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09.01.2007

08:35 Uhr

Pharmakonzern

Boehringer stärkt Alzheimerforschung

VonSiegfried Hofmann

Der Pharmakonzern Boehringer Ingelheim erweitert über eine umfangreiche Kooperation mit der belgischen Biotechfirma Ablynx seine Forschung auf dem Gebiet der Alzheimerschen Erkrankung.

FRANKFURT. Der zweitgrößte deutsche Pharmahersteller investiert 265 Mill. Dollar in die Allianz und folgt damit dem Beispiel anderer großer Pharmakonzerne, die in jüngerer Zeit ihre Investitionen in neue Forschungsprojekte aus dem Biotechsektor deutlich verstärkt haben. Boehringer hat in den vergangenen zwölf Monaten rund ein Dutzend neuer Forschungs-Kooperationen vereinbart, die Mehrzahl davon im Bereich neuartiger biologischer Wirkstoffe. Über den Deal mit Ablynx baut der Konzern nun vor allem seine Präsenz in der neurologischen Forschung aus, einem Arbeitsgebiet, das in jüngerer Zeit stark an Bedeutung für das Unternehmen gewonnen hat.

Hauptprodukt von Boehringer in diesem Bereich ist bisher das Parkinsonmittel Sifrol, das 2005 einen Umsatz von gut 450 Mill. Euro erzielte und zuletzt mit Wachstumsraten von 50 Prozent pro Jahr zulegte. Der Wirkstoff hat vor kurzem zudem eine Zulassung als Mittel gegen das so genannte Restless-Legs-Syndrom erhalten.

Die Alzheimer-Behandlung spielt im aktiven Geschäft des Konzerns bisher noch keine Rolle. Allerdings verfolge man bereits eine Reihe eigener Entwicklungsprojekte auf dem Gebiet, sagte eine Sprecherin des Unternehmens. Über die Allianz mit Ablynx sichert sich der Konzern Zugriff auf die so genannte Nanobody-Technologie. Dabei handelt sich um relativ kleine Moleküle, die von Antikörpern abgeleitet werden. Forscher hoffen, daraus Wirkstoffe zu entwickeln, die ähnlich wie Antikörper eine sehr spezifische Bindung an krankheitsrelevante Zielmoleküle ermöglichen, die aber einfacher verabreicht werden können. Anders als Antikörper müssen diese Moleküle nicht injiziert werden.

Neue marktreife Wirkstoff-Kandidaten dürften aus der Allianz mit Ablynx frühestens in einigen Jahren hervorgehen. Dessen ungeachtet wäre ein Erfolg in der Alzheimerforschung für den Ingelheimer Konzern ein weiterer wichtiger Schritt, um die Produktbasis zu verbreitern. Das rund 9,2 Mrd. Euro große Pharmageschäft von Boehringer wird stark von dem Lungenmedikament Spiriva und dem Herzmittel Micardis geprägt. Darüber hinaus vertreibt das Unternehmen unter anderem Mittel gegen Asthma, Schmerzen und Aids. Das Unternehmen setzt nicht auf ein Spezialgebiet, sondern ist daran orientiert, welche Innovationen es aus der Forschung hervorbringen kann.

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