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05.01.2009

14:32 Uhr

Pharmabranche

Daiichi zahlt Lehrgeld für Ranbaxy

VonFinn Mayer-Kuckuk

Es ist ein schwerer Rückschlag für den japanischen Pharmakonzern Daiichi Sankyo: Das Unternehmen hatte den Generikahersteller Ranbaxy gekauft und muss dafür nun Buchverluste in Milliardenhöhe vornehmen.

TOKIO. Daiichi Sankyo muss vermutlich knapp 2,8 Mrd. Euro (354 Mrd. Yen) an Buchverlusten für den Ankauf des indischen Generikaherstellers Ranbaxy verkraften. Das Unternehmen prüfe noch, welche Auswirkungen der Verlust auf das Jahresergebnis haben werde, teilte Daiichi Sankyo gestern in einer Pflichtmitteilung an der Börse Tokio mit. In den sechs Monaten seit Kauf des indischen Marktführers im Juni 2008 ist der Wert der Ranbaxy-Aktien um 66 Prozent gesunken. Daiichi Sankyo droht damit für das laufende Geschäftsjahr (bis Ende März) der erste Nettoverlust in der Firmengeschichte.

Den Preis hatten die beiden Unternehmen vor Ausbruch der weltweiten Turbulenzen mit 737 Rupien pro Aktie ausgemacht. Daiichi Sankyo war dann im Herbst verpflichtet, trotz Finanzkrise den vollen Kaufpreis von rund drei Mrd. Euro für 64 Prozent der Anteilsscheine zu zahlen. "Doch selbst wenn wir wegen des Ranbaxy-Engagements einen Nettoverlust erleiden, ist es nicht so, als ob wir wirklich Geld verlieren. Wir haben über 300 Mrd. Yen an Cash-Reserven", versuchte Daiichi-Präsident Takashi Shoda in einem Interview an Weihnachten vorbeugend zu beschwichtigen.

Obwohl Wirtschaftsmedien den Buchverlust noch während der Handelszeit meldeten, schlossen die Aktien von Daiichi Sankyo unverändert. Zu viele schlechte Nachrichten vom Indien-Abenteuer des etablierten japanischen Pharmaherstellers hatten den Kurs in den vergangenen Monaten bereits gedrückt. Ursprünglich erschien die Akquisition als aussichtsreiche Idee, kam sie doch passend zu einer Deregulierung des japanischen Arzneimittelmarktes, die ein Milliardengeschäft mit Generika verspricht.

Doch den Japanern fällt es schwer, sich an die Produkte ohne bekannten Markennamen zu gewöhnen. Markenanbieter berichten, dass Originalprodukte sich trotz der neuen Konkurrenz unverändert gut verkaufen. Anscheinend misstrauen Patienten der ungewohnten Namen auf der Packung noch, und die Ärzte folgen ihren Wünschen. Apotheken hatten im Sommer auffällig für Generika geworben, die Reklamebanner sind jedoch wieder verschwunden.

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