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07.09.2013

11:10 Uhr

Peugeot, Fiat und Co.

Massenhersteller sparen auf Kosten der Zukunft

Autobauer wie Fiat oder Peugeot sind auf hohe Stückzahlen angewiesen. Die Massenhersteller sparen teilweise erfolgreich gegen die Krise auf Europas Automarkt an, die Aktien steigen. Doch der Sparkurs könnte sich rächen.

Modell vor dem Fiat 500: Der italienische Autobauer steckte im ersten Halbjahr nur 600 Millionen Euro in die Forschung. Reuters

Modell vor dem Fiat 500: Der italienische Autobauer steckte im ersten Halbjahr nur 600 Millionen Euro in die Forschung.

HamburgZwölf Werke zu viel, Zehntausende Arbeiter vor der Entlassung, Europas Autoindustrie vor dem Kollaps: Dieses Horrorszenario wurde bis vor kurzem noch in der Branche skizziert, doch inzwischen mehren sich die Anzeichen, dass es nicht ganz so schlimm kommen wird. Denn bei den gebeutelten Massenherstellern tragen die Sparprogramme Früchte. Selbst bereits totgesagte Marken wie Fiat und Peugeot schöpfen Mut.

„Wir sehen erste Anzeichen für eine Erholung des Konzerns“, freute sich Peugeot-Chef Philippe Varin jüngst bei der Präsentation der Halbjahresbilanz. Die Börse jubelt und nimmt die erwartete Belebung vorweg, die Kurse steigen seit Wochen. Allerdings geht der Sparkurs oft auf Kosten der Zukunft.

Denn für eine kurzfristige Entspannung haben einige Firmen ihre Forschungsausgaben zusammengestrichen. Sie überlassen damit im Rennen um umweltschonende Antriebe und neue Modelle der Konkurrenz das Feld, die - allen voran der europäische Marktführer Volkswagen - die Ausgaben hoch hält. Die unter der Krise besonders leidenden südeuropäischen Hersteller gehen damit ein hohes Risiko ein, von der Konkurrenz abgehängt zu werden. „Es ist völlig klar: Wenn ich die Zielsetzung habe, immer effizientere Motoren zu entwickeln, und mit umweltfreundlicheren Autos konkurrenzfähig sein will, dann muss ich auch die nötigen Mittel dafür einsetzen“, sagt Volker Lange. Der Chef des Importeursverbandes VDIK rechnet daher mit weiteren Kooperationen von schwächelnden Autobauern, um sich Entwicklungskosten zu teilen. „Das wird weiter zunehmen, ohne dass eine Marke ihre Identität dabei verlieren muss.“

Die zehn größten Autohersteller Europas

Platz 10

Nissan

Verkaufte Fahrzeuge: 0,35 Millionen (-2,8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 9

Toyota

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Toyota und Lexus: 0,43 Millionen (- 2,0 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 8

Daimler

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Mercedes-Benz und Smart: 0,56 Millionen (+5,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 7

Fiat Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Fiat, Lancia/Chrysler, Alfa Romeo, Jeep: 0,62 Millionen (- 8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 6

BMW Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken BMW und Mini: 0,64 Millionen (+ 0,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 5

Ford

Verkaufte Fahrzeuge: 0,75 Millionen (-4,8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 4

General Motors

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Opel, Vauxhall, Chevrolet, GM: 0,8 Millionen (- 5,6 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 3

Renault Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Renault, Dacia: 0,89 Millionen (+1,8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 2

PSA Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Peugeot und Citroën: 1,11 Millionen (-10,3 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 1

Volkswagen

Verkaufte Fahrzeuge der Marken VW, Audi, Seat, Skoda: 2,49 Millionen (-2,6 Prozent gegenüber Vorjahr)

Quelle

Hoffnungen auf eine rasche Entlastung von Fiat, Peugeot & Co beruhen nach Meinung von Bernstein Research indes eher auf Autosuggestion. Keiner aus der Gruppe der Hersteller, die auf hohe Stückzahlen angewiesen sind, um niedrige Preise verlangen zu können, hat nach Ansicht der Analysten die Markterwartungen in den ersten sechs Monaten aufgrund höherer Umsätze übertroffen. Die Verkaufszahlen seien vielmehr nach wie vor „schrecklich“ und die Preise wegen der Rabattschlacht im Keller.

Volkswagen habe im Preiskampf allerdings einen Gang zurückgeschaltet und den Rivalen dadurch Luft zum Atmen verschafft, schreibt Bernstein-Autoexperte Max Warburton. Die wahren Gründe für niedrigere Verluste und eine geringere Geldvernichtung bei den anderen Massenherstellern im ersten Halbjahr seien aber drastische Kostensenkungen und gekürzte Investitionen gewesen. Solche Maßnahmen wirkten sich zwar kurzfristig positiv auf die Liquidität aus und würden von der Börse gefeiert. Langfristig würden die Unternehmen jedoch geschwächt und fielen hinter die Konkurrenz aus Wolfsburg und Asien zurück.

Kommentare (5)

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Nachwuchs

07.09.2013, 19:50 Uhr

Sparen auf Kosten der Zukunft? Sie sparen hauptsächlich an den Kosten für die Mitarbeiter. Ihre Einkommen explodieren nur noch. Dies für die Zukunft????

Account gelöscht!

07.09.2013, 20:21 Uhr

Allerhöchste Zeit für einen Rettungsschirm für notleidende Süd/SüdWesteuropäische Autohersteller. Wer zahlt steht auch schon fest.

Arminius

08.09.2013, 07:38 Uhr

Fetischismus pur!

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