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08.04.2013

14:35 Uhr

Pharmafirma Merz

Aufgabe im Bieterkampf um US-Unternehmen

Die Frankfurter Pharma-Firma Merz hat im Bieterkampf um den US-Hautpflegespezialisten Obagi das Handtuch geworfen. Im Wettstreit mit dem kanadischen Konkurrenten sei der Preis wirtschaftlich nicht mehr angemessen gewesen.

Merz gibt im Bieterkampf der Pharma-Unternehmen auf. dpa

Merz gibt im Bieterkampf der Pharma-Unternehmen auf.

FrankfurtDer Frankfurter Pharmakonzern Merz gibt sich im Bieterkampf mit dem kanadischen Konkurrenten Valeant Pharmaceuticals um den US-Hautpflegespezialisten Obagi geschlagen. Merz ziehe seine Offerte für Obagi im Wert von 22 Dollar je Aktie in bar zurück, teilte das Familienunternehmen am Montag in Frankfurt mit. Der Bieterrivale Valeant hatte unlängst die Merz-Offerte im Volumen von 384 Millionen Dollar übertrumpft. Valeant bietet inzwischen rund 418 Millionen Dollar oder 24 Dollar je Aktie für den Hersteller von verschreibungspflichtigen Mitteln gegen Haut-Alterung.

Pharmabranche an der Patentklippe

Wichtige Patente laufen aus

Die Pharmabranche steht vor schwierigen Zeiten: Nach Einschätzung des Beratungsunternehmens Accenture werden bis zum Jahr 2015 rund 50 Blockbuster ihren Patentschutz verlieren – das sind Arzneien, die für mindestens eine Milliarde Dollar Umsatz im Jahr sorgen. Die Originalprodukte verlieren nach Patentablauf in der Regel massiv Marktanteile an die deutlich preisgünstigeren Nachahmer-Produkte der Generikahersteller.

Cholesterinsenker und Blutverdünner

Betroffen sind die Medikamente etlicher Pharmakonzerne. Etwa der Cholesterinsenker Lipitor, mit dem Pfizer einst mehr als 12 Milliarden Dollar Umsatz pro Jahr machte. Oder der Blutverdünner Plavix, der Sanofi und Bristol-Myers Squibb 2011 mehr als neun Milliarden Dollar in die Kassen spülte. Auch das Asthma-Mittel Singulair von Merck verliert seinen Schutz.

Generikahersteller profitieren

Von Ablauf der Patente profitieren die Hersteller von Generika: Sie dürfen die Arzneien kopieren und zu günstigen Preisen verkaufen. Das dämpft die Kosten – auch die Patienten profitieren davon.

Probleme mit dem Nachschub

Der Pharma-Industrie fällt es immer schwere, neue Blockbuster-Medikamente zu entwickeln. Das hat mit den strikteren Zulassungsbedingungen und den schärferen Kontrollen der Behörden zu tun. Ein Beispiel: Der deutsche Hersteller Merck stoppte das Multiple-Sklerose-Medikament Cladribin, weil es in mehreren Ländern keine Zulassung bekam.

„Obagi hätte unser Angebotsportfolio an injizierbaren Produkten hervorragend ergänzt“, erklärte Merz-Chef Philip Burchard. „Allerdings ist Merz ein disziplinierter Käufer, eine weitere Erhöhung des Kaufpreises entspricht nicht unseren Anforderungen an die wirtschaftliche Angemessenheit einer Transaktion“, fügte er hinzu. Merz werde nun andere Zukaufsmöglichkeiten ausloten. Das Traditionsunternehmen, das für Präparate wie „Merz Spezial Dragees“ und „tetesept“-Bäder bekannt ist, setzt seit einiger Zeit verstärkt auf seine Hauptpflege- und Schönheitssparte. In den USA ist Merz bereits mit Botox-Produkten und anderen Anti-Falten-Mitteln vertreten.

Von

rtr

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