Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.01.2009

12:34 Uhr

Pharma-Branche

Megadeal sichert Pfizers Dominanz

VonMaike Telgheder

Zum dritten Mal innerhalb von zehn Jahren setzt der weltgrößte Pharmakonzern Pfizer an, seine Marktposition durch eine Übernahme zu festigen. Rund 68 Mrd. Dollar bietet der Branchenriese für die Übernahme des halb so großen Konkurrenten Wyeth.

Pfizer kauft mit der Übernahme von Wyeth sieben Blockbuster ein - Medikamente mit einem Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde Dollar. Foto: dpa dpa

Pfizer kauft mit der Übernahme von Wyeth sieben Blockbuster ein - Medikamente mit einem Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde Dollar. Foto: dpa

FRANKFURT. Zum dritten Mal innerhalb von zehn Jahren setzt der weltgrößte Pharmakonzern Pfizer an, seine Marktposition durch eine Übernahme zu festigen. Rund 68 Mrd. Dollar bietet der Branchenriese für die Übernahme des halb so großen Konkurrenten Wyeth und kauft sich damit sieben Blockbuster ein - Medikamente mit einem Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde Dollar.

Pfizer baut durch die Übernahme seine Führungsposition in der Branche aus: Das neue Unternehmen lässt mit einem Umsatz von 70 Mrd. Dollar den Verfolger Glaxo-Smithkline um mehr als 20 Mrd. Dollar Umsatz hinter sich. Pfizer-Chef Jeff Kindler, der auch den neuen Konzern führen soll, wertete die Kombination von Pfizer und Wyeth als "eine kraftvolle Möglichkeit, die Industrie zu verändern". Auf die Beschäftigten beider Unternehmen kommen allerdings harte Zeiten zu: 15 Prozent, also knapp 20 000 der zusammen etwa 130 000 Arbeitsplätze beider Konzerne, sollen im Zuge der Fusion gestrichen werden. Das neue Unternehmen wird verschreibungspflichtige wie auch frei verkäufliche Medikamente anbieten sowie eine führende Rolle im Geschäft mit Tiermedizin spielen. Pfizer verkauft Produkte wie den Cholesterinsenker Lipitor, das Blutdruckmittel Norvasc und das Potenzmittel Viagra. Zu Wyeths großen Produkten gehören das Antidepressivum Effexor; der Impfstoff Prevnar und das Arthritismittel Enbrel.

Im Jahr 2000 bereits hatte sich Pfizer mit dem 88 Mrd. Dollar schweren Kauf von Warner Lambert den Zugriff auf das weltweit meistverkaufte Medikament Lipitor gesichert. 2003 erwarb der Pharmakonzern durch die 60 Mrd. Dollar schwere Übernahme des Konkurrenzen Pharmacia das Schmerzmittel Celebrex. Pfizer selbst hat nach Meinung verschiedener Branchenexperten zu wenig vielversprechende Medikamente in der Pipeline.

Im vergangene Jahr hat der Konzern durch billige Nachahmerprodukte etwas Umsatz eingebüßt. Insgesamt setzte das New Yorker Unternehmen 48,3 Mrd. Dollar um und erzielte ein Nettoeinkommen von 8,1 Mrd. Dollar. Die große Herausforderung steht dem Konzern noch bevor: 2011, wenn der Patentschutz für Lipitor ausläuft, könnte Pfizer rund ein Viertel seines Umsatzes an billige Generikakonkurrenz zu verlieren. Eine solche Abhängigkeit soll es mit Wyeth nicht mehr geben: 2012 will der fusionierte Konzern kein Medikament mehr im Angebot haben, dass für mehr als zehn Prozent des Umsatzes steht.

Der Kauf von Wyeth durch Pfizer ist die erste Mega-Übernahme in der Pharmabranche seit langem. In den vergangenen Monaten und Jahren hatten vor allem kleine und mittelgroße Übernahmen im einstelligen Milliarden-Bereich das Bild bestimmt. Lediglich Roche war im Juli in hohe zweistellige Milliarden-Dimensionen vorgestoßen, als die Schweizer bekannt gaben, knapp 44 Mrd. Dollar für die noch ausstehende Beteiligung an dem US-Biotech-Unternehmen Genentech ausgeben zu wollen. Ob dieser Mega-Übernahme jetzt weitere Groß- Akquisitionen folgen werden, darüber gehen die Meinungen von Branchenbeobachtern auseinander. Standard & Poor?s Analyst Olaf Tölke erwartet durchaus mehr Übernahmen in der Pharmabranche, auch weil die Krise günstige Zukaufsmöglichkeiten eröffne. Allerdings sieht er eher strategische Zukäufe kleinerer und mittlerer Größenordnung auf der Tagesordnung.

Pfizer zahlt für Wyeth 50,19 Dollar pro Aktie, davon 33 Dollar in bar, der Rest in Pfizer-Aktien. Wyeth hat nach den gestern veröffentlichen Zahlen 2008 rund 22,8 Mrd. Dollar Umsatz und einen Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 6,37 Mrd. Dollar erzielt. Das Angebot bewerte Wyeth mit etwa dem dreifachen des Umsatzes und knapp elffachen des Gewinns vor Zinsen und Steuern. Im Vergleich zu den Übernahmen des vergangenen Jahres zahlt Pfizer damit deutlich weniger als beispielsweise Roche für Genentech: Die Schweizer hatten das 21-fache des Ebit geboten.

Im frühen Handel an der Wall Street stieg der Kurs der Wyeth-Aktie um 1,7 Prozent auf 44,49 Dollar. Pfizer-Papiere brachen dagegen mehr als sieben Prozent auf 16,20 Dollar ein. Der Konzern, der zuletzt mehr als 25 Mrd. Dollar cash hatte, hat von einem Bankenkonsortium Zusagen über Kredite in Höhe von 22,5 Mrd. Dollar bekommen.

Welche Folgen der Zusammenschluss für die Beschäftigten der Pharmakonzerne in Deutschland hat, ist noch nicht klar. Pfizer, deren Unternehmenzentrale im vergangenen Jahr von Karlsruhe nach Berlin verlagert wurde, ist in Deutschland an fünf Standorten vertreten. Das Werk im Industriepark Frankfurt-Höchst soll bis Mitte 2009 geschlossen werden, wie der Konzern im vergangenen Jahr bereits bekannt gab. In Frankfurt-Höchst wurde das inhalierbare Insulin Exubera hergestellt, das Pfizer mangels Akzeptanz im vergangenen Jahr vom Markt genommen hatte. Pfizer setzte in Deutschland mit rund 4 500 Mitarbeitern zuletzt etwa 1,6 Mrd. Euro um.

Wyeth konzentriert sich in Deutschland vor allem auf die Bereiche Medizin, Marketing und Vertrieb. Die Wyeth Pharma GmbH, Teil des Geschäftsbereiches verschreibungspflichtige Produkte des US-Unternehmens, ist im westfälischen Münster ansässig. Rund 800 Mitarbeiter arbeiten im Innen- und Außendienst. Die europäische Produktion von Wyeth findet überwiegend in Irland statt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×