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12.03.2012

19:04 Uhr

Pfizer-Tiermedizin-Sparte

„Abspaltung hat größere Chancen als Verkauf“

Der amerikanische Pharmariese Pfizer räumt einer Abspaltung seiner Tiermedizin-Sparte größere Chancen ein als einem Verkauf. Eine endgültige Entscheidung hat der weltgrößte Arzneimittelhersteller noch nicht getroffen.

Pfizer-Konzernzentrale in New York dapd

Pfizer-Konzernzentrale in New York

LondonDer amerikanische Pharmariese Pfizer räumt einer Abspaltung seiner Tiermedizin-Sparte größere Chancen ein als einem Verkauf. Eine endgültige Entscheidung hat der weltgrößte Arzneimittelhersteller noch nicht getroffen. Konzernchef Ian Read zufolge ist eine steuerfreie Abspaltung des Geschäfts für die Aktionäre attraktiv, wie der Manager am Montag der Nachrichtenagentur Reuters sagte. „Ein Spin-Off der Tiergesundheit hat wahrscheinlich größere Chancen als ein Verkauf“, sagte der Manager, der seit Dezember 2010 den Konzern leitet.

Read fokussiert Pfizer gegenwärtig auf Kerngeschäfte, der Konzern soll schlagkräftiger werden. Neben der Tiermedizin hat Read auch die Trennung vom Geschäftsfeld Babynahrung eingeleitet. Experten erwarten, das Pfizer die Sparte für rund zehn Milliarden Dollar verkaufen wird. In der vergangenen Woche wurden Interessenten aufgefordert, Offerten einzureichen. Der Schweizer Lebensmittelriese Nestle und ein Bündnis zwischen den Unternehmen Danone und Mead Jonson Nutrition gelten als die Favoriten für dieses Geschäft.

Der Prozess bei der Tiergesundheitssparte ist dagegen noch nicht so weit fortgeschritten. Falls Pfizer das Geschäft verkauft, kommt eine hohe Steuerforderung auf den Konzern zu. Außerdem müssen mögliche Käufer aus der Branche mit Kartellproblemen rechnen. Die Pfizer-Tierarzneisparte ist die Nummer eins in der Branche. „Es ist das größte Tiergesundheitsgeschäft und es würde selbstständig dastehen als einzelnes Unternehmen. Es gibt großes Interesse seitens der Investoren, ein Unternehmen wie dieses zu besitzen,“ sagte der Konzernchef.

Spekulationen über einen Verkauf wurden in der vergangenen Woche durch Medienberichte angefacht, wonach Novartis bereits an Pfizer herangetreten und auf Ablehnung gestoßen sei, während Bayer ebenfalls eine Offerte erwäge. Analysten zufolge könnte die Tiermedizin-Sparte 15 bis 20 Milliarden Dollar wert sein. Pfizer hatte die Pläne, sich von den Ernährungs- sowie Tiermedizin-Geschäften zu trennen nach einer umfassenden Strategieprüfung bekanntgegeben. Pfizer will zwischen Juli 2012 und Juli 2013 beide Schritte vollzogen haben.

In dem Interview sagte Read außerdem, er könne sich nach dem Patentverlust noch eine Zukunft für den Cholesterinsenker Lipitor als rezeptfreies Präparat vorstellen. Kurzfristig sei damit aber nicht zu rechnen, sagte Read. Pfizer diskutiert dieses Thema aktuell mit der US-Gesundheitsbehörde FDA. „Wir würden es gerne frei über die Ladentheke verkaufen“, sagte Read. Das zuletzt umsatzstärkste Medikament weltweit verlor im November den Patentschutz in den USA - Pfizer muss daher schon bald Milliarden an Umsatzeinbußen im Jahr verkraften.

Zukäufe zur Ergänzung bestehender Geschäfte hat der Arzneimittelriese weiter auf dem Radar. Darunter könnten auch Transaktionen sein, die um ein Vielfaches teurer sein könnten als die 3,6 Milliarden Dollar schwere Übernahme von King Pharmaceuticals im Jahr 2010. Die Notwendigkeit für einen weiteren Megazukauf in der Größenordnung der 67 Milliarden Dollar schweren Übernahme von Wyeth sehe er aber nicht.

Von

rtr

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