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18.02.2014

18:31 Uhr

Peugeot-Aufsichtsrat

Die Türen stehen für Dongfeng offen

Frankreichs größter Autobauer Peugeot braucht dringend frisches Geld. Der Aufsichtsrat des kriselnden Unternehmens hat endgültig für den Kapitaleinstieg von Dongfeng und des französischen Staats gestimmt.

PSA Peugeot Citroen in Rennes. Künftig soll der französische Staat und Dongfeng mit jeweils 800 Millionen Euro einsteigen. AFP

PSA Peugeot Citroen in Rennes. Künftig soll der französische Staat und Dongfeng mit jeweils 800 Millionen Euro einsteigen.

ParisDer Aufsichtsrat des kriselnden Autobauers PSA Peugeot Citroën hat endgültig für einen Kapitaleinstieg des chinesischen Konzerns Dongfeng und des französischen Staats gestimmt. Bei einer Sitzung in Paris machte das Gremium am Dienstag den Weg für eine Kapitalerhöhung von insgesamt drei Milliarden Euro frei, wie aus informierten Kreisen in Paris verlautete. Frankreichs größter Autobauer braucht dringend frisches Kapital.

„Die Sitzung des Aufsichtsrats ist beendet, und alle Operationen wurden bestätigt“, verlautete aus den informierten Kreisen. Der französische Staat und Dongfeng sollen demnach mit jeweils 800 Millionen Euro einsteigen und damit künftig jeweils 14 Prozent der PSA-Anteile halten.

Der Einfluss der Familie Peugeot in dem Konzern wird sinken: Sie wird künftig ebenfalls nur 14 Prozent der PSA-Anteile halten, bislang waren es 25,4 Prozent. Die Familie verliert auch ihre doppelten Stimmrechte, mit denen sie bislang sogar 38,1 Prozent der Stimmrechte hielt. Ob Thierry Peugeot weiterhin an der Spitze des Aufsichtsrats bleiben wird, wurde am Dienstag nicht entschieden. Berichten zufolge könnte er den Posten bald räumen müssen.

Spektakuläre Wechsel in der Autobranche

JOSE IGNACIO LOPEZ

1993 holt Volkswagen den General-Motors-Manager als Einkaufsvorstand zu VW und handelt sich mit GM reichlich Ärger ein: Lopez soll geheime Unterlagen von GM mitgenommen haben. Es folgen jahrelange Rechtsstreitigkeiten, das Verfahren gegen Lopéz wird eingestellt, die beiden Autoriesen einigen sich.

BERND PISCHETSRIEDER

Pischetsrieder fiel 1999 bei BMW wegen des Debakels um die kostspielige Rover-Übernahme in Ungnade. 2000 wurde er als Seat-Chef zu VW geholt und übernahm 2002 den Chefsessel von VW-Patriarch Ferdinand Piëch. 2006 musste er auch bei VW seinen Hut nehmen. Heute ist er Aufsichtsratschef beim Rückversicherer Munich Re.

WOLFGANG BERNHARD

2004 endete Bernhards Zeit im Daimler-Vorstand im Streit mit dem damaligen Vorstandsvorsitzenden Jürgen Schrempp - 2005 wechselte er zu VW. Als Martin Winterkorn im Januar 2007 den Chefsessel in Wolfsburg übernahm, musste Bernhard gehen. 2009 kehrte er zurück zu Daimler und sitzt nun als Nutzfahrzeugchef im Vorstand.

WOLFGANG REITZLE

Reitzle arbeitete sich bei BMW in den Vorstand hoch. 1999 musste er wie Pischetsrieder wegen der Rover-Übernahme gehen und kümmerte sich fortan um die Luxusparte des US-Autobauers Ford. 2002 wechselt er zum Industriegase-Spezialisten Linde, wo er zum Vorstandschef aufstieg.

ALAN MULALLY

Der Boeing-Manager kam 2006 zu Ford und baute den damals von Rückrufen gebeutelten US-Hersteller wieder auf. Als einziger US-Autobauer überstand Ford aus eigener Kraft die Wirtschaftskrise.

KARL-THOMAS NEUMANN

Im März 2013 wechselte Neumann von VW an die Opel-Spitze. Im August 2012 hatte Neumann seinen Posten als China-Chef von Volkswagen verloren. Drei Jahre zuvor hatte ihn ein Machtkampf mit Großaktionär Schaeffler den Chefposten beim Autozulieferer Conti gekostet.

PSA will die Beschlüsse des Aufsichtsrats am Mittwochmorgen offiziell bekanntgeben, zusammen mit den Geschäftszahlen des vergangenen Jahres. Eine endgültige Vereinbarung könnte Ende März unterzeichnet werden, wenn Chinas Staatschef Xi Jinping nach Frankreich kommt.

Allerdings zeichnet sich schon vor dem Eigentümerwechsel ein erster Konflikt ab. Der französische Staat will den ihm getreuen ehemaligen EADS-Chef Louis Gallois zum neuen Aufsichtsratsvorsitzenden küren. Dongfeng unterstützt das nicht und will stattdessen einen unabhängigen Chefaufseher einsetzen.

Kommentare (3)

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18.02.2014, 20:21 Uhr

Frankreich hat abgewirtschaftet, Peugeot ist nur der Anfang. Warum? Inzestöses und mafiöses Elitentum aus denselben wenigen Ecoles, Bürokraten so weit das Auge reicht und Massen, die für die dümmsten kurzfristigen Ergebnisse randalieren und/oder Vorgesetzte ihrer Freiheit berauben.

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18.02.2014, 20:36 Uhr

Schön, nachdem wir unsere Wohnungen mit preiswerter Elektronik vollgestellt haben und mit asiatischen Autos zu unseren sicheren Arbeitsplätzen fahren, dürfen unsere Kinder die Produkte nicht nur kaufen und nutzen, sondern endlich auch zusammenschrauben. Einfach herrlich!!

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18.02.2014, 20:45 Uhr

Irrtum, es ist kein französisches Phänomen. Europa hat abgewirtschaftet. Optik, Foto, Uhren, Kopierer, Bildschirme, Mobiltelefone, Fernseher, Computer, Küchengeräte, Speicherchips kommen schon aus Asien. Bald werden es auch Auto, Eisenbahnen, Lastkraftwagen, Flugzeuge, Druckmaschinen, Industrieroboter etc. sein. Eine total verblödete europäische Pseudo-Elite hat für den kurzfristigen Profit unsere wirtschaftliche Zukunft nach Asien, BRIC, Japan etc. verkauft. Der Prozess begann Anfang der 70er Jahre, findet heute seinen Höhepunkt und nun kommen die Emerging Markets nach Europa und kaufen die Mutterkonzerne auf. Wird in Deutschland auch passieren. Europa hat keinen Computer- und Mobilhersteller mehr. Die Betriebssysteme, ob für Mobiles oder Desktop, kommen aus den USA. Da braucht es auch keine Industriespionage mehr. Selbst die deutsche Regierung wird vollständig abgehört und kann noch nicht mal etwas dagegen unternehmen. Erbärmlich!!

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