Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.01.2007

07:56 Uhr

Pharma-Branche

Merck sucht Käufer für Generika

VonS. Hofmann

Der Pharma- und Chemiekonzern Merck KGaA prüft einen Rückzug aus dem Geschäft mit patentfreien Nachahmer-Medikamenten (Generika). Wie das Handelsblatt exklusiv aus Unternehmens- und Branchenkreisen erfuhr, hat der Gesellschafterrat von Merck bereits grünes Licht für die Suche nach einem Käufer gegeben. Ein Sprecher von Merck wollte am Mittwoch die Informationen nicht kommentieren.

Ein Blick in die Produktion von Merck in Darmstadt. Einen Teil des Geschäfts will der Pharmakonzern abstoßen. Foto: Merck

Ein Blick in die Produktion von Merck in Darmstadt. Einen Teil des Geschäfts will der Pharmakonzern abstoßen. Foto: Merck

FRANKFURT. Mit einem Verkauf der Generika-Sparte, die zuletzt knapp 1,8 Mrd. Euro Umsatz erzielte, würde sich der Darmstädter Konzern im Pharmageschäft auf innovative Originalmedikamente konzentrieren. Zudem könnte das Unternehmen seine Verschuldung abbauen, die durch die im September angekündigte Übernahme des Biotech-Konzerns Serono vorübergehend auf etwa neun Mrd. Euro steigen wird.

Legt man die Bewertungen bei anderen Generika-Transaktionen zu Grunde, kann Merck mit einem Verkaufserlös von gut vier Mrd. Euro rechnen. Bei den jüngsten Übernahmen wurde nach Daten von Morgan Stanley zuletzt im Schnitt immerhin rund das Dreifache des Umsatzes und mehr als das Zwölffache des Gewinns vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) für Generikafirmen gezahlt. Zu den wichtigen Transaktionen gehörten unter anderem die Übernahme der kroatischen Pliva durch den US-Konzern Barr, der Kauf von Ivax durch den Marktführer Teva und die Übernahme von Hexal durch den Branchenzweiten Novartis (Sandoz). Merck galt in dem Geschäft bisher als Nummer drei, wurde jüngst aber von der US-Firma Watson überrundet, die den Konkurrenten Andrx schluckte.

Als mögliche Interessenten für die Merck-Sparte gelten vor allem Finanzinvestoren, die derzeit mit umfangreichen Mitteln ausgestattet sind und zuletzt verstärkt Interesse an Pharmaaktivitäten zeigten. So haben zum Beispiel mehrere Private-Equity-Fonds jüngst die Übernahme der Altana-Pharmasparte durch die dänische Firma Nycomed finanziert.

Auch die Marktführer Teva und Sandoz dürften an Zukäufen interessiert bleiben. Allerdings könnten sich nach Einschätzung von Branchenkennern für sie bei einem Kauf der Merck-Sparte kartellrechtliche Probleme ergeben.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×