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30.05.2012

15:52 Uhr

Pharma-Fusionen

Stada will sich nicht abdrängen lassen

Die Milliardenübernahmen der Konkurrenz setzen den Arzneimittelsteller unter Zugzwang. Um nicht unterzugehen, will auch Stada Zukäufe in Angriff nehmen. Im Visier: Schwellenländer und Markenprodukte.

Das Sparprogramm bei Stada kommt gut voran. dpa

Das Sparprogramm bei Stada kommt gut voran.

FrankfurtStada will sich von der Fusionswelle in der Pharma-Branche nicht an den Rand drängen lassen. "Angesichts dessen wollen und müssen auch wir unser organisches Wachstum durch Zukäufe ergänzen", sagte der Chef des Arzneimittelherstellers, Hartmut Retzlaff, am Mittwoch auf der Hauptversammlung in Frankfurt. Unter den Produzenten hatten zuletzt mehrere Milliardenübernahmen für Aufsehen gesorgt. So kündigte der Schweizer Pharmariese Novartis Anfang Mai an, für 1,5 Milliarden Dollar das US-Unternehmen Fougera Pharmaceuticals zu kaufen. Kurz zuvor hatte der US-Generikaspezialist Watson die 5,6 Milliarden Dollar teure Übernahme des Schweizer Wettbewerbers Actavis auf den Weg gebracht.

Mit den Zukäufen versuchen die Hersteller Größenvorteile zu gewinnen. Denn auch die Produzenten von nachgeahmten Medikamenten (Generika) bekommen die Sparmaßnahmen in den Gesundheitssystemen immer stärker zu spüren. International breit aufgestelle Konzerne, die ausreichend Produktionsstätten in Niedriglohnländern besitzen und über eine starke Einkaufsmacht verfügen, können dies besser verkraften als kleinere Wettbewerber.

Retzlaff zufolge will Stada seine Geschäfte in den wachstumsstarken Schwellenländern auch mittels Akquisitionen vorantreiben. Dazu zähle Russland, wo Stada weiter "gezielte Zukäufe" ins Auge fasse. Stada war 2004 in den russischen Markt eingestiegen und hatte dort 2005 die russische Firma Nizhpharm übernommen und 2007 die Pharmagruppe Makiz erworben. Zuletzt waren dort Kreisen zufolge aber zwei Akquisitionen gescheitert. Russland ist inzwischen gemessen am Umsatz der zweitwichtigste nationale Markt für Stada. Darüber hinaus will das durch Präparate wie Grippostad und Ladival-Sonnencreme bekannte Unternehmen sein Geschäft mit Markenprodukten auch durch Akquisitionen erweitern.

Mit seinem Sparprogramm kommt das Unternehmen aus Bad Vilbel bei Frankfurt schneller voran als ursprünglich erwartet. Den für den Zeitraum 2010 bis 2013 geplanten Personalabbau von rund 800 Stellen werde der Konzern bereits dieses Jahr und damit ein Jahr früher als ursprünglich angekündigt erreichen, sagte Retzlaff. Dies gelte, "sofern die Werksverkäufe in Russland zu einem Abschluss kommen." Stada plant den Verkauf von zwei russischen Produktionsstätten. Der überwiegende Teil des Stellenabbaus soll im Ausland erfolgen.

Mit seinen Sparmaßnahmen will Retzlaff 2014 bei einem Umsatz von 2,15 Milliarden Euro den Jahresgewinn auf 215 (2010: 68,4) Millionen Euro steigern. Im ersten Quartal hatten die Kosten des Sparprogramms den Gewinn von Deutschlands größtem unabhängigen Generikahersteller sinken lassen. Er brach um 35 Prozent auf 19,4 Millionen Euro ein.

Stada baut aktuell sein gesamtes Produktionsnetz um. Der Konzern will seine Arzneimittelfertigung stärker konzentrieren auf ausgewählte Standorte, vor allem in Serbien, Bosnien-Herzegowina, Russland und Vietnam, um von den dort niedrigeren Kosten zu profitieren. Zudem zieht Stada Produktion, die das Unternehmen bislang an Auftragshersteller vergeben hatte, stärker in eigene Werke. Im Auftaktquartal dieses Jahres hatte Stada ein großes Werk in Irland an eine Beteiligungsfirma aus München verkauft.

Von

rtr

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