Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.05.2012

11:14 Uhr

Pharmakonzern

Fresenius-Aktionäre sorgen sich wegen Kosten der Übernahmen

VonSusanne Schier, Maike Telgheder

Fresenius sorgt mit Übernahmen für Wachstumsfantasien - und ist zugleich hoch verschuldet. Die Anleger scheint das auf der heutigen Hauptversammlung nicht zu stören: Die Verschuldung hat der Konzern im Griff.

Fresenius-Zentrale in Bad Homburg: Komplexe Konzernstruktur. dpa

Fresenius-Zentrale in Bad Homburg: Komplexe Konzernstruktur.

FrankfurtVor zwei Wochen hat Fresenius-Chef Ulf M. Schneider für einen Paukenschlag mit großer Wirkung gesorgt: Sein Unternehmen, die Nummer eins im deutschen Klinikmarkt, will die Nummer zwei Rhön-Klinikum übernehmen und so einen mehr als sechs Milliarden Euro schweren Klinikkonzern formen. Diese Pläne dürften auch bei der morgigen Hauptversammlung der Aktionäre für viel Gesprächsstoff sorgen, wird der 3,2 Milliarden Euro schwere Deal doch die Schulden des Konzerns wieder kräftig in die Höhe treiben.

Bislang stört die Aktionäre die Verschuldung von Fresenius allerdings kaum: Das Unternehmen erhöht regelmäßig seine Dividende und die Aktie hat Konjunktur. Nach dem Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck haben die Titel von Fresenius Medical Care und dem Mutterkonzern Fresenius mit einem Plus von 21 beziehungsweise 14 Prozent die übrigen Dax-Werte im vergangenen Jahr klar abgehängt.

Fresenius Stärken und Schwächen

Stabile Gewinne, hohe Verschuldung

Vieles läuft gut bei Fresenius - zumindest auf den ersten Blick: Die Gewinne sprudeln konstant und erwartbar. Doch angesichts der vielen Zukäufe gibt es da eben auch Risiken. Ein Blick auf die Stärken und Schwächen des Konzerns.

Stärke: Zunehmende Diversifikation

Haben die Aktionäre bei Fresenius lange Zeit vor allem auf die Entwicklung der Dialysetochter Fresenius Medical Care (FMC) geschaut, so liefert Fresenius dank der Zukäufe der vergangenen Jahre inzwischen seine eigene Börsenstory. Sorgte FMC im Jahr 2004 noch für 69 Prozent der Umsätze, lag der Anteil im vergangenen Jahr nur noch bei 56 Prozent.

Stärke: Unabhängiger von FMC

Zum Konzernergebnis, das allerdings nur anteilig in Höhe der Beteiligung von Fresenius an FMC bei dem Mutterkonzern einfließt, trug FMC 2004 noch 71 Prozent bei. Aktuell sind es noch 33 Prozent. Das margenstarke Geschäft von Kabi mit intravenös zu verabreichenden Medikamenten sorgt mittlerweile für mehr als die Hälfte des Nettogewinns. Auch der Klinikkonzern Helios steuert mehr als 163 Millionen Euro bei.

Stärke: Das Klinikgeschäft

Der nur in Deutschland agierende Klinikkonzern Helios braucht Zukäufe, um Umsatz und Gewinn langfristig steigern zu können. Denn im deutschen Krankenhausmarkt sind die Kostenerstattungen gedeckelt und die Patientenzahlen nicht beliebig steigerbar.

Stärke: Helios boomt

Helios hat es geschafft, sich in den vergangenen Jahren bei der Marge vor die Wettbewerber Rhön-Klinikum Asklepios und Sana zu setzen, was allerdings nicht nur ein Verdienst des Managements ist. Helios hat auch vergleichsweise viele große Krankenhäuser im Portfolio, die medizinisch schwerere Fälle behandeln. Damit fließen dem Unternehmen tendenziell höhere Erstattungssummen zu als Anbietern, die kleine Krankenhäuser der Grundversorgung betreiben.

Stärke: Besser als die Konkurrenz

Allerdings ist Helios Vorreiter in Sachen Qualitätsberichte. Für jedes Krankenhaus wird die medizinische Leistung schon seit Jahren transparent dokumentiert. Während Helios 2011 eine Ebitda-Marge von 13,8 Prozent ausweist, erreichen die Konkurrenten Rhön-Klinikum und Sana 12,8 Prozent und 9,3 Prozent. Auch bei der Ebit-Marge liegt Helios mit 10,1 Prozent deutlich vor den anderen privaten Klinikkonzernen.

Schwäche: Mieses Rating

Zwar hat die Ratingagentur Standard and Poor's unlängst das Rating von Fresenius von BB auf BB+ angehoben, das ändert aber nichts dran, dass alle drei Agenturen dem Unternehmen eine Bonitätsbewertung im Ramschbereich geben.

Schwäche: Hohe Verschuldung

Wegen der Akquisitionen des vergangenen Jahres ist der Verschuldungsgrad des Konzerns - gemessen am Verhältnis der Finanzverbindlichkeiten zum operativen Ergebnis vor Abschreibungen (Debt to Ebitda) - von 2,6 auf 2,8 gestiegen. Die 25 Dax-Industriekonzerne kommen im Durchschnitt auf 2,2 Prozent.

Schwäche: Neue Belastungen

Geht der Kauf von Rhön-Klinikum wie geplant über die Bühne, erhöht sich der Verschuldungsgrad auf 3,0 bis 3,5. Fresenius hat aber angekündigt, die Verschuldung im nächsten Jahr wieder in den üblichen Korridor von 2,5 bis 3,0 zurückzuführen.

Schwäche: Hoher Firmenwert drückt

Vor Herausforderungen steht der Konzern aber noch an anderer Stelle: So kletterte der Geschäfts- und Firmenwert auf mittlerweile gut 12,7 Milliarden Euro oder 120 Prozent des Eigenkapitals. Firmenwerte entstehen bei Übernahmen, wenn der Kaufpreis über dem neu bewerteten Vermögen der gekauften Firma liegt. Sie stehen als Vermögenswert in der Bilanz und drücken die Zukunftserwartung des Managements aus. Erfüllen sich diese nicht, drohen Abschreibungen.

Auch im operativen Geschäft läuft es rund. Der 1912 vom Apotheker Eduard Fresenius gegründete Konzern konnte seine Umsätze in den vergangenen zehn Jahren dank milliardenschwerer Zukäufe und gutem Wachstum aus eigener Kraft auf mehr als 16,5 Milliarden Euro verdoppeln: Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) verdreifachte sich sogar auf 2,6 Milliarden Euro. Großen Anteil daran hatte die ebenfalls im Dax notierte Dialysetochter Fresenius Medical Care, aber auch die Kliniktochter Helios sowie die auf Ernährungslösungen und injizierbare Medikamente spezialisierte Sparte namens Kabi.

Fresenius: Kapitalerhöhung lässt Aktienkurs purzeln

Fresenius

Kapitalerhöhung lässt Aktienkurs purzeln

Fresenius-Aktien haben wegen einer Kapitalerhöhung an Wert verloren.

Das nächste mittelfristige Ziel hat Firmenchef Schneider längst ausgegeben: Im Jahr 2014 soll das Konzernergebnis die Marke von einer Milliarde Euro übersteigen. Fresenius ist bereits auf einem guten Weg dahin. Zuletzt lag der Nettogewinn bei 770 Millionen Euro, 17 Prozent über dem Vorjahr. Nach einem guten ersten Quartal hat Fresenius nun sogar den Ausblick für das Gesamtjahr 2012 erhöht.

Fresenius und seine Dialysetochter Fresenius Medical Care sind ein Sonderfall im Dax. Fresenius hält rund 30 Prozent an FMC, übt aber über eine Kommanditgesellschaft auf Aktien die Kontrolle über den Dialysekonzern aus. Zurück geht diese Konstellation auf die Übernahme der US-Dialysefirma National Medical Care, die Fresenius Mitte der 1990er-Jahre mit dem Börsengang der Gesellschaft unter dem Namen Fresenius Medical Care finanzierte.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×