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29.09.2015

15:02 Uhr

Pfeiffer Vacuum

Busch steigt bei Pumpenspezialisten ein

Der Branchenkonkurrent Busch ist bei Pfeiffer Vacuum eingestiegen. Das Unternehmen hat 15 Prozent der Aktien des Vakuumpumpen-Herstellers erworben. Eine Übernahme sei aber nicht geplant.

An der Börse sorgten die Nachrichten für einen Kursaufschlag von über zwei Prozent. PR

Rivale als Finanzanlage

An der Börse sorgten die Nachrichten für einen Kursaufschlag von über zwei Prozent.

DüsseldorfDer Vakuumpumpen-Hersteller Pfeiffer Vacuum (PV) ist ins Visier seines Wettbewerbers Busch-Holding geraten. Das badische Familienunternehmen mit rund 2700 Mitarbeitern erwarb 15 Prozent an der börsennotierten Pfeiffer Vacuum und kündigte an, möglicherweise in den kommenden Monaten weiter aufzustocken, die 30-Prozentschwelle aber nicht erreichen zu wollen. An der Börse sorgten die Nachrichten am Dienstag für einen Kursaufschlag von über zwei Prozent auf 102,70 Euro, dem höchsten Kurs seit knapp zwei Jahren. Die im TecDax notierten Papiere haben in den vergangenen zehn Monaten ihren Wert damit fast verdoppelt. Harald Schnitzer von der DZ Bank äußerte sich überrascht, wertete den Einstieg Buschs bei PV aber positiv, wenngleich die Beweggründe nicht ganz klar seien.

„Wahrscheinlich wird sich Busch um einen Sitz im Aufsichtsrat bemühen“, so Schnitzer. Als Finanzbeteiligung sei PV mit einer Dividendenrendite von etwa drei Prozent aber nicht unattraktiv. „Alles in allem ist PV ein äußerst attraktives Unternehmen, an dem sich unter Umständen auch andere strategische Investoren beteiligen wollen.“

Ein PV-Sprecher sagte, über die kommunizierten Beweggründe Buschs hinaus habe die Firma keine weiteren Erkenntnisse. Nähere Kontakte gebe es mit dem Wettbewerber nicht. Den Einstieg könne man aber wohl als Qualitätssiegel für die Aktie bewerten.

Fakten zu Busch Vakuumpumpen

Gründungsjahr

1963 im baden-württembergischen Schopfheim. Später Umzug nach Maulburg, nahe Lörrach.

Geschichte

Karl und Ayhan Busch führen die Firma gemeinsam. Das Ehepaar feiert mit dem ersten Produkt Erfolge als Lieferant für Verpackungsmaschinen. Das Wachstum der Firma wird dadurch begünstigt, dass im äußersten Südwesten mehrere Firmen der Branche und auch Kunden angesiedelt sind. Ingenieur Karl Busch entwickelt fortlaufend neue Vakuumpumpen und die Geräte kommen zunehmend in Anwendungen jenseits der Lebensmittelindustrie zum Einsatz. Schon früh entscheidet sich Busch für eine Expanion, gründet in den 1970er-Jahren eine Fertigung in der Schweiz und Großbritannien und eröffnet bereits sehr früh eine Vertretung in China.

Eigner und Führung

Die Firma gehört zu gleichen Teilen jeweils Karl Busch, seiner Frau Ayhan Busch, der Tochter Ayla Busch und den Söhnen Sami und Kaya Busch. Die Kreditaufnahme hat Karl Busch den Gesellschaften verboten. Wachstum finanziert das Unternehmen aus eigener Kraft.

Produkte

Den Grundstein für den Erfolg hat eine „Huckepack-Pumpe“ gelegt, die Karl Busch selbst entwickelt hat. Die R5-Pumpe entwickelte sich zum Kassenschlager und wurde weltweit 2,5 Millionen mal verkauft. Die Anwendungen der Pumpen sind vielfältig: Von der Nachbehandlung von Dampf in Kraftwerken über Hebevorrichtungen für Produktionsstraßen bis hin zur Beschichtung von Flachbildschirmen.

Geschäftsentwicklung

Nach eigenen Angaben setzte die Busch-Holding im Jahr 2013 knapp 400 Millionen Euro um und hat im Durchschnitt der 20 Jahre ab 1992 jedes Jahr durchschnittlich sieben Prozent zugelegt. Beim Umsatz spielt Busch in einer Liga mit Branchengrößen wie Edwards (kürzlich gekauft vom schwedischen Industriekonzern Atlas Copco) oder Pfeiffer Vacuum.

Beschäftigte und Standorte

Busch beschäftigt weltweit in 60 Tochterfirmen in 42 Ländern insgesamt 3000 Mitarbeiter.

Busch-Gesellschafter Sami Busch versicherte, eine Übernahme sei nicht geplant. „Als langfristig orientierter Investor sehen wir unsere Finanzbeteiligung an Pfeiffer Vacuum als attraktive Möglichkeit, noch stärker von den Potenzialen eines uns wohlbekannten Marktes zu profitieren.“ Busch wolle bei PV weder Einfluss auf die Besetzung des Aufsichtsrats oder des Vorstands noch auf die Kapitalstruktur oder auf die Dividendenpolitik nehmen. Der Kaufpreis der in den vergangenen Tagen aus dem Streubesitz erworbenen Aktien sei aus Eigenmitteln finanziert worden. Nach Thomson-Reuters-Daten waren 15 Prozent an Pfeiffer an der Börse etwa 145 Millionen Euro wert.

Busch produziert Vakuumpumpen für alle Industriebereiche und veröffentlichte für 2013 einen Umsatz in der Holding von knapp 400 Millionen Euro. Die Erlöse der Gruppe wurden nicht bekannt gegeben. PV mit seinen Pumpsystemen, die überwiegend an die Halbleiterindustrie gehen, erlöste 2014 mit seinen 2250 Mitarbeitern über 400 Millionen Euro.

Von

rtr

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