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03.01.2007

08:45 Uhr

Pharma-Konzern Sanofi-Aventis

Risse im Patent-Bollwerk

VonSiegfried Hofmann

Kurz vor Jahresende hat der Pharmakonzern Sanofi-Aventis einen weiteren Teilerfolg bei der Verteidigung seines ertragsstärksten Einzelprodukts, des Blutverdünners Plavix, errungen. Ein Gericht in Kanada hat es dem Konkurrenten Apotex untersagt, Plavix-Generika in Kanada zu verkaufen. Nun blickt die gesamte Branche gebannt auf das entscheidende Verfahren in den USA.

FRANKFURT. Per einstweiliger Verfügung hatte Sanofi-Avenstis schon den Vertrieb von Plavix-Generikaversionen in den USA stoppen können. Das entscheidende Verfahren um das Patent für Plavix wird jedoch erst in den nächsten Wochen in New York anlaufen. Das Urteil in diesem Verfahren, das Branchenkenner zur Jahresmitte erwarten, dürfte über Plavix hinaus Hinweise darüber geben, wie robust eine ganze Reihe von Pharmapatenten in ähnlich gelagerten Fällen wirklich sind.

Der von Sanofi entwickelte Wirkstoff Plavix ist mit einem Jahresumsatz von 5,6 Mrd. Dollar (2005) bisher die zweitwichtigste Substanz der Pharmabranche. Sie trägt etwa sieben Prozent zum Umsatz von Sanofi-Aventis und rund ein Fünftel zum Geschäft des amerikanischen Vertriebspartners Bristol-Myers Squibb (BMS) bei. Welche Folgen ein Ausfall des US-Patents hätte, konnten die beiden Konzerne bereits in den vergangenen Monaten erleben, nachdem die kanadische Apotex den US-Markt vorübergehend mit preiswerten Plavix-Kopien überschwemmte. Das führte sowohl bei Sanofi als auch BMS zu deutlichen Einbußen und zwang beide Firmen zu einer Revision ihrer Gewinnprognosen für 2006.

Die jüngsten Urteile haben mit dem Hauptverfahren über das Plavix-Patent wenig zu tun. Etliche Analysten interpretieren sie dennoch als positives Zeichen für die Chancen von Sanofi-Aventis, das Substanz-Patent für Plavix in den USA zu verteidigen. „Wir glauben, dass Sanofi in dem Verfahren die Oberhand behalten wird und damit einige Unsicherheit beseitigen kann“, schreiben die Experten der US-Investmentbank JP Morgan. Plavix wäre dann in den USA bis 2011 geschützt. In Europa laufen die Patente zum Teil bis 2019.

Die Patent-Auseinandersetzung ist von erheblicher Bedeutung für die Pharmabranche. Es geht dabei um so genannte chirale Substanzen, die im Pharmabereich relativ große Bedeutung haben. Diese unterscheiden sich nicht in ihrer Zusammensetzung, sondern nur in der Anordnung ihrer Atome. Die Molekülvarianten (Isomere) sind sich so ähnlich wie die linke und rechte Hand eines Menschen. Häufig wurden Pharmawirkstoffe zunächst nur auf Basis ihrer Zusammensetzung patentiert – im Grunde also als eine Art Molekülmischung. Vielfach sind diese Patente bereits abgelaufen. Erst später haben die Unternehmen gesonderte Patente mit längerer Laufzeit auf einzelne Molekül-Varianten nachgereicht. Pharmafirmen können bei der erneuten Patentanmeldung ins Feld führen, dass meist nur einzelne Isomere und nicht alle Varianten der Substanzen für die Wirkung verantwortlich sind.

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