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20.06.2011

18:57 Uhr

Pfleiderer-Rettung

Gläubiger verzichten auf Forderungen

Deutschlands derzeit größter Restrukturierungsfall ist einen großen Schritt voran gekommen: Beim Gläubigertreffen des hochverschuldeten Holzverarbeiters Pfleiderer haben weitere Gläubiger auf Forderungen verzichtet.

Die Zentrale des hochverschuldeten Holzverarbeiters Pfleiderer in München. Quelle: dpa

Die Zentrale des hochverschuldeten Holzverarbeiters Pfleiderer in München.

München Der Holzverarbeiter Pfleiderer hat bei seiner angedachten Sanierung eine wichtige Hürde genommen. Die Gläubiger der 275 Millionen Euro schweren Hybrid-Anleihe stimmten am Montag überraschend deutlich für das Rettungskonzept des Vorstands, wie das bayerische Unternehmen mitteilte. Eine Pleite, die ansonsten gedroht hätte, ist damit vorerst abgewendet.

Die Hybrid-Investoren nehmen schmerzhafte Verluste in Kauf: Sie verzichten auf alle Forderungen aus der Anleihe, die 2007 an den Markt gebracht wurde. Im Gegenzug bekommen sie zusammen vier Prozent der Aktien von Pfleiderer - an einer Firma, die momentan kaum etwas wert ist und deren Verluste ihr über den Kopf wachsen.

Der Ausgang des Votums galt bis zuletzt als unsicher. Vor allem Anlegeranwälte hatten lautstark kritisiert, dass die Gläubiger der Hybrid-Anleihe übermäßig belastet werden. Es war eine Zustimmungsquote von 75 Prozent erforderlich. Zudem mussten mindestens 50 Prozent des Hybrid-Kapitals bei der Gläubigerversammlung vertreten sein, was mit 50,6 Prozent gerade so erreicht wurde.

Pfleiderer ist unter anderem durch eine riskante Expansion in die Schieflage geraten. Im Rahmen des vorliegenden Konzepts soll der Konzern um mehr als 700 Millionen Euro entschuldet werden - bei einer Gesamtverschuldung von etwa 1,3 Milliarden. Neue Gelder kommen primär von Banken und Hedgefonds, die daher die Macht übernehmen und künftig mindestens 80 Prozent der Stimmrechte kontrollieren. Sie verzichten zudem auf 40 Prozent ihrer Forderungen.

Als nächstes stimmen nun die Aktionäre am 21. Juli auf einer außerordentlichen Hauptversammlung über das Konzept ab. Sie rutschen durch die anstehenden Kapitalmaßnahmen alle zusammen zunächst auf unter ein Prozent des Grundkapitals, können durch neue Investitionen später aber auf bis zu 16 Prozent aufstocken.

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