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04.04.2006

16:00 Uhr

Pharmabranche

Boehringer behauptet sich als deutsche Nr. 1

Boehringer Ingelheim hat im vergangenen Jahr dank eines starken US-Geschäftes und speziell hoher Nachfrage nach seinem Atemwegsmittel Spiriva glänzend verdient. Das hochprofitable Unternehmen hat angekündigt, auch 2006 schneller als die Konkurrenz wachsen zu wollen, will sich trotz prall gefüllter Kasse aber nicht vom aktuellen Fusionsfieber in der Branche anstecken lassen. Doch die neue Allianz aus Bayer und Schering bedrängt den deutschen Marktführer.

Produktion bei Boehringer im Werk Biberach. Foto: AP

Produktion bei Boehringer im Werk Biberach. Foto: AP

HB INGELHEIM. "Als ein unabhängiges Familienunternehmen betrachten wir diese Marktentwicklung mit Interesse, aber auch mit der entsprechenden Distanz", sagte Konzernchef Alessandro Banchi am Dienstag auf der Jahrespressekonferenz in Ingelheim mit Blick auf die geplante Megaübernahme von Schering durch Bayer. Der Konzern, der im vergangenen Jahr einen deutlichen Gewinnsprung verzeichnete, könne sich auf sein eigenes Wachstum stützen und die eigene, langfristig angelegte Geschäftsstrategie verfolgen. "Unabhängigkeit war schon immer eines unser obersten Ziele", betonte Finanzvorstand Marbod Muff. "Unser Wachstum wurde immer aus eigener Kraft finanziert und dies ist auch weiterhin unser Konzept."

Die Übernahme größerer Wettbewerber wie Altana schloss der weltweit größte vollständig im Familienbesitz befindliche Arzneimittelhersteller aus. "Wir brauchen die Umsätze nicht, das ist nicht unsere Strategie, diese Größenordnung zu kaufen", sagte Banchi auf die Frage, ob Boehringer Interesse an Altana habe. Sein Unternehmen habe zu keiner Zeit Gespräche mit potenziellen Übernahmekandidaten wie Altana, Schering und Serono geführt und habe dies auch nicht vor. Boehringer sei aber an dem Kauf von Erfolg versprechenden Medikamentenkandidaten interessiert. "Pipeline ist unsere Strategie, nicht Umsätze."

Altana prüft derzeit für seinen Pharmabereich alle strategischen Möglichkeiten, darunter auch einen Verkauf des Geschäfts. Für mögliche Zukäufe hat Boehringer seine Kasse allemal gut gefüllt: zum Ende des vergangenen Jahres verfügte das Unternehmen über liquide Mittel von 4,6 Mrd. Euro.

Für das laufende Jahr zeigte sich der Vorstand optimistisch. Im ersten Quartal sei der Umsatz um 17 Prozent gestiegen, für das Gesamtjahr strebe Boehringer ein Umsatzwachstum von mehr als zehn Prozent an. Wegen befürchteter Konkurrenz durch Nachahmermedikamente für seinen Blockbuster Mobic zur Behandlung von Gelenkerkrankungen in den USA werde das Wachstum aber nicht so stark wie 2005 ausfallen, als der Konzernumsatz um 17 Prozent auf 9,5 Mrd. Euro geklettert war. "Das Wachstum wird aber noch deutlich besser als der Durchschnittsmarkt sein", sagte Banchi. Der Weltpharmamarkt war nach Angaben des Datenanbieters IMS im vergangenen Jahr nur um sieben Prozent gewachsen.

2005 profitierte Boehringer unter anderem von einem starken US-Geschäft und hoher Nachfrage nach seinem Atemwegsmittel Spiriva, das mit einem Umsatzplus von 80 Prozent auf 1,2 Mrd. Dollar erstmals Blockbuster-Status erreichte. Der Betriebsgewinn kletterte um 40 Prozent auf gut 1,9 Mrd. Euro, der Nachsteuergewinn um knapp 70 Prozent auf 1,5 Mrd. Euro. Die operative Rendite lag bei rund 20 Prozent. Mit knapp 1,4 Mrd. Euro investierte das Unternehmen zehn Prozent mehr in Forschung und Entwicklung.

Boehringer sei nicht nur beim Umsatzwachstum, sondern auch bei den Ergebnissen in der internationalen Spitzengruppe der Pharmaunternehmen angekommen, sagte Banchi. Der Zusammenschluss von Bayer und Schering bringe zwar den größten deutschen Pharmakonzern hervor, allerdings nur mit relativ geringem Abstand zu Boehringer. 2005 beschäftigte Boehringer weltweit rund 37 400 Mitarbeiter, rund fünf Prozent mehr als im Vorjahr.

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