terium.

EssenNoch keine drei Wochen ist Peter Terium als Nachfolger von Jürgen Großmann Vorstandschef bei RWE - da hinterlässt der Niederländer erneut seine Handschrift beim Sparprogramm des zweitgrößten deutschen Energiekonzerns. Terium setzt verschärft beim Personal an. Um mindestens 2000 zusätzliche Stellen soll es gehen. Schon im Winter war ein Sparprogramm mit der Streichung von 8000 Arbeitsplätzen bekanntgeworden. Das hat die Branche bereits Terium zugeschrieben, der an der Seite von Großmann als Vizechef schon Verantwortung übernommen hatte.

Mit den neuen Personalmaßnahmen zieht RWE mit dem Konkurrenten Eon fast gleich. Bei den Düsseldorfern geht es um 11 000 Arbeitsplätze, die sozialverträglich abgebaut werden sollen. Beim neuesten Terium-Coup könnte es aber weniger sozialverträglich zugehen. Bei Auslagerungen und Outsourcing geht es vor allem um schlechtere Bedingungen für die Beschäftigten: Für die Arbeitnehmer sollen nicht mehr die gleichen Tarife gelten wie für die Kernmannschaft, beklagt Verdi.

Die Gewerkschaften laufen daher Sturm: Es sei „Jahrzehnte lang geübte Praxis“ bei RWE gewesen, allen Beschäftigten die gleichen Rahmenbedingungen zu bieten, sagt ein Verdi-Sprecher. Was Terium jetzt vorhabe, sei ein „Kulturbruch“. Selbst der Eon-Konzern, der im vergangenen Jahr mit seiner Ankündigung zum Stellenabbau die Arbeitnehmer schockte, habe zugesagt, die Mitarbeiter ausgegliederter Unternehmensteile nicht schlechter zu stellen.

Aber nicht nur auf Sparprogramme setzt der neue RWE-Chef. Er hat auch das Verkaufsprogramm zur Stärkung der angeschlagenen Finanzkraft vorangetrieben. Jüngster Erfolg war der Verkauf von Anteilen am Saarbrücker Versorger VSE. Jetzt soll die Beteiligung an den Berliner Wasserbetrieben verkauft werden. Der Senat gab am Dienstag grünes Licht für das Geschäft, das RWE mehr als 600 Millionen Euro einbringen soll.

Der Verkauf, der noch nicht ganz abgeschlossen ist, könnte RWE vor sinkenden Margen im Berliner Wassergeschäft bewahren. Das Bundeskartellamt hat die Wasserbetriebe an die Kandare genommen und verlangt, die hohen Tarife in der Hauptstadt um gut ein Sechstel zu senken. RWE und der zweite private Anteilseigner Veolia - beide besitzen je 24,95 Prozent - hatten lange Zeit von dem Geschäft profitiert. Der Gewinn ist offenbar so hoch, dass Berlins Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos) ankündigte, die Anteile mit den Gewinnen zu finanzieren, die bislang nach Essen fließen.

Ob das Land dann die Tarife wie vom Bundeskartellamt gefordert um rund ein Sechstel senken wolle, darüber müsse das Parlament politisch entscheiden, betonte Nußbaum. Das Abgeordnetenhaus, in dem rot-schwarz die Mehrheit hat, muss auch den Verkaufsvertrag nach der Sommerpause billigen. Die CDU hat schon erklärt, sie wolle nur zustimmen, wenn auch die Preise gesenkt würden.

Insgesamt will sich RWE von Unternehmensteilen im Volumen von bis zu sieben Milliarden Euro trennen. Es geht noch um Teile der Förder-Tochter RWE Dea, um den tschechischen Ferngas-Netzbetreiber NET4GAS sowie um weitere Vertriebstöchter. Die Hochspannungstochter Amprion und Anteile am Kohlekraftwerk Rostock hat RWE bereits verkauft, das brachte etwa 1,5 Milliarden Euro ein.

Das Geld braucht der Konzern, um sich gegenüber Kreditgebern in guter Form zu präsentieren und um seine Milliardeninvestitionen in grüne und konventionelle Energieprogramme stemmen zu können. Das Programm ist ohnehin schon von 7 auf 4 bis 5 Milliarden Euro jährlich gekürzt worden. Fukushima und das vorgezogene Auslaufprogramm für die Kernkraft haben die Finanzkraft der Energieversorger geschwächt.

Von

dpa

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