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22.04.2013

11:58 Uhr

Pharmakonzern

Reckitt Benckiser profitiert von Grippewelle

Hauptsache ein Nutznießer: Der britische Pharmakonzern Reckitt hat durch die Grippenwelle in den USA einen guten Start ins Jahr erwischt. Auch eine deutsche Milliardärsfamilie freut sich über den gesunden Wachstum.

Bunte Pillen gegen die Schlappheit: Bei manchen Grippen helfen nur noch Medikamente. dpa

Bunte Pillen gegen die Schlappheit: Bei manchen Grippen helfen nur noch Medikamente.

LondonEine Erkältungs- und Grippewelle in den USA hat dem immer stärker auf Gesundheitsprodukte konzentrierten britischen Konzern Reckitt Benckiser einen guten Start ins Jahr beschert. Der Umsatz stieg in den ersten drei Monaten um sieben Prozent auf umgerechnet 2,94 Milliarden Euro, wie der Hersteller von Erkältungsmitteln wie Dobendan Strepsils am Montag mitteilte. Damit lag der Erlös leicht über der Prognose der Analysten.

Für 2013 peilt der Konzern, der mit Produkten wie Calgon-Entkalker oder Kukident-Zahnprothesenreiniger groß wurde, weiter ein Umsatzplus von fünf bis sechs Prozent an. Darin enthalten sind bereits angekündigte Zukäufe. Der deutsche Konkurrent Henkel will mit Produkten wie Persil und Pritt dieses Jahr organisch um drei bis fünf Prozent wachsen.

Gesundheits- und Hygieneartikel gewinnen beim Reckitt-Konzern, der auch Durex-Kondome und das Magenmittel Gaviscon herstellt, immer stärker an Gewicht. Erst Ende 2012 stärkte er sich im Markt für rezeptfreie Mittel und Gesundheitsprodukte, der vor allem in den USA solide Wachstumsraten aufweist.

Pharmabranche an der Patentklippe

Wichtige Patente laufen aus

Die Pharmabranche steht vor schwierigen Zeiten: Nach Einschätzung des Beratungsunternehmens Accenture werden bis zum Jahr 2015 rund 50 Blockbuster ihren Patentschutz verlieren – das sind Arzneien, die für mindestens eine Milliarde Dollar Umsatz im Jahr sorgen. Die Originalprodukte verlieren nach Patentablauf in der Regel massiv Marktanteile an die deutlich preisgünstigeren Nachahmer-Produkte der Generikahersteller.

Cholesterinsenker und Blutverdünner

Betroffen sind die Medikamente etlicher Pharmakonzerne. Etwa der Cholesterinsenker Lipitor, mit dem Pfizer einst mehr als 12 Milliarden Dollar Umsatz pro Jahr machte. Oder der Blutverdünner Plavix, der Sanofi und Bristol-Myers Squibb 2011 mehr als neun Milliarden Dollar in die Kassen spülte. Auch das Asthma-Mittel Singulair von Merck verliert seinen Schutz.

Generikahersteller profitieren

Von Ablauf der Patente profitieren die Hersteller von Generika: Sie dürfen die Arzneien kopieren und zu günstigen Preisen verkaufen. Das dämpft die Kosten – auch die Patienten profitieren davon.

Probleme mit dem Nachschub

Der Pharma-Industrie fällt es immer schwere, neue Blockbuster-Medikamente zu entwickeln. Das hat mit den strikteren Zulassungsbedingungen und den schärferen Kontrollen der Behörden zu tun. Ein Beispiel: Der deutsche Hersteller Merck stoppte das Multiple-Sklerose-Medikament Cladribin, weil es in mehreren Ländern keine Zulassung bekam.

Die Briten verleibten sich etwa den US-Vitaminhersteller Schiff Nutrition ein. Nachsehen hatte der Bayer -Konzern, dessen Angebot nicht ausreichte. Im Februar folgte ein rund 480 Millionen Dollar schweres Lizenzgeschäft mit Bristol Myers-Squibb für Gesundheitsmarken in Lateinamerika. Bis 2015 will Reckitt mehr als 70 Prozent des Geschäfts mit Gesundheits- und Hygieneprodukten erzielen. Im Pharmabereich macht der Konzern den größten Gewinn mit einem Heroin-Ersatz-Medikament.

An dem britischen Konzern hält auch die deutsche Milliardärsfamilie Reimann noch einen Minderheitsanteil. Die Familie verdiente ihr Vermögen mit dem Chemiekonzern Benckiser, der 1999 mit Reckitt & Colman fusionierte. Reimann baut sich derzeit ein weiteres Standbein am Kaffee- und Teemarkt. Jüngstes Übernahmeobjekt ist der Senseo-Hersteller D.E. Master Blenders 1753.

Von

rtr

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