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14.07.2014

14:18 Uhr

Pharmabranche

AbbVie will Shire für 39 Milliarden Euro übernehmen

Die Pharmabranche steht vor der nächsten Milliardenübernahme: Der US-Pharmakonzern AbbVie verbessert sein Angebot für den irischen Arzneimittelhersteller Shire – dessen Führung scheint für den Deal bereit zu sein.

Tabletten des Herstellers Shire: Der in Irland ansässige Konzern gibt den Widerstand gegen seine Übernahme auf. Reuters

Tabletten des Herstellers Shire: Der in Irland ansässige Konzern gibt den Widerstand gegen seine Übernahme auf.

LondonIn der Pharmabranche bahnt sich nach zähem Ringen die nächste transatlantische Milliardenübernahme an. Der in Irland ansässige Arzneimittelhersteller Shire gab am Montag den Widerstand gegen seine Übernahme durch den US-Pharmarivalen AbbVie auf. Damit dürfte es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis der Konzern aus Chicago den mittlerweile 31 Milliarden Pfund (39 Milliarden Euro) schweren Zukauf in trockene Tücher bringen kann. AbbVie-Chef Richard Gonzalez will mit Shire nicht nur das Medikamenten-Angebot ausbauen. Geplant ist auch den Steuersitz nach Großbritannien zu verlegen, wo die Unternehmenssteuern deutlich niedriger sind als in den USA.

AbbVie hatte am Sonntag ein verbessertes Angebot vorgelegt und damit die Shire-Führungsspitze für sich gewonnen. Konkret bietet AbbVie nun 53,20 Pfund je Shire-Aktie. Bisher waren es 51,15 Pfund. Gezahlt werden soll in bar und neuen AbbVie-Aktien. Damit würden Shire-Anteilseigner künftig ein Viertel des fusionierten Konzerns halten. Die Führung von Shire sei bereit, den Aktionären das neue Angebot zu empfehlen, und sei in Gesprächen mit AbbVie über die Bedingungen. Die Shire-Aktie zog an der Börse 2,4 Prozent auf 49,91 Pfund an.

Die größten Pharmakonzerne nach Jahresumsatz

Platz 10

Teva (Israel)
20,3 Milliarden Dollar

Veränderung zum Vorjahr: +/- 0 %

Pharma-Umsätze im Jahr 2013, Quelle: Unternehmen

Platz 9

Eli Lilly (USA)
21,0 Milliarden Dollar

Veränderung zum Vorjahr: +1,9 %

Platz 8

Astra-Zeneca (Großbritannien)
25,7 Milliarden Dollar

Veränderung zum Vorjahr: -8,1 %

Platz 7

Johnson & Johnson (USA)
28,1 Milliarden Dollar

Veränderung zum Vorjahr: +10,9 %

Platz 6

Glaxo Smith Kline (Großbritannien)
33,5 Milliarden Dollar

Veränderung zum Vorjahr: -1,3 %

Platz 5

Sanofi (Frankreich)
37,1 Milliarden Dollar

Veränderung zum Vorjahr: -2,9 %

Platz 4

Merck (USA)
37,4 Milliarden Dollar

Veränderung zum Vorjahr: -7,8 %

Platz 3

Roche (Schweiz)
39,0 Milliarden Dollar

Veränderung zum Vorjahr: +3,9 %

Platz 2

Novartis (Schweiz)
47,5 Milliarden Dollar

Veränderung zum Vorjahr: +1,6 %

Platz 1

Pfizer (USA)
47,9 Milliarden Dollar

Veränderung zum Vorjahr: -6,5 %

Shire ist auf Arzneien gegen seltene Krankheiten spezialisiert. Zu den wichtigsten Präparaten gehört das Medikament Vyvanse gegen das Zappelphilipp-Syndrom. AbbVie erzielt aktuell rund 60 Prozent des Umsatzes mit dem Arthritis-Präparat Humira. Der Kassenschlager verliert aber Ende 2016 den Patentschutz. Mit den Präparaten von Shire könnte AbbVie den dann einsetzenden Umsatzeinbruch abfedern. Zudem dürfte die Steuerlast im Konzern sinken, wenn der Firmensitz künftig in Großbritannnien liegt. Denn dort liegt der Steuersatz für Unternehmen bei 21 Prozent, in den USA bei rund 35 Prozent.

Shire wurde 1986 in Großbritannien gegründet, hat aber den Firmensitz inzwischen im irischen Dublin. 2013 kam der Konzern auf 4,76 Milliarden Dollar Umsatz, wovon der größte Teil in den USA erwirtschaftet wurde. Großbritannien spielt nur noch eine untergeordnete Rolle. Deshalb schlug der Übernahmevorstoß von AbbVie auch nicht die politischen Wellen wie der inzwischen gescheiterte Versuch von Pfizer, den britisch-schwedischen Pharmakonkurrenten AstraZeneca zu erwerben.

Durch die Pharmabranche rollt derzeit eine Übernahmewelle. Am Sonntag erfuhr Reuters, dass der US-Generikahersteller Mylan davor steht, eine Reihe von europäischen Arzneimittel-Geschäften des US-Konzerns Abbott zu schlucken. Auch deutsche Branchengrößen mischen mit: So ist Bayer dabei, für 10,4 Milliarden Euro die Sparte mit rezeptfreien Arzneien des US-Konzerns Merck & Co zu übernehmen. Bayer will den Zukauf bis Jahresende trockene Tücher bringen.

Von

rtr

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