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14.10.2015

17:03 Uhr

Pharmaindustrie

Tanz der Moleküle bei Merck

VonSiegfried Hofmann

Der Pharma- und Chemiekonzern passt sein Markenlogo und seine Firmenfarben an. Mit dem neuen Auftritt grenzt sich das deutsche Traditionsunternehmen noch stärker von seinem Namenskonkurrenten in den USA ab.

Das Darmstädter Traditionsunternehmen Merck verpasst sich einen neuen Außenauftritt. dpa

Merck Darmstadt

Das Darmstädter Traditionsunternehmen Merck verpasst sich einen neuen Außenauftritt.

FrankfurtSeine Zeit im Top-Management von Merck war von den größten Veränderungen in der mehr als 300-jährigen Geschichte des Pharmakonzerns geprägt. Vier Übernahmen (Serono, Millipore, AZ Electronic Materials und zuletzt Sigma-Aldrich), die Fehlinvestition der Generika-Sparte und der große Konzernumbau hat Karl-Ludwig Kley als Chef des Darmstädter Traditionsunternehmens bewältigt. Ein halbes Jahr vor seinem Ruhestand vollendet Kley sein Lebenswerk: Er erneuert die komplette Marke Merck.

Das Ergebnis ist ein vollkommen neues Erscheinungsbild für den traditionsreichen Pharma- und Chemiehersteller. Dabei handelt es sich um die wahrscheinlich radikalste optische Veränderung im Markenauftritt in der Firmengeschichte. Merck gibt sich in Zukunft nach außen deutlich farbenfroher. Unterstützt von der britischen Markenberatung FutureBrands hat der Konzern für das Firmenlogo eigens eine neue, organisch anmutende Schrift entwickeln lassen. Zusätzlich zum Namenszug setzt Merck auf ein speziell designtes großes „M“ als „global identifier“. Das soll künftig den Mercedes-Stern des Darmstädter Konzerns repräsentieren. Anstelle der Einheitsfarbe Blau tritt eine Palette von zehn unterschiedlichen Farbtönen, die sich im Firmenlogo widerspiegeln. Das Erscheinungsbild von Schrift und Logo leitet sich von zellulären und molekularen Strukturen ab, die bei vielen Produkten eine wichtige Rolle spielen, wie es bei Merck heißt.

Die Erneuerung des Markenauftritts war aus Sicht von Firmenchef Karl-Ludwig Kley überfällig, nachdem sich der Konzern in den vergangenen Jahren so drastisch gewandelt hat. „Merck ist ein ganz anderes Unternehmen als vor zehn Jahren. Wir sind ein globaler Technologiekonzern mit einer einmaligen Kombination von Kompetenzen, Technologien und Expertise.“

In der Tat hat sich Merck durch die M&A-Aktivität stärker verändert als alle anderen deutschen Großunternehmen. Seit 2005 bewältigte der Konzern ein Volumen von 38 Milliarden Euro an Akquisitionen und Desinvestments. Der größte Zukauf ist die bereits 2014 vereinbarte und rund 13 Milliarden Euro teure Übernahme des US-Laborchemie-Anbieters Sigma-Aldrich. In wenigen Wochen dürfte sie abgeschlossen sein.

Mehr als die Hälfte von künftig etwa 14 Milliarden Euro Geschäftsvolumens wird auf Aktivitäten entfallen, die vor zehn Jahren noch nicht zum Konzern gehörten.

Gemessen an der neuen Größe und globalen Aufstellung ist Merck aus Sicht Kleys als Marke und in der Außendarstellung bislang zu unscheinbar. Die letzte Veränderung im Markenauftritt erfolgte 2001 und wurde mit einem Marketingbudget von lediglich zwei Millionen Euro finanziert. Die Marke Merck führte aus seiner Sicht bisher eine Art Undercover-Dasein: „Wir sind ein respektiertes, aber vielfach auch unsichtbares Unternehmen.“ In Zukunft soll Merck als pulsierender und auch emotionaler Technologiekonzern wahrgenommen werden.

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