Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.08.2012

15:26 Uhr

Pharmakonzern

Roche-Manager wird Chef von AstraZeneca

Roche-Manager Pascal Soriot soll ab Oktober die Ruder beim Pharmakonzern AstraZeneca übernehmen. Auf die neue Führung wartet eine harte Aufgabe. Kassenschlager verlieren in den nächsten Jahren den Patentschutz.

AstraZeneca in London. ap

AstraZeneca in London.

LondonDer britisch-schwedische Pharmakonzern AstraZeneca ist auf der Suche nach einem neuen Chef beim Schweizer Rivalen Roche fündig geworden. Ab 1. Oktober werde der bisherige Manager der Pharmasparte von Roche, Pascal Soriot, die Geschicke bei AstraZeneca lenken, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Der 53-jährige soll den Konzern mit seinen weltweit rund 57.000 Beschäftigten wieder auf einen Wachstumspfad führen, nachdem zuletzt Generika-Konkurrenz und mehrere Studienfehlschläge dem Konzern schwer zu schaffen machten. Sein Vorgänger, David Brennan, hatte nach einem Gewinneinbruch im ersten Quartal im April das Handtuch geworfen. AstraZeneca wurde seit dem 1. Juni interimsmäßig von Finanzchef Simon Lowth geführt.

An der Börse konnte AstraZeneca mit der Nachricht nicht punkten. Die Aktie büßte in London 0,5 Prozent ein.

Soriot war seit 2010 für das operative Geschäft der Pharmasparte von Roche verantwortlich. Unter seiner Führung gelang den Baselern eine Reihe von Neuentwicklungen. Der Franzose war zudem Chef der US-Tochter Genentech, in deren Labore viele neue Krebspräparate des Schweizer Konzerns entwickelt wurden. Vor seiner Karriere bei Roche hatte Soriot von 1986 bis 2005 mehrere Management-Positionen bei Pharma-Gesellschaften durchlaufen, die inzwischen im französischen Pharmakonzern Sanofi aufgegangen sind.

Auf Soriot wartet bei AstraZeneca keine leichte Aufgabe. Großbritanniens zweitgrößter Pharmakonzern leidet wie auch andere internationale Arzneimittelhersteller darunter, dass Patente wichtiger Umsatzstützen auslaufen. Kassenschlager wie das Mittel Nexium gegen Sodbrennen, das Schizophrenie-Medikament Seroquel und auch die Top-Arznei Crestor gegen Blutfett verlieren in den nächsten Jahren den Patentschutz in wichtigen Märkten. Bei Seroquel liefen Patente im März auf dem weltgrößten Pharmamarkt USA aus. Zudem bekommt AstraZeneca die Bemühungen vieler Regierungen zu spüren, in ihren Gesundheitssystemen zu sparen. "Niemand ist blind, was die Herausforderungen betrifft, mit denen der Pharmasektor und dieses Unternehmen konfrontiert sind", erklärte Soriot. Die Stärken von AstraZeneca seien aber ebenso klar.

Die Ernennung von Soriot ist die erste wichtige Entscheidung des neuen Verwaltungsratschefs von AstraZeneca, Leif Johansson, der das Gremium seit dem 1. Juni leitet. Er lobte die Führungsqualitäten des Franzosen, sein strategisches Denken und seine Erfahrung. AstraZeneca erwirtschaftete im vergangenen Jahr rund 34 Milliarden Dollar Umsatz. In Deutschland hat das Unternehmen nach eigenen Angaben 12500 Beschäftigte.

Analysten fragen sich jetzt vor allem, in welche Richtung die neue Führung den Konzern steuern möchte - ob sie größere Zukäufe wagen oder auf weitere Einsparungen setzen will. Im April hatte AstraZeneca angekündigt, seine Medikamentensparte mit der Übernahme der US-Firma Ardea auszubauen. Dafür legte der Konzern umgerechnet 950 Millionen Euro auf den Tisch. Zudem erwarb der Konzern für 3,4 Milliarden Dollar Rechte an Diabetes-Mitteln der Biotech-Firma Amylin Pharmaceuticals und arbeitet dabei mit dem US-Rivalen Bristol-Myers Squibb zusammen. Manche Analysten halten dies aber nicht für ausreichend, um die großen Umsatzdellen in Folge der Patentabläufe auszubügeln. Nach ihrer Einschätzung wären dazu größere Zukäufe notwendig.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×